10. Juni 2021

„Man muss einfach vor Ort sein” „Man muss einfach vor Ort sein”: Eine geographische Exkursion in Corona-Zeiten

Eine geographische Exkursion in Corona-Zeiten

Bodenarten bestimmen, Aufschlüsse suchen oder Talformen beobachten: Seit vielen Generationen zählen diese Aufgaben zu einer klassischen Exkursion für Studierende der Geographie. In jedem Semerster erforschen rund 20 Studierende mit Exkursionsleitenden aus der Geographie das Siebengebirge. Dort untersuchen sie Spuren aus vergangenen vulkanischen Aktivitäten. Dieses Jahr wären wir an der Reihe gewesen. Aber die Pandemie stellte auch uns Bonner Geograph:innen vor neue Herausforderungen. Ein Bericht von Julia Feth und Johanna Niedick. Ein Artikel aus der forsch 2021/01.

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Exkursion in Corona-Zeiten
Exkursion in Corona-Zeiten - Julia Feth und Johanna Niedick studieren im 4. Semester Geographie B. Sc. Gemeinsam gingen sie auf Exkursion. © Julia Feth
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Statt gemeinsam als große Gruppe loszuziehen, konnten wir nur zu zweit in die Exkursion starten – ohne unseren Dozenten. Er gab uns stattdessen einige Dokumente mit auf den Weg: eine Karte mit verschiedenen Stationen, die wir in Bonn besuchen sollten, eine Liste der
nötigen Hilfsmittel und natürlich die Aufgabenstellungen.

Mit dieser Ausrüstung machten wir uns auf, das Siebengebirge hinauf. An einer Weggabelung am Rodderberg waren wir sehr unsicher: „Forschen“ wir überhaupt an der richtigen Stelle? Zum Glück trafen wir auf einen netten Mit-
arbeiter von Gut Broichhof. Nicht nur konnte er uns bestätigen, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Er wusste auch die Lösung unserer Auf-
gabe: „Wie hoch ist der Kraterrand des ehemaligen Vulkans?“ Es sind 196,7 Meter. Wir hatten uns bei der Frage ein bisschen verschätzt.

Vor allem hatten wir einen Gesprächspartner; das war sehr wertvoll. Ein solcher Aha-Moment ist wichtig in der Exkursion: Jener Moment, in dem der Dozierende uns dabei unterstützt, Theorie mit der Praxis zu verknüpfen.

Anders in der Pandemie

Jetzt in der Pandemie ist das anders: Wir sind zwar vor Ort und untersuchen die Aufschlüsse oder Steinbrüche. Aber erst nach der Exkursion beschäftigen wir uns mit der Literatur, erst danach können wir überprüfen, was wir gesehen haben und wie alles zusammenhängt. In Corona-Zeiten gibt es gewöhnlich keinen Aha-Moment vor Ort. Er findet zuhause, am Schreibtisch, statt.

Später, auf der Suche nach einem Aufschluss, trafen wir zwei Menschen, die im Siebengebirge wohnen und sich auskennen. Wieder hatten wir Glück: Einer von beiden war selbst Geograph. Er konnte uns den Weg zum gefragten Aufschluss erklären. Und er erzählte uns, dass wir hier auf den Spuren vieler Geographstudierender wandeln, die hier häufig anzutreffen sind, zum Beispiel auf dem Dollendorfer Hardt.

Auf dem Weilberg angekommen, wurden wir mit einem sehr beeindruckenden Steinbruch belohnt.

Exkursionen sind auch in Corona-Zeiten möglich und lehrreich – und im Geographie-Studium auf keinen Fall wegzudenken. Man muss einfach vor Ort sein, um Geographie zu verstehen.

Julia Feth und Johanna Niedick studieren im 4. Semester Geographie B. Sc. Gemeinsam gingen sie auf Exkursion.

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