26. August 2026

Lichtgase zeigen kritisches Verhalten Lichtgase zeigen kritisches Verhalten

Wesentliche Forschungslücke in der Physik der Phasenübergänge geschlossen

FORSCHUNGSTICKER: Ein Forschungsteam der Universitäten Bonn und Heidelberg sowie der UNAM (Mexiko) untersuchte das kritische Verhalten von Lichtteilchen (Photonen) nahe eines Phasenübergangs. 

Kleebank_Lichtgase_2.jpg
Kleebank_Lichtgase_2.jpg - Experimenteller optischer Aufbau zur Erzeugung eines Quantengases aus Licht mit "kritischem Verhalten” bestehend aus farbstoff-gefülltem optischen Mikroresonator. Foto: Leon Kleebank / Universität Bonn 2026 © Leon Kleebank / Uni Bonn
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UM WAS GEHT ES?
Ein Forschungsteam der Universitäten Bonn und Heidelberg sowie der UNAM (Mexiko) untersuchte das kritische Verhalten von Lichtteilchen (Photonen) nahe eines Phasenübergangs. Dieses kritische Skalierungsverhalten, bei dem thermodynamische Größen kurz vor der Bose-Einstein-Kondensation extrem groß werden oder divergieren, war bei Lichtgasen zuvor nie beobachtet worden. Den Forschenden gelang nun genau dieser Nachweis. Sie vermaßen die räumlichen Korrelationen eines nahezu wechselwirkungsfreien 2D-Photonengases gefangen in einer Spiegelbox im Moment der Kondensation und bestimmten den kritischen Exponenten – eine Größe, die das starke Anwachsen der Korrelationslänge bei Änderung der Temperatur nahe des Phasenübergangs beschreibt.

WIE SIND DIE FORSCHENDEN VORGEGANGEN?
Hierfür wurden Lichtteilchen in einem optischen Mikroresonator gefüllt mit einer Farbstofflösung gefangen. Durch Absorption und Emission der Lichtteilchen an den Farbstoffmolekülen kühlten die Photonen effektiv ab (sie thermalisierten), bis die Quantenphase der Kondensation einsetzte. Außerdem wurde einer der Resonatorspiegel zuvor mit einer Laserschreibmethode im Nanometerbereich strukturiert. Dadurch entstand ein kastenartiges Potenzial. Anschließend wurde die Winkelverteilung des austretenden Lichts mit einer Kamera gemessen und per Fourier-Transformation ausgewertet um die räumlichen Korrelationen zu ermitteln.

WAS IST DIE WICHTIGSTE ERKENNTNIS?
Es zeigt sich erstmals experimentell, dass Lichtgase eine eigenständige, übergeordnete Universalitätsklasse physikalischer Systeme in der Natur darstellen. Vergleichbar mit Wasser, das am kritischen Punkt durch Opaleszenz plötzlich trüb wird, zeigt das Photonengas hier eine stark anwachsende und divergierende Korrelationslänge. Das Forschungsergebnis schließt eine wesentliche Lücke in der Physik der Phasenübergänge und hat das Potenzial spannende neue Grundlagenforschung zu Systemen fernab des thermischen Gleichgewichts sowie zukünftige optische Anwendungen zu eröffnen.

Das Team besteht aus Wissenschaftler*innen des Instituts für Angewandte Physik der Universität Bonn (Leon Kleebank, Dr. Frank Vewinger, Prof. Dr. Martin Weitz), des Kirchhoff-Instituts für Physik der Universität Heidelberg (Julian Schmitt) sowie des Instituto de Física der Universidad Nacional Autónoma de México (Dr. Arturo Camacho-Guardian, Prof. Dr. Victor Romero-Rochín, Dr. Rosario Paredes). Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Julian Schmitt (Heidelberg).

Weitere Infos:
https://www.qo.uni-bonn.de/de
https://www.kip.uni-heidelberg.de/optiqs

Kleebank et. al., Observation of critical scaling in the Bose gas universality class, 
Sci. Adv. 12, eaee2942 (2026), 
https://doi.org/10.1126/sciadv.aee2942

Leon Kleebank, Institut für Angewandte Physik, Uni Bonn, espert@iap.uni-bonn.de
Prof. Dr. Julian Schmitt, Kirchhoff-Institut für Physik, Uni Heidelberg, julian.schmitt@kip.uni-heidelberg.de

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