05. März 2026

Ökolandbau-Tagung in Bonn sucht Antworten auf Widersprüche Ökolandbau-Tagung in Bonn sucht Antworten auf Widersprüche

Transdisziplinär, praxisnah, diskussionsfreudig

Wie lässt sich Ökolandbau weiterentwickeln, wenn Ziele, Erwartungen und Rahmenbedingungen zunehmend in Spannung zueinanderstehen? Diese Leitfrage prägte die Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau (WITA 2026), die Anfang März 2026 an der Universität Bonn stattfand. Unter dem Motto „Widerspruch begegnen – viele Antworten, ein Ökolandbau“ kamen Forschende mit Akteurinnen und Akteuren aus Praxis, Beratung, Verbänden und Politik zusammen, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskutieren und gemeinsam Perspektiven für die Umsetzung zu entwickeln.

Ökologischer Landbau
Ökologischer Landbau - Limousin-Rinder auf dem Versuchsgut Wiesengut der Universität Bonn. © Foto: Bernadett Yehdou/ Universität Bonn
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Ein zentrales Merkmal der Tagung war ihr konsequent transdisziplinärer Ansatz. WITA 2026 verband wissenschaftliche Expertise über Fächergrenzen hinweg mit Erfahrungswissen aus der landwirtschaftlichen Praxis und gesellschaftlichen Debatten. Damit stand die Tagung exemplarisch für ein Kernprinzip im Zukunftskonzept der Exzellenzuniversität Bonn: Forschung, die nicht nur interdisziplinär arbeitet, sondern gezielt die Expertise aus der Praxis einbezieht und Erkenntnisse gemeinsam mit Partnern außerhalb der Universität entwickelt.

„Die Landesregierung stärkt dem Öko-Landbau seit vielen Jahrzehnten den Rücken – nicht zuletzt mit den Öko-Flächenprämien, die allein im letzten Jahr in einem Umfang von über 22 Millionen Euro ausgezahlt wurden“, so Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen zum Auftakt der WiTa. „Wir wollen dem ökologischen Landbau verlässliche Rahmenbedingungen bieten und ihn auf wissenschaftlicher Basis weiterentwickeln. Das funktioniert am besten, wenn sich Wissenschaft, Beratung und Praxis auf Augenhöhe begegnen." Gorißen verwies beispielhaft auf die „Leitbetriebe ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen“, die vor 33 Jahren auf Initiative der Landesregierung als Gemeinschaftsprojekt von Universität Bonn und Landwirtschaftskammer aus der Taufe gehoben wurden. „Die WITA 2026 zeigt, wie wichtig der Austausch ist, um Zielkonflikte offen anzusprechen und tragfähige Lösungen für Landwirtschaft und Verbraucherinnen und Verbraucher voranzubringen.“

Auch der Rektor der Universität Bonn, Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch, hob die Bedeutung dieser Zusammenarbeit hervor: „Das Motto ‚Widersprüche gestalten‘ geht mitten ins Herz der aktuellen Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft steht – und hier in Bonn versuchen wir, unseren eigenen Beitrag dazu zu leisten, diese Spannungen produktiv zu gestalten: mit transdisziplinärer Forschung und im engen Dialog mit Praxis und Gesellschaft. Als einzige Universität in Nordrhein-Westfalen mit einer landwirtschaftlichen Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurswissenschaftlichen Fakultät ist es unsere Aufgabe, durch den Transfer von exzellenter Forschung in die Praxis die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu stärken. Ich bin sicher: Von dieser Tagung werden deshalb neue Impulse ausgehen – für Wissenschaft, Innovation und Politik.“

Breite Themen, tiefe Debatten: Von Agroforst bis Tierwohl

Das wissenschaftliche Programm spiegelte die Vielfalt des Ökolandbaus und die Bandbreite der Forschung wider. In rund 150 Vorträgen, 70 Postern und 20 Workshops wurden neue Ansätze und kontroverse Fragen diskutiert. Beiträge reichten von innovativen Systemen wie Agroforst und Streifenanbau über die weiterhin drängende Stickstoffversorgung und grundlegende Aspekte des Tierwohls bis zu Optionen der Flächenausdehnung sowie sozialen und ökonomischen Perspektiven des Ökolandbaus. Deutlich wurde: Gemeinsame Werte und Prinzipien verbinden das Feld, zugleich braucht es unterschiedliche Strategien, um diese in die Praxis zu übertragen und gesellschaftlich zu vermitteln.

Keynotes setzen Akzente: Biodiversität und globale Ernährungssysteme

Zwei Keynotes spannten den thematischen Rahmen der Tagung besonders weit. Prof. Dr. Alexandra-Maria Klein, Leiterin des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsökologie an der Universität Freiburg, beleuchtete in ihrem Vortrag „Biodiversität in Agrarökosystemen – Vielfalt, Pestizide und eine Frage der Landschaftsstruktur“ die Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlicher Bewirtschaftung und ökologischen Prozessen. Prof. Dr. Matin Qaim, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung der Universität Bonn, ordnete in seiner Keynote „Nachhaltige Landwirtschaft und Ernährungssysteme weltweit und Rolle des Ökolandbaus“ die Bedeutung des Ökolandbaus im globalen Kontext ein.

Gemeinsam Antworten entwickeln

WITA 2026 machte deutlich, dass Widersprüche im Ökolandbau nicht nur Herausforderungen sind, sondern auch Motor für Erkenntnis und Fortschritt. Dort, wo Zielkonflikte offen benannt und Perspektiven zusammengeführt werden, entstehen neue Forschungsfragen – und Wege, wissenschaftliche Ergebnisse wirksam in die Praxis zu bringen.

WITA 2026
WITA 2026 - Dr. Martin Berges, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, vertrat Ministerin Silke Gorißen. © Foto: Volker Lannert/Universität Bonn
WITA 2026
WITA 2026 - Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch sprach ein Grußwort. © Foto: Volker Lannert/Universität Bonn

Weitere Informationen zur WITA:
https://wissenschaftstagung.de


Ansprechpartner für die Medien:

Christoph Stumm
Tel.: +49 (0)228 73 2038
wita2026@uni-bonn.de

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