08. September 2014

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Forscher der Universität Bonn schließen Pilotprojekt zur Edition von Friedensdokumenten im Netz ab

Wie entsteht Frieden? Der Westfälische Friedenkongress (1643-1649) ist ein prominentes Beispiel dafür, wie es verfeindeten Parteien gelungen ist, ein Instrumentarium zu entwickeln, nachhaltig Krieg zu beenden. Digitalisierte Dokumente zu den Verhandlungen sind nun unter http://apw.digitale-sammlungen.de auch online abrufbar. Auf diese Weise lässt sich komfortabel recherchieren, wie sich der Friedensprozess im Einzelnen vollzog. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Pilotprojekt wurde nun von Wissenschaftlern der Universität Bonn und der Bayerischen Staatsbibliothek abgeschlossen.

Unterschriftenseiten
Unterschriftenseiten - des kaiserlich-französischen Friedensvertrags vom 24. Oktober 1648. © Repro: Reichert-Verlag/http://reichert-verlag.de/faksimile/9783882268959_der_westfaelische_frieden-detail
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Gerade im Zeichen der aktuellen Krisen in der Ukraine, Israel, Syrien und Irak ist die brennende Frage, wie Frieden entsteht, wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. „Die europäische Geschichte der Frühen Neuzeit vermag hierauf auch für die Gegenwart relevante Antworten zu bieten“, sagt Privatdozent Dr. Dr. Guido Braun vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn. Die zahlreichen Konflikte vergangener Jahrhunderte seien von intensiven Friedensbemühungen begleitet worden, die grundlegende Formen und Mechanismen der Friedensstiftung entwickelten.

Als ein wichtiges Instrument des Friedenschließens bildeten sich die europäischen Kongresse heraus, besonders der Westfälische Friedenskongress (1643–1649), an dem fast alle wichtigen Mächte Europas beteiligt waren. „Er ist vorbildlich für Formen und Verfahren des Friedenschließens“, sagt Dr. Maria-Elisabeth Brunert vom Zentrum für Historische Friedensforschung (ZHF) der Philosophischen Fakultät der Universität Bonn, das voriges Jahr gegründet wurde. Schon seit den 1950er Jahren wird er von Bonner Historikern intensiv erforscht.

Kernbegriffe der Friedensakten lassen sich bequem recherchieren

Nun kann das ZHF mit einem wichtigen Beitrag zur Friedensforschung aufwarten: In Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) schlossen die Forscher die digitale Erschließung und Präsentation der zentralen Quellen zum Westfälischen Frieden ab, die bis 2008 als Printedition in 40 Bänden publiziert worden waren. Diese Quellen wurden digitalisiert und als maschinenlesbarer und durchsuchbarer Volltext im Netz bereitgestellt. „Damit lassen sich beispielsweise Kernbegriffe der Friedensakten bequem recherchieren“, sagt Dr. Braun.

So bestand beispielsweise ein grundlegendes Prinzip frühneuzeitlichen Friedensdenkens im gegenseitigen Vergeben und Vergessen der Vorkommnisse während des Krieges. Alle Belegstellen einschlägiger Begriffe wie „amnestia“ lassen sich nun einfach per Mausklick aufrufen, während in der Printversion erst mühsam über 28.000 Seiten Quellentext dafür zu lesen wären. „Dies ermöglicht einen erheblich schnelleren, fundierteren und differenzierteren Zugang zu den Grundlagen historischer Friedensvorstellungen“, sagt Dr. Brunert.

Das Online-Angebot bietet einen Mehrwert gegenüber der Printedition

Das Online-Angebot richtet sich keineswegs nur an Fachleute: Eine schlanke Chronologie bietet etwa einen ersten Überblick über zentrale Ereignisse des Kongressgeschehens für Einsteiger. Einen erheblichen Mehrwert gegenüber der Printedition bieten ferner Kurzbiographien zu den Hauptakteuren sowie einführende Texte zur Kongressgeschichte und eine Zeitleiste für Experten, die einen strukturierten Überblick über dessen Ablauf gestatten. Zur leichteren Nutzung des Quellenmaterials wurden außerdem auf der Basis der Register Orts- und Personenlisten erstellt. Die Orte wurden dabei mit Geokoordinaten versehen und kartographisch dargestellt, die Personen durchgehend eindeutig identifiziert, wodurch sie in Zukunft mit anderen Angeboten, die sich des etablierten Standards („GND“) bedienen, vernetzt werden können.

Das Vorhaben gilt als Pilotprojekt im Bereich der frühneuzeitlichen Quelleneditionen und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Bayerische Staatsbibliothek sorgt für die Langzeitarchivierung und -pflege der Website und der ihr zugrunde liegenden Digitalisate, Dateien und Daten. APW digital ist dort unter der Adresse http://apw.digitale-sammlungen.de zu erreichen.

Kontakt für die Medien:

PD Dr. Dr. Guido Braun
Institut für Geschichtswissenschaft
Tel. 0228/735176
E-Mail: gbraun@uni-bonn.de

Dr. Maria-Elisabeth Brunert
Zentrum für Historische Friedensforschung
Tel. 0228/7360201
E-Mail: zhf@uni-bonn.de

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