20. März 2018

Globaler Klimawandel – ein Themenabend, der keinen kalt ließ Globaler Klimawandel – ein Themenabend, der keinen kalt ließ

Von der Erwärmung der Erde vor etwa 15.000 Jahren bis zur Sturzflut in Wachtberg im Jahr 2016: Das Klima verändert sich stetig, es ist variabel. Doch was genau bedeutet das für den Planeten und unseren Alltag? Anlässlich des 200jährigen Bestehens der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zeigten drei Forscher der Universität bei einer Podiumsdiskussion unterschiedliche Perspektiven auf dieses komplexe Thema auf.

Zahlreiche Zuhörer
Zahlreiche Zuhörer - informierten sich bei der Podiumsdiskussion in Hörsaal I des Universitäts-Hauptgebäudes über die globalen und lokalen Aspekte des Klimawandels. © Foto: Volker Lannert/Uni Bonn

Das Thema ‚globaler Klimawandel‘ ist seit vielen Jahren aus den Medien und dem öffentlichen Diskurs nicht mehr wegzudenken. „Hat man also genug über ihn gesprochen? Aus unserer Sicht nicht!“, stellte Dr. Christian Ohlwein, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Meteorologischen Institut der Universität Bonn und Moderator dieses Abends, gleich bei der Begrüßung im Hörsaal 1 des Hauptgebäudes fest.

Aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven wollten die Forscher das komplexe Themenfeld beleuchten und diskutieren – und hatten deshalb nach den jeweiligen Vorträgen auch reichlich Platz für Publikumsfragen eingeräumt. Ein schönes Konzept, denn eines wurde am Ende dieses Abends deutlich: Das Thema Erderwärmung ließ hier niemanden kalt!

Das Klima für die nächsten 50 Jahre ist nicht mehr zu ändern

Andreas Hense, Professor für Meteorologie mit Schwerpunkt Klimadynamik, gab im ersten Vortrag Einblicke in seine aktuelle Forschung zum globalen Klimawandel. Seine Kernbotschaft verstand man auch, wenn man mit den kompliziert anmutenden Berechnungen der gezeigten Grafiken nicht viel anfangen konnte: „Für die nächsten 30 bis 50 Jahre ist eine Klimaänderung zu erwarten und daran können wir nichts mehr ändern. Jeder, der Ihnen erzählen will, dass man kurzfristig noch etwas ändern kann, erzählt Ihnen Unsinn“, so Hense. Der Grund: die „Trägheit der Erde“. Als Beispiele nannte er die Ozeane oder auch die Menschheitsentwicklung – weder kühlten Ozeane von heute auf morgen ab, noch hörten Menschen auf, sich wie bisher fortzupflanzen. Erst auf lange Sicht könnten Klimamaßnahmen greifen.

Eifelmaare als Klimaarchive

Heutige Klimaphänomene lassen sich jedoch nicht erklären, ohne in die Vergangenheit zu schauen. Und so nahm Thomas Litt, Professor für Paläobotanik, seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise der Jahrtausende alten Klimageschichte unserer Erde. Konkret zeigte der Forscher sie am Beispiel der Eifel-Maare: Lange bevor der Mensch hier anfing, das Wetter systematisch zu dokumentieren, hat die Natur genau diese Aufgabe für uns übernommen. Die jährlich geschichteten Seesedimente bergen für Litt wahre Schätze: „Es sind einmalige Paläo-Klimaarchive, die wir sonst kaum in der Geologie erhalten.“ In ihnen stecken wertvolle Informationen über die Geschichte des Erdklimas. Um diese zu erzählen, müssen die Forscher um Thomas Litt „Stellvertreterdaten“ sammeln und analysieren – wie beispielsweise Pollen. Salopp gesagt, gibt das Pollenvorkommen in den einzelnen Schichten Aufschluss darüber, wie die Vegetation zu welcher Zeit aussah. Wie präzise diese Informationen sind, verdeutlichte schließlich ein Schaubild von Europa: Lag es noch vor 15.000 Jahren unter einer dicken Schneedecke, begann erst ab dieser Zeit eine Wiedererwärmung und Wiederbewaldung, die die Forscher – dank der „Pollen-Stellvertreterdaten“ – genau nachvollziehen können.

Wetterphänomene werden extremer

Doch wie verändert sich das Wetter heute, direkt vor unserer Haustür? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Vortrag von Professor Dr. Clemens Simmer. Der Experte für Meteorologie mit Schwerpunkt Fernerkundung machte am konkreten Beispiel der Sturzflut vom 4. Juni 2016 in Wachtberg und dessen Einbettung in Niederschlagsbeobachtungen der letzten 60 Jahre deutlich, dass extreme Wetterphänomene dieser Art in Zukunft wahrscheinlicher und auch intensiver werden. Die Schwierigkeit hier: Man kann zwar die Wetterlage, die solche Ereignisse hervorbringt, vorhersagen, eine explizite räumliche Vorhersage ist jedoch schwierig. „Auch werden die Winter in unserer Region insgesamt nasser, die Sommer hingegen trockener“, resümierte Simmer. Kleiner Trost in diesem eher unschönen Szenario: Insgesamt mehr Regentage erwartet Simmer nicht.

Nach dem offiziellen Teil luden die Veranstalter das Publikum noch in die Cafeteria ein, um in kleinerer Runde noch ein bisschen übers Wetter zu reden.

Auf der Bühne (von links):
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