14. November 2017

„Ich bin dabei, wenn andere mitmachen!“ „Ich bin dabei, wenn andere mitmachen!“

Die Studie eines internationalen Forscherteams mit Beteiligung der Universität Bonn zeigt, dass der Erhalt öffentlicher Güter auf weniger Neigung zur Kooperation stößt als die Schaffung neuer Ressourcen. Das Verhalten folgt dem bekannten Prinzip der Gegenseitigkeit: „Ich bin dabei, wenn andere mitmachen!“

Wasser:
Wasser: - Solch natürliche Ressourcen zählen zu den öffentlichen Gütern. © Foto: COLOURBOX.de

Dr. Simone Quercia, Wissenschaftler am Institut für Angewandte Mikroökonomik (IAME) an der Universität Bonn, erforschte zusammen mit seinen Kollegen Prof. Dr. Simon Gächter von der Universität Nottingham und Dr. Felix Kölle von der Kölner Universität, wie das Prinzip der Gegenseitigkeit sich auf die Erhaltung  und Bereitstellung öffentlicher Güter auswirkt.

Beispiele für den Erhalt solcher Güter sind Schonung natürlicher Ressourcen wie Wasser, die Begrenzung von Treibhausgasen oder der Schutz der Biodiversität. Beispiele für die Erschaffung sind dagegen politisches Engagement, Spenden und Ehrenamt.

Das Team stellte sich die Frage, wie sich das Prinzip der Reziprozität („Wie Du mir, so ich Dir“) auf öffentliche Güter auswirke. In einer Serie von Experimenten wurden die insgesamt 876 Studienteilnehmer aufgefordert, die Ressource zu schonen (Erhalt öffentlichen Gutes) oder eine neue Ressource aufzubauen (Erschaffung öffentlichen Gutes).

Die Bereitschaft, ein öffentliches Gut zu erschaffen, war bei den Versuchsteilnehmern stärker ausgeprägt, als die Bereitschaft, ein bestehendes Gut zu schonen. „Unsere Ergebnisse stimmen mit der Beobachtung überein, dass unsere Gesellschaft das Ausbeuten öffentlichen Gutes weniger scharf verurteilt, als die Verweigerung zu öffentlichem Gut beizutragen“, ordnet Dr. Kölle die Ergebnisse in das Forschungsumfeld „Economics: Design and Behavior“ ein.

Das Forscherteam stellte zwei verschiedene Kooperationstypen fest: Ein Großteil der Teilnehmer war nur bereit zu kooperieren, wenn die anderen es auch taten. Der zweite Typ, Trittbrettfahrer oder im Volksmund auch als „Sozialschmarotzer“ bekannt, trägt nie zum Erhalt oder zur Schaffung öffentlichen Guts bei, unabhängig davon, wieviel die anderen investieren.  Es zeigte sich, wenn es um den Erhalt eines öffentlichen Gutes geht, dass weniger Leute bereit sind, bedingt zu kooperieren und mehr Leute gar nicht kooperieren (Typ Trittbrettfahrer).

„Aus den Forschungsergebnissen lassen sich Empfehlungen für politische Bemühungen zur mehr Kooperationsbereitschaft ableiten“, sagt Dr. Quercia von der Universität Bonn. Die Gesetzgeber sollten sich bewusst sein, dass die Kooperationsbereitschaft je nach Art des öffentlichen Guts stark variieren kann, so die Forscher.

Publikation: Reciprocity and the tragedies of maintaining and providing the commons, Nature Human Behaviour, Internet: https://www.nature.com/articles/s41562-017-0191-5

Kontakt:

Dr. Simone Quercia
Institut für Angewandte Mikroökonomie
Universität Bonn
Tel. 0228/739288
E-Mail: simone.quercia@uni-bonn.de

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