23. November 2016

Gemeinsames Ziel: Ein Nachhaltigkeitskodex der Landwirtschaft Gemeinsames Ziel: Ein Nachhaltigkeitskodex der Landwirtschaft

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat jetzt im Beisein von NRW-Landwirtschaftsminister Johannes Remmel den Startschuss für ein gemeinsames Projekt mit der Universität Bonn gegeben, an dessen Ende ein Nachhaltigkeitskodex der Landwirtschaft stehen soll. Diesen entwickelt die DBU in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Tierwissenschaften der Universität Bonn (ITW) und weiteren Projektpartnern. Die DBU fördert das Projekt fachlich und finanziell mit 612.890 Euro.

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GruppenbildDBU.jpg - Gemeinsam die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft im Blick (v.l.): Umweltminister Johannes Remmel (5.v.l.), Prof. Dr. Karl-Heinz Südekum (4.v.r.) und DBU-Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann (3.v.r.). © Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Landwirte haben große Verantwortung. "Hierbei müssen sie zunehmend auf unterschiedliche Nachhaltigkeitsansprüche aus Gesellschaft, Politik und Verwaltung sowie von zahlreichen Akteuren der Lebensmittelbranche reagieren. Was fehlt, ist ein einheitlicher und allgemein akzeptierter Nachhaltigkeitskodex der Landwirtschaft, der Umwelt-, Tierschutz-, Wirtschafts- und Sozialstandards gleichermaßen berücksichtigt“, sagte Johannes Remmel, Agrarminister von Nordrhein-Westfalen, bei seinem Besuch im Hauptgebäude der Universität Bonn.

Warum dazu ein umfassendes Bewertungssystem gebraucht werde, erläuterte Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der DBU: „Um Nachhaltigkeit zu erreichen, ist es erforderlich, die Produktivität der Böden und die Artenvielfalt dauerhaft zu bewahren und Umweltbelastungen auf ein unvermeidbares Maß zu beschränken. Ebenso gilt es, Tiere artgerecht zu halten sowie die ökonomische Existenzfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe sicherzustellen und damit den in der Landwirtschaft tätigen Menschen gerechte und zufriedenstellende Lebensbedingungen zu garantieren.“

Alle Akteure einbeziehen

In engem Schulterschluss mit der Praxis sollen nun aussagekräftige, praxistaugliche und in die betriebliche Datenerhebung integrierbare Nachhaltigkeits-Indikatoren beschrieben und erprobt werden. Die Herausforderung für den nun zu formulierenden Nachhaltigkeitskodex liege darin, alle Akteure mit einzubeziehen. Hierbei sollen die Vorteile sowohl von konventioneller und ökologischer Landwirtschaft zusammengebracht werden. Besonders hervorzuheben sei, dass nun auch Tierschutzindikatoren mit berücksichtigt werden.

Prof. Dr. Karl-Heinz Südekum, Geschäftsführender Direktor des ITW, erläuterte die drei Phasen des Projekts: „Das Projekt wird an bereits bewährte Nachhaltigkeitsstandards anknüpfen. In der ersten Phase geht es darum, Elemente und Indikatoren einer nachhaltigen Landwirtschaft in einem breiten Dialog mit Wissenschaftlern und Landwirten zu entwickeln. In der zweiten Phase soll der Stand der Nachhaltigkeit auf rund 60 typischen landwirtschaftlichen Betrieben angeschaut werden. Und das bereits mit den Indikatoren, die in der vorangegangenen Stufe bestimmt wurden.“ Mit diesen Daten und Erfahrungen werde in der dritten Phase der Nachhaltigkeitskodex noch präziser definiert. Wichtig sei hierbei, dass ein Instrument entwickelt werde, das in die übliche landwirtschaftliche Arbeit integriert werden kann, so der Professor. „Innovativ ist, dass die Anforderungen so beschrieben werden sollen, dass Entwickler und Anbieter von Branchensoftware die Projektergebnisse direkt anwenden können. So wird der Kodex auch in andere Sparten und Branchen übertragbar“, so Südekum.

Netzwerk „Nachhaltige Landwirtschaft“

Die Betriebe, auf denen die Nachhaltigkeitsindikatoren erprobt werden, sollen künftig den Kern eines Netzwerks „Nachhaltige Landwirtschaft“ bilden. Politik, Landwirtschaftskammern, die beteiligten landwirtschaftlichen Verbände und die Wissenschaft unterstützten die Betriebe hierbei in ihrer Pionierfunktion. Für das Erarbeiten der fachlichen Ergebnisse sind die Projektpartner ITW, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, Fachhochschule Südwestfalen und Landwirtschaftskammer NRW zuständig. Auf breiter Basis werden sie dabei unterstützt von der Hochschule Rhein-Waal, der Landesvereinigung Ökologischer Landbau Nordrhein-Westfalen, dem Verband der Landwirtschaftskammern, hier vertreten durch die Landwirtschaftskammer NRW, dem Rheinischen Landwirtschafts-Verband und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband.

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