24. April 2016

Seltener Spezialist für ausgefeilte OP-Techniken Seltener Spezialist für ausgefeilte OP-Techniken

Hannes Haberl etabliert die Pädiatrische Neurochirurgie am Uni-Klinikum Bonn

Prof. Dr. Hannes Haberl gehört zu den wenigen Kinderneurochirurgen in Deutschland. Jetzt will der 60-Jährige am Universitätsklinikum Bonn die pädiatrische Neurochirurgie etablieren. Er ist ein Spezialist für Rückenmarks-Operationen bei Kindern mit einer spastischen Lähmung. Zudem führt er eine weltweit einzigartige Korrektur von Schädelfehlbildungen auf der Basis von Modellen durch. Bevor er nun dem Ruf nach Bonn folgte, baute er eine Pädiatrische Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm auf. Vorher leitete er zehn Jahre die von ihm gegründete Abteilung für Kinderneurochirurgie an der Berliner Charité.

Seltener Spezialist:
Seltener Spezialist: - Prof. Hannes Haberl etabliert etabliert die Pädiatrische Neurochirurgie am Uni-Klinikum Bonn; © Johann Saba / UK Bonn

Jetzt freut sich Prof. Haberl darauf, an der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Bonn, die deutschlandweit zu den größten neurochirurgischen Zentren zählt, sein seltenes Fachgebiet als weitere Säule zu etablieren. „In der Kinderneurochirurgie trifft spezialisiertes chirurgisches Können auf die Besonderheiten des kindlichen Organismus“, sagt Prof. Haberl, der zu den wenigen Kinderneurochirurgen in Deutschland gehört. Doch solche Spezialisten werden gebraucht und so zieht der Neu-Bonner Betroffene aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland wie beispielsweise Frankreich an. „Wir werden vermutlich bereits im ersten Jahr und bisher noch ohne jede Aussendarstellung auf 100 Patienten kommen“, freut sich Prof. Haberl, dessen Abteilung an der Charité Berlin zum Schluss 700 Kinder pro Jahr versorgte.

Globetrotter für die Spezialisierung

Da es hierzulande wenige Ausbildungsmöglichkeiten für die Pädiatrische Neurochirurgie gab, zog es Prof. Haberl nach seinem Facharzt zum klassischen Neurochirurgen nach Frankreich und in die USA, um dort hochspezialisierten Teams über die Schulter zu schauen. „Zehn Jahre bin ich immer dahin gegangen, wo es den erfahrensten Spezialisten gab“, erzählt Prof. Haberl. Die unter anderem in Marseille, Saint Louis, Chicago und San Francisco erlernten Operationstechniken trug er zusammen und brachte sie nach Deutschland. „Mein Ziel ist immer gewesen, den kleinen Patienten eine Behandlung auf höchstem Niveau zu ermöglichen“, betont der Pädiatrische Neurochirurg.

Neu - Pränatale Operation von Spina Bifida

Spina bifida, umgangssprachlich auch Offener Rücken genannt, ist ein unvollständiger Verschluss des Neuralrohrs, der embryonalen Anlage des zentralen Nervensystems. Wird diese angeborene Fehlbildung an der Wirbelsäule vor der Geburt operativ verschlossen, verbessert sich die neurologische Entwicklung des Kindes. Zusammen mit der renommierten Abteilung für Geburtshilfe und Pränatale Medizin am Universitätsklinikum Bonn, die bereits Erfahrung mit fetaler Chirurgie hat, kann Prof. Haberl ab sofort Eltern beraten, die den Wunsch nach einer Operation noch im Mutterleib haben.

Damit die Kinder richtig laufen können

2007 führte er erstmals in Deutschland die so genannte selektive dorsale Rhizotomie durch. Dieser komplizierte Eingriff verringert die durch eine frühkindliche Hirnschädigung bedingte Spastik erheblich. Dabei kommt Prof. Haberl mit einem extrem kleinen Zugang zur Wirbelsäule aus. Dort durchtrennt er unter dem Mikroskop gezielt die sensorischen Nervenfasern, die durch gesteigerte Signale eine permanente Muskelanspannung aufrechterhalten, und unterbricht so den für die Spastik ursächlichen Nervenreflexbogen. „Kinder, die unter einer schweren Gangstörung leiden, können nach der Operation viel besser gehen und stehen“, sagt Prof. Haberl, der bereits insgesamt 140 Kinder mit dieser Technik erfolgreich operiert hat.

Ein weiteres Spezialgebiet des Bonner Kinderchirurgen ist eine weltweit einmalige Korrektur von Schädelfehlbildungen. Der Schlüssel ist hier eine Datenbank über normalgeformte Kinderköpfe, die für jede Operation ein passendes Modell errechnen und herstellen kann. Mit speziellen Instrumenten kann der kindliche Knochen millimetergenau  der Modellform angepasst werden.

Die Ausbildung liegt ihm am Herzen

Die Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn, eine der deutschlandweit größten, braucht für eine allumfassende Ausbildung auch einen versierten Pädiatrischen Neurochirurgen. Dabei müssen Assistenzärzte bei Prof. Haberl früh ran und werden von ihm vom einfachen Hautschnitt an Schritt für Schritt an komplizierte Techniken herangeführt: „Man lernt ja auch nicht ein Instrument einfach durch zugucken.“ Sein Endziel ist, in Bonn fünf Kinderneurochirurgen auszubilden, darunter auch seinen Nachfolger.

Zudem plant Prof. Haberl zusammen mit Sportpsychologen eine Weiterbildungsakademie für Chirurgen, die sich speziell auf Stressverarbeitung, den Umgang mit Störfaktoren, Erholungstechniken und multimodales Arbeiten konzentriert. Denn wie Berufssportler, Piloten und Musiker müssen Chirurgen jederzeit aus dem Stand eine möglichst fehlerfeie Leistung vollbringen. „Es gibt in anderen Berufen Strategien für Belastungssituationen, die in der Medizin völlig unbekannt sind“, sagt Prof. Haberl aus eigener Erfahrung.

„Echte Ärzte“ – eine Band mit Kultstatus

Fernab vom Operationssaal war Prof. Haberl als Musiker an den Keyboards aktiv. So war er etwa 15 Jahre aktives Mitglied der Ärzte-Band der Berliner Charité, die pro Jahr acht bis zehn Auftritte neben dem Arzt-Alltag stemmte. In der sechs-köpfigen Band „Echte Ärzte“ war der Kinderneurochirurg mit Vorliebe für den Rock der 60er und 70er für die Arrangements zuständig.

Kontakt für die Medien:

Professor Dr. Hannes Haberl
Leiter der Sektion Pädiatrische Neurochirurgie
Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-16515
E-Mail: Hannes.Haberl@ukb.uni-bonn.de

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