08. August 2013

Nobelpreisträger und engagierter Institutsvater Nobelpreisträger und engagierter Institutsvater

Erinnerung an Wolfgang Paul. Bonner Physiker wäre am 10. August 100 Jahre alt geworden.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität erinnert an einen ihrer herausragenden Forscher und Institutsleiter. Am 10. August 1913 wurde Professor Dr. Wolfgang Paul geboren. Für die nach ihm benannte Paul-Falle, auch Quadrupol-Ionenkäfig genannt, erhielt der Bonner Physiker im Jahr 1989 den Nobelpreis.

Paul mit Paul'scher Ionenfalle
Paul mit Paul'scher Ionenfalle - Wolfgang Paul im Physikalischen Institut der Universität Bonn am Tag der öffentlichen Bekanntmachung, dass ihm und seinen Mitstreitern der Nobelpreis verliehen werde. © David Ausserhofer 1989.

Wissenschaft ist Teamarbeit, ein Mitspieler kann die ganze Mannschaft zu Höchstleistungen bringen. Professor Dr. Wolfgang Paul war ein solcher Mannschaftsspieler. Vor 100 Jahren, am 10. August 1913, wurde er geboren. Dem Physiker gelang es, den Forschungsstandort Bonn in seiner Zeit als Direktor des Physikalischen Instituts stark auszubauen. Hier entstanden drei Teilchenbeschleuniger, darunter das erste stark-fokussierte Elektronensynchrotron Europas.

"Die Universität Bonn erinnert sich am 100. Geburtstag Wolfgang Pauls an einen herausragenden Physiker, der eine hohe fachliche Ausstrahlung hatte und als Präsident der Alexander-von-Humboldt-Stiftung für die deutsche Wissenschaft und seine Alma mater international bedeutend wirkte“, sagt Professor Dr. Jürgen Fohrmann, Rektor der Universität. „Wolfgang Paul wirkt bis heute“, ergänzt Professor Dr. Klaus Desch vom Physikalischen Institut der Universität Bonn: „Er hat die Grundsteine gelegt für die Bonner Teilchenphysik, die Beschleunigerphysik und die Atomphysik, die alle heute sehr erfolgreich sind.“ Unter dem Titel „Wolfgang Paul – Der Teilchenfänger“ bereitet der Historiker Ralph Burmester am Deutschen Museum Bonn eine Ausstellung über Leben und Werk Wolfgang Pauls vor: „Paul war Physiker aus Leidenschaft, ein Inspirator, ein Motivator. Er gab seinen Mitarbeitern viele Freiheiten und hat sie durch Fordern gefördert“, sagt Burmester.

 Wolfgang Paul wurde in Lorenzkirch (Sachsen) geboren. Er studierte in München und Berlin, promovierte 1939 in Berlin und habilitierte 1944 in Göttingen. 1952 berief ihn die Universität Bonn zum Ordinarius für Experimentalphysik. Legendär wurde eine Reaktion Pauls auf ausbleibende Gelder für Renovierungsarbeiten, die ihm zugesagt worden waren: Paul schickte seiner Universität Bonn das Professorengehalt zurück und machte sich auf den Heimweg nach Göttingen. Der Streit war bald bereinigt und wurde zum Glücksfall, berichtet Burmester, „denn so hörte Paul von einem revolutionären Konstruktionsprinzip im Beschleunigerbau, an dem Werner Heisenberg in Göttingen arbeitete. Zurück in Bonn, machte sich Paul mit seinem Team an die Arbeit. Im Institutskeller entstand der erste stark-fokussierende Teilchenbeschleuniger in Europa.“

Erfolg durch Mut

Für mich als jemand, der Wolfgang Paul nicht mehr persönlich gekannt hat, ist die wissenschaftliche Breite seiner Forschung beeindruckend“, sagt Professor Dr. Klaus Desch. Vom Bau der Teilchenbeschleuniger bis zur Anwendung von Elektronenstrahlen für die Krebstherapie reichten Wolfgang Pauls Interessen. Auf all diesen Gebieten versammelte der Nobelpreisträger viele begeisterte Schüler um sich. Paul wird der Satz zugeschrieben: „Einen Teilchenbeschleuniger zu bauen, ist kein Problem – das Problem ist, die Leute bei Laune zu halten.“ So legte der Institutsleiter Wert darauf, dass die ganze „Institutsfamilie“ zweimal pro Woche vollzählig zum Gespräch zusammen kam – und auch zusammen Karneval feierte.

Bis heute rühmen Pauls Schüler drei Dinge an seiner Arbeitsweise: sein außerordentliches Gedächtnis für physikalische Fakten, seine Fähigkeit, Erkenntnisse von einem Teilgebiet aufs andere zu übertragen und seinen Mut, eventuell erfolglose Experimente dennoch zu versuchen. In seiner Nobelpreisrede zitierte Paul den Philosophen Georg Christoph Lichtenberg: „Man muss etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.“ 1981 wurde Wolfgang Paul emeritiert.

Der Ionenkäfig: ein äußerst feines Messgerät

Die Ehrung aus Stockholm kam 1989 für Pauls Entdeckung des „Ionenkäfigs“. Paul erhielt den Nobelpreis gemeinsam mit Hans Georg Dehmelt und Norman Ramsey. Die Konstruktion ermöglicht es, einzelne elektrisch geladene Atome, Ionen, festzuhalten und beobachtbar zu machen. Weil sich die Konstruktion als äußerst feines Analysegerät nutzen lässt, soll Wolfgang Paul gewitzelt haben: „Ich bin schuld daran, dass sich heute jeder Dreck in der Luft messen lässt und die Leute sich darüber aufregen.“

Die Forschergemeinschaft ehrte Paul mit zahlreichen Ehrendoktoraten und Auszeichnungen. Er übernahm Verantwortung auch in führenden Ämtern am Kernforschungszentrum Jülich, am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und am Europäischen Kernforschungszentrum CERN. Wolfgang Paul starb am 7. Dezember 1993. Vielen Menschen hat er die Liebe zur Wissenschaft weitergereicht, in seiner „Institutsfamilie“ ebenso wie in seiner eigenen Familie; seine zwei Söhne sind heute Physikprofessoren.

Die Universität Bonn würdigt Wolfgang Paul vom 11.-13. November 2013 mit einem Symposium. In Kooperation mit dem Deutschen Museum Bonn wird eine Ausstellung zu Wolfgang Pauls Leben und Werk gezeigt. „Die Veranstaltungen werden dieses Wirken umfassend würdigen“, erklärt dazu der Rektor der Universität Bonn, Professor Dr. Jürgen Fohrmann. Seine Teilnahme bereits zugesagt hat Professor David Wineland, der Physiknobelpreisträger 2012.


Ansprechpartner für das Symposium (11.-13.11.2013):

Prof. Dr. Norbert Wermes,
Physikalisches Institut der Universität Bonn,
Nussallee 12, 53115 Bonn
Tel. 0228 / 73-3533 oder 73-3225

Ansprechpartner für die Ausstellung "Wolfgang Paul - Der Teilchenfänger" (ab 13.11.13):
Ralph Burmester,
Deutsches Museum Bonn,
Ahrstraße 45, 53175 Bonn,
Tel. 0228-302255

Nobelpreisträger Wolfgang Paul
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