19. Juli 2011

Geteilte Meinung zum Afghanistaneinsatz Geteilte Meinung zum Afghanistaneinsatz

Studierende der Universität Bonn befragen Bürger zu ihrer Haltung zum Bundeswehrengagement

Die Hälfte der Bonner ist der Meinung, dass der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr notwendig ist. Das ergab eine Umfrage des Zentrums für Evaluation und Methoden (ZEM) der Universität Bonn, die Studierende durchführten. Unter dem Stichwort „forschungsnahes Lernen“ geht es darum, bereits Bachelor-Studenten möglichst früh an wissenschaftliche Projekte heranzuführen.

In der Umfragekabine:
In der Umfragekabine: - Von hier aus werden beim Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn (ZEM) die Telefonbefragungen durchgeführt. © Foto: Mirjam Setzer/Uni Bonn

Schlüsselkompetenzen sind heute gefragter denn je. Daher haben Bonner Studierende aller Fachrichtungen die Möglichkeit, im Modul „Theorie und Praxis in der Umfrageforschung“ einen umfassenden Einblick in die Grundlagen der Markt-, Sozial- und Meinungsforschung zu erhalten. „Dieser Forschungszweig ist fast ausschließlich in der Hand privater Anbieter. Das ZEM ist daher ein Glücksfall für die Studierenden. Ein eigenes Projekt in einem computergesteuerten Telefonlabor umzusetzen - von dieser Möglichkeit können Studierende an vielen anderen Universitäten nur träumen“, betont Dirk Reifenberg, Projektleiter am ZEM. Im Vordergrund steht neben einer vorbereitenden Einführung, die praktische Durchführung und Auswertung der Studie.

In diesem Semester wurden mehr als 170 Bonner Bürger mittels eines mehrstufigen Zufallsverfahrens ausgewählt und anschließend telefonisch interviewt. „Die Studierenden haben auf diese Weise eine annähernd  repräsentative Stichprobe von Bonner Bürgern befragen können“, erklärt Reifenberg. Im Vordergrund der Befragung sollte weniger die Akzeptanz des Afghanistaneinsatzes unter den Bonnern stehen, sondern viel mehr das Verhältnis und die Empfindungen zu den Soldaten im Einsatzgebiet. Im Zuge der Auswertung stellte sich heraus, dass das Vertrauen in die deutschen Soldaten grundsätzlich groß ist. Dennoch sorgen sich die Bonner einerseits um mögliche zivile Opfer, andererseits aber auch um die Soldaten selber. So vertrauen mehr als 70 Prozent den Soldaten im Auslandseinsatz und glauben daran, dass diese sich mit der Motivation, den Menschen im Einsatzland Sicherheit und Stabilität zu bringen, verpflichtet haben. Aber ein ebenso großer Anteil der Bonner ist der Meinung, dass sowohl die psychologische Betreuung im Einsatzgebiet als auch die entsprechende Nachbetreuung im Heimatland unzureichend sei.

Hinsichtlich der Annerkennung der erbrachten Leistungen durch die Soldaten gibt es unter den Befragten unterschiedliche Meinungen. Obwohl mehr als zwei Drittel der Interviewten Respekt vor den Leistungen der Soldaten bekunden, unterstützen nur 14,3 Prozent die gängige Praxis, jedem Soldaten, der an einem Auslandseinsatz teilgenommen hat, eine Einsatzmedaille zu verleihen. Die übrigen Befragten knüpfen die Verleihung von Orden an besondere Leistungen oder lehnen sie sogar grundsätzlich ab. Alternativ schlagen sie eine bessere Betreuung für die Soldaten während und nach dem Einsatz vor.

Die Studierenden nehmen viele Erfahrungen und neues Wissen aus der Lehrveranstaltung mit. „Ich bin beeindruckt, wie viel Arbeit und Hintergrundwissen hinter der Entwicklung eines solchen Projektes steht“, staunt die Bonner Studentin Ricarda Stienhans, die sich aber nicht nur für Konzeption und Durchführung der Studie begeistert: „Bei der Auswertung war es spannend, unser zuvor aufgestellten Hypothesen zu überprüfen.“

Kontakt:
Dirk Reifenberg
ZEM- Zentrum für Evaluation und Methoden der Universität Bonn
Tel.: 0228/ 7362312
 reifenberg@zem.uni-bonn.de

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