09. Februar 2009

Darwin und seine Blumen Darwin und seine Blumen

Entdecker der Evolutionstheorie war auch einer der bedeutendsten Botaniker seiner Zeit

Eigentlich kennen ihn die meisten nur als Autor der berühmten "Entstehung der Arten" (On the origin of species 1858) und damit als den Begründer der Evolutions-Lehre. Aber Charles Darwin (1809"1882), dessen 200. Geburtstag am 12. Februar ist, hat auch grundlegende Werke zur Botanik geschrieben. Daran erinnern die Botanischen Gärten der Universität Bonn aus Anlass seines runden Geburtstags. Dort blüht derzeit passend zum Anlass der Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale), Darwins botanisches "Meisterstück".

Bild Darwin und seine Blumen
Bild Darwin und seine Blumen © Universität Bonn

Heute ist es Allgemeinwissen, dass es fleischfressende Pflanzen gibt, aber nachgewiesen wurde das erst von Charles Darwin in seinem monumentalen Band "Insektenfressende Pflanzen" (1875). Er war der Erste, der hier grundlegende Versuche ansetzte und zum Beispiel den Sonnentau mit englischem Stilton-Käse fütterte und die Tentakel-Bewegung und Absorption des Eiweißes beobachtete. "Das Bewegungsvermögen der Pflanzen" (1880) und seine Untersuchungen zu Schlingpflanzen beschäftigen sich mit dem ungewöhnlichen Bereich des Bewegungsvermögens von Pflanzen. Und letztlich ist Darwin auch der Begründer der modernen Blütenbiologie. 1862 erschien die Erstausgabe seiner "Die verschiedenen Einrichtungen durch welche Orchideen von Insekten befruchtet werden" und später verwandte Bücher. Gut die Hälfte seiner Schriften beschäftigt sich mit Pflanzen.

Charles Darwin hat vielfache Beziehungen zu Bonn. Im Jahre 1868 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Bonn. Eine der letzten Amtshandlungen des Begründers der Bonner Botanischen Gärten und Namensgebers des heutigen Instituts für Biodiversität der Pflanzen C. G. Nees von Esenbeck (1776 - 1858) war die Aufnahme von Charles Darwin in die alte Kaiserliche Akademie Leopoldina, der heutigen Deutschen Nationalakademie.

Darwins Meisterstück: der Stern von Madagascar

Eine der außergewöhnlichsten Orchideen wurde 1820 auf Madagaskar entdeckt: Angraecum sesquipedale. Die große Pflanze mit ledrigen zweizeilig angeordneten Blättern bringt große glänzend weiße sternförmige Blüten hervor, die in der Nacht duften. Darauf bezieht sich der deutsche Name. Das wirklich einmalige ist jedoch ein bis 40 cm langer Sporn, an dessen Ende der Nektar sitzt: das lateinische "Sesquipedale" bedeutet eineinhalb Fuß lang und bezieht sich darauf. Zur Entdeckungszeit machte sich niemand Gedanken, wie eine solche Blüte funktionieren könnte. Erst Charles Darwin untersuchte sehr detailliert zum ersten Mal die komplizierten Wechselwirkungen zwischen Orchideen und ihren Bestäubern. Die Erstausgabe seines Werkes "Die verschiedenen Einrichtungen durch welche Orchideen von Insekten befruchtet werden" erschien 1862 in London und sie enthielt eine Sensation:

Charles Darwin war klar, dass es auf Madagaskar ein Insekt geben müsse, das in der Lage wäre, Nektar aus einem 40 cm langen Sporn heraus zu pumpen. Er wagte auch 1860 eine Voraussage: es müsse ein langrüsseliger nachtfliegender Schwärmer sein. Aber ein solch monströser Schmetterling war damals nicht bekannt.

Erst 40 Jahre später wurde der Bestäuber von Angraecum sesquipedale 1903 gefunden und war eine grandiose Bestätigung für Darwins Theorie. Bis heute heißt er Xanthopan morgani preadicta (Lateinisch praedictus der Vorausgesagte) nach der von Darwin gewagten und damit bestätigten Hypothese.

Winteröffnungszeiten der Botanischen Gärten: Vom 1. November bis zum 31. März gelten die Winteröffnungszeiten der Botanischen Gärten. Die Gärten sind montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, die Gewächshäuser von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr. An Wochenenden und Feiertagen bleiben die Gärten geschlossen.









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Stern von Madagaskar (Angraecum sesquipedale) mit seinem 40 cm langen Sporn und daneben montiert der zugehörige Bestäuber Xanthopan morgani preadicta. Foto: Prof. Dr. W. Barthlott




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