24. März 2008

Zähnchen aus dem Meer Zähnchen aus dem Meer

Anhand der winzigen ?Conodonten? lassen sich sogar Aussagen über das Klima vor 500 Millionen Jahren treffen

Würde man ein Stück Kalkstein nehmen, dass vor 500 Millionen Jahren im Meer abgelagert wurde, und würde es in Säure werfen " zurück blieben viele tausend winziger Zähnchen längst ausgestorbener Meeresbewohner. Diese so genannten Conodonten sind ab 1. April im Goldfuß-Museum der Universität Bonn als "Fossil des Monats" zu bestaunen.

Bild Zähnchen aus dem Meer
Bild Zähnchen aus dem Meer © Universität Bonn

Conodonten ("Kegelzähne") finden sich massenhaft in sehr alten Gesteinsschichten. Sie sind mikroskopisch kleine Überreste von wurmähnlichen Meeresbewohnern, die vor etwa 550 bis 230 Millionen Jahren im Kambrium und Trias lebten. Die ca. 0,5 mm großen Mikrofossilien bestehen aus Kalzium-Phosphat und können leicht mit Säure aus Kalksteinen gewonnen werden.


Die Tiere sind die artenreichste Gruppe fossiler früher Wirbeltiere überhaupt und waren sehr erfolgreich: Sie haben 300 Millionen Jahre in den Ozeanen gelebt; warum sie dann vor 200 Millionen Jahren ausgestorben sind, ist unklar. Der rasche Formenwandel sowie das massenhafte Vorkommen machen die der winzigen Kegelzähne zu sehr bedeutenden Leitfossilien. Mit ihnen lässt sich beispielsweise das relative Alter von Gesteinen recht genau bestimmen. Auch zum Vergleich von Erdschichten aus verschiedenen Fundorten eignen sie sich sehr gut.


Zudem sind Klima- und Umweltveränderungen vor vielen hundert Millionen Jahren im Phosphat der winzigen Conodonten in Form der Isotopenzusammensetzung "archiviert". Mit chemischen Verfahren können Paläontologen heute dieses Archiv auswerten und so wichtige Erkenntnisse über die damaligen Umweltbedingungen gewinnen. Mit diesen Methoden in der Conodontenforschung beschäftigt sich auch Dr. Sandra I. Kaiser, die seit dem 1. Februar als neue Kustodin am Goldfuß-Museum der Uni Bonn tätig ist.


Conodonten kann man ebenso als "fossiles Thermometer" benutzen: Sie ändern bei hohen Temperaturen ihre Farbe. Jeder Farbton lässt sich einem bestimmten Temperaturbereich zuordnen und gibt damit Aufschluss über die Erwärmung des Gesteins in der Vergangenheit. Wichtig ist diese Information beispielsweise bei der Erkundung möglicher Erdöllagerstätten.


Conodonten wurden erstmals von Christian H. Pander im Jahre 1856 beschrieben. Zu welchem Tier die "Zähne" gehörten, fand man aber erst 1982 heraus. Bei der Sichtung von Museumsbeständen entdeckte Euan N.K. Clarkson auf einem Sandstein den Abdruck eines vollständigen "Conodontentieres". Der Stein befand sich schon seit langer Zeit in einer Museumssammlung in Edinburgh und war also ein klassischer Museumsfund " ein schönes Beispiel für die fundamentale Bedeutung von musealem Sammeln und Bewahren. Clarkson entdeckte den Abdruck eines vier Zentimeter langen, wurmähnlichen Organismus. Der Körper wurde von einem inneren elastischen Stützorgan (Chorda dorsalis) durchzogen. Das Conodontentier war also ein so genanntes "Chordatier" ohne verknöcherte Wirbelsäule und Schädel " ein Verwandter der Wirbeltiere.


Am Kopfende befanden sich zwei große Augen sowie ein Apparat aus spiegelsymmetrisch angeordneten Zähnchen, den Conodonten. Diese waren entsprechend ihrer Funktion im "Fressapparat" verschieden geformt. Zusammenhängende Conodonten-Apparate findet man in der Regel nur dann, wenn das komplette Tier als Fossil erhalten ist.


Am Institut für Paläontologie widmet man sich schon lange der Erforschung der winzigen Kegelzähne und ihrer längst ausgestorbenen Besitzer. Ein Bonner Wissenschaftler erhielt dafür im Jahr 2003 gar eine bedeutende Auszeichnung: Die "Pander Society", eine internationale Vereinigung von Paläontologen zur Erforschung der Conodonten, ehrte Professor Klaus Jürgen Müller für herausragende Verdienste um die Erforschung von Conodonten.


Kontakt:

Dr. Sandra Kaiser

Institut für Paläontologie der
Universität Bonn

Telefon: 0228/73-4682

E-Mail: sakaiser@uni-bonn.de







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Bis zu einer halben Milliarde Jahren sind die winzigen "Kegelzähne" alt. Fotos: Dr. Sandra Kaiser








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