06. August 2007

Kuriose Gestalten aus der Rumpelkammer der Evolution Kuriose Gestalten aus der Rumpelkammer der Evolution

"Sargdeckelpalme" blüht in den Botanischen Gärten

Ihren großen Auftritt hatten sie im Erdmittelalter zur Zeit der Dinosaurier: die Palmfarne oder Cycadeen. Rund 300 Arten dieser ehemals bedeutenden alten Pflanzengruppe haben sich bis in unsere Zeit gerettet. Es sind kuriose Gestalten aus der Rumpelkammer der Evolution: Sie sehen aus wie eine Mischung aus Farnen und Palmen, in Wirklichkeit sind sie aber weitläufig verwandt mit unseren Fichten und Tannen. Im Mittelmeerhaus des Botanischen Gartens der Universität Bonn am Poppelsdorfer Schloss blüht derzeit Cycas revoluta, der Japanische Palmfarn.

Bild Kuriose Gestalten aus der Rumpelkammer der Evolution
Bild Kuriose Gestalten aus der Rumpelkammer der Evolution © Universität Bonn

Besucher können dort sowohl ein männliches Exemplar mit seiner großen Zapfenblüte bewundern als auch eine weibliche Pflanze, die allerdings ganz anders blüht. Das zeitgleiche Aufblühen ist ein Glücksfall " "wir hoffen, dass entsprechend viele Samen entstehen", kommentiert der Direktor der Botanischen Gärten Professor Dr. Wilhelm Barthlott.


Die Palmfarne sind vor allem in den Subtropen und Tropen der südlichen Erdhalbkugel verbreitet. Cycas-Arten können bis 15 Meter hoch werden. Der jetzt blühende Cycas revoluta wird kaum über drei Meter hoch. Obwohl natürlicherweise nur auf einigen Inseln südlich von Japan beheimatet, ist er in der Kultur der am weitesten verbreitete Palmfarn. In Blumengeschäften und Gartencentern werden regelmäßig die herrlichen Jungpflanzen angeboten, die allerdings nicht ganz einfach zu kultivieren sind. Bei ihnen ist der Stamm noch mehr oder weniger kugelförmig, und die tief grünen, ledrigen Blätter sind von besonderem Reiz. Seit einigen Jahren weiß man, dass die Blüten von Palmfarnen vor allem von Käfern bestäubt werden. Für nacktsamige Pflanzen (Gymnospermen) ist das ganz ungewöhnlich.


Aus dem stärkereichen Mark der Palmfarnstämme wird Sago hergestellt, ein Nahrungsmittel, das auch in Deutschland beliebt war und beispielsweise zur so genannten "Sago-Suppe" verarbeitet wurde. Abgesehen von den sich nur selten entwickelnden Blüten sind die herrlich regelmäßigen Wedel von Cycas die größte Attraktion. Kein Wunder, dass sie als Exportartikel (rund 60.000 Blätter pro Jahr) eine Haupteinnahmequelle der südjapanischen Ryukyu-Inseln sind. In den USA und Europa werden sie zur Dekoration verwendet, aber auch bei Beerdigungen: Daher rührt auch der deutsche Name "Sargdeckelpalme" für Cycas revoluta.


Die meisten und außergewöhnlichsten Palmfarne finden sich übrigens in Mittelamerika. Auch in Bonn beginnt gerade ein mittelamerikanisches Exemplar zu blühen: Zamia pseudoparasitica (die einzige Gymnosperme, die als so genannter "Epiphyt" auf anderen Pflanzen wächst) entwickelt in der Felswand des großen Palmenhauses gerade ihre weiblichen Blütenzapfen.


Öffnungszeiten: täglich außer samstags 9 - 18 Uhr


Eintritt an Wochentagen frei, an Sonn- und Feiertagen 2 Euro, ermäßigt 1 Euro

Weitere Informationen unter www.botgart.uni-bonn.de




Kontakt:

Professor Dr. Wilhelm Barthlott

Botanische Gärten der Universität Bonn

Telefon: 0228/73-5523

E-mail: botgart@uni-bonn.de






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Männliche Zapfenblüte von Cycas revoluta. © Prof. Dr. Wilhelm Barthlott, Uni Bonn








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