18. September 2020

Wie Sprache Abhängigkeitsverhältnisse definiert Wie Sprache Abhängigkeitsverhältnisse definiert

Exzellenzcluster „Beyond Slavery and Freedom“ der Universität Bonn beendet mit einer Konferenz sein erstes Themenjahr

Wie äußern sich asymmetrische Abhängigkeiten und Sklaverei in Sprache, Erzählungen und Wortfeldern? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters „Beyond Slavery and Freedom“, angesiedelt am Bonn Center for Dependency and Slavery Studies der Universität Bonn, intensiv in ihrem ersten Themenjahr befasst. Als Höhepunkt diskutieren sie ihre Forschungen am 1. und 2. Oktober 2020 bei der internationalen Jahreskonferenz des Exzellenzclusters. Die Vorträge finden aufgrund der Corona-Pandemie digital statt.

„Asymmetrische Abhängigkeit“
„Asymmetrische Abhängigkeit“ - schließt als Begriff verschiedenste Ausprägungen von menschlicher Ausbeutung ein. © Zulmaury Saavedra / Unsplash

Im zurückliegenden Forschungsjahr setztensich die Bonner Wissenschaftler intensiv mit der Darstellung asymmetrischerAbhängigkeiten in sprachlichen Kontexten auseinander. Mit „asymmetrischenAbhängigkeiten“ hat der Cluster ein neues Schlüsselkonzept für die Sklaverei-und Abhängigkeitsforschung formuliert, das neben der Sklaverei auch andereKonstellationen, zum Beispiel die Schuldknechtschaft, Sträflingsarbeit undausbeuterische Formen der Lohnarbeit einschließt. In ihren Konferenzbeiträgenüberdenken und hinterfragen die Forscher Schlüsselbegriffe, Terminologien undKategorien, die das Denken und Sprechen über asymmetrische Abhängigkeiten undSklaverei strukturieren. Mit diesem Ansatz will der Forschungsbereich „Semantik– Lexikalische Felder – Erzählungen“ eine neue Analyse von Sprache etablieren.

Das erklärteZiel ist die Erforschung von Semantik, Erzählmustern und diskursiven Strukturen.Dafür wird ausgewertet, wie historische Akteure in unterschiedlichenSituationen über asymmetrische Abhängigkeiten gesprochen haben. Die sogenannte HistorischeSemantik lässt Rückschlüsse über die Verwendung bestimmter Terminologien zu.Zugleich animiert sie dazu, das eigene, heute gebräuchliche Vokabular zurAnalyse von Abhängigkeitsstrukturen zu hinterfragen. Denn Sklaverei zudefinieren, ist schwierig, da sie seit mehreren tausend Jahren existiert,weltweite Verbreitung gefunden und unterschiedliche Ausprägungen erfahren hat.

Die Konferenzgliedert sich in sieben Themenblöcke und deckt ein breites Spektrum an Epochenund Regionen ab. So blicken die Wissenschaftler auf den Mittleren Osten undarabische Sprachen oder auch auf das antike Rom. Darüber hinaus analysieren siezum Beispiel Erzählungen von Frauen, die über Sklaverei berichten.

DieKonferenz richtet sich an ein internationales, interdisziplinäres Publikum ausWissenschaft und interessierter Öffentlichkeit. Die Vorträge finden inenglischer Sprache und digital über Zoom statt. Anmeldungen sind bis zum 25.September 2020 unter https://www.dependency.uni-bonn.de/en/events/registration-annual-conferencemöglich.

Überden Exzellenzcluster:

„AsymmetrischeAbhängigkeit“ – mit diesem neuen Schlüsselkonzept will der Cluster „BeyondSlavery and Freedom“ einen neuen Zugang zur Sklaverei- undAbhängigkeitsforschung eröffnen. Sklaverei auf dem amerikanischen Kontinentoder in der Antike prägten bisher den wissenschaftlichen Diskurs. Doch derCluster verlässt mit seinen Forschungsbeiträgen diesen Pfad und erweitert diePerspektive inhaltlich, räumlich und zeitlich. Denn Formen der Knechtschaft underzwungener Arbeit müssen nicht zwangsläufig mit dem Schlagwort Sklavereiverknüpft sein. „Asymmetrische Abhängigkeit“ hingegen schließt verschiedensteAusprägungen von menschlicher Ausbeutung ein, zum Beispiel Zwangsarbeit,Schuldknechtschaft oder Leibeigenschaft. Bis 2025 steht jährlich ein Forschungsbereichim Fokus.

Konferenzwebseite:

https://www.dependency.uni-bonn.de/en/events/slavery-and-other-forms-of-strong-asymmetrical-dependencies-semantics-lexical-fields-and-narratives

Anmeldung:

https://www.dependency.uni-bonn.de/en/events/registration-annual-conference

Konferenzprogramm:

https://www.dependency.uni-bonn.de/en/events/bcdss-annual-conference-2020.pdf

Kontaktfür Medien:

Silvia Oster

Bonn Center for Dependency andSlavery Studies

Tel.:0228/73-62477

E-Mail: pr@dependency.uni-bonn.de

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