16. April 2021

Schutz der Weinreben vor eingeschleppten Krankheiten Projektförderung: Schutz der Weinreben vor eingeschleppten Krankheiten

Projekt zur Früherkennung von gefährlichen Schädlingen erhält rund drei Millionen Euro durch BMEL / Beteiligung der Universität Bonn

Der zunehmend globalisierte Handel, der steigende internationale Tourismus und der Klimawandel erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass bisher unbekannte schädliche Organismen nach Deutschland ein- und verschleppt werden und sich wärmeliebende Schadorgansimen besser ausbreiten können. Dazu gehört unter anderem die Krankheit Goldgelbe Vergilbung, die durch Schädlinge (Phytoplasmen) ausgelöst wird und unter anderem Weinreben befällt. Ein Projekt, an dem auch Forschende des Exzellenzclusters PhenoRob der Universität Bonn beteiligt sind, hat jetzt eine Förderung über rund zwei Millionen Euro vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erhalten. Ziel des Projekts „PhytoMo“ ist die Früherkennung von gefährlichen Phytoplasmosen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner überreichte den Forschenden die Förderbescheide in dieser Woche per Videokonferenz.

Rebstock
Rebstock - mit Kranheitssymptom von Flavescence dorée (FD) © M. Maixner/JKI

Die Quarantänekrankheit Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée) wird durch ein zellwandloses Bakterium, ein sogenanntes Phytoplasma, hervorgerufen und durch Insekten, die Amerikanischen Rebzikaden, übertragen. Diese finden in heimischen Weinregionen immer bessere Bedingungen vor, weshalb sich die Krankheit innerhalb kürzester Zeit in einem Weinbaugebiet ausbreiten kann. Der Befall durch die Krankheit verursacht letztendlich hohe Ertragseinbußen, mindert die Weinqualität und beeinträchtigt die Vitalität infizierter Weinreben.

Da Reben Phytoplasmen schutzlos ausgeliefert sind, kann eine Früherkennung helfen, das Problem zu reduzieren. Es gilt, befallene Rebstöcke rechtzeitig aufzuspüren und zu entfernen. Daher wollen die Forschenden aufbauend auf Ergebnissen eines Vorgänger-Projekts ein multispektrales Bildverarbeitungssystem zur spezifischen Erkennung von Phytoplasmosen erarbeiten und anschließend geeignete Sensorsysteme zur Erkennung infizierter Reben entwickeln. Die genannten Systeme sollen sowohl am Boden als auch drohnengestützt aus der Luft eingesetzt werden.

Forschende der Uni Bonn entwickeln Sensorsystem

Das PhytoMo-Projekt ist ein sogenanntes Partnerprojekt des Exzellenzclusters „PhenoRob – Robotik und Phänotypisierung für Nachhaltige Nutzpflanzenproduktion“ und fügt sich thematisch in das „Kernprojekt 1“ des Clusters ein. Dr. Lasse Klingbeil, Prof. Dr. Heiner Kuhlmann (Cluster-Sprecher) und Laura Zabawa entwickeln in dem Projekt ein Sensorsystem zur georeferenzierten Erfassung geometrischer und spektraler Sensordaten. Die Daten sollen zu Merkmalen zusammengeführt werden, die dazu genutzt werden können, Phytoplasmen zu erkennen und Befallskarten zu erzeugen.

Neben der Universität Bonn sind an dem Projekt beteiligt: das Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof (Siebeldingen), das Institut für Pflanzenschutz im Obst und Weinbau (Dossenheim), das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (Karlsruhe), die RLP AgroScience GmbH (Neustadt an der Weinstraße), die LOGXON GmbH & Co. KG (Alsbach-Hähnlein) und die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (Weinsberg).

„PhytoMo“ ist eines von 18 Projekten, die das BMEL zur „Vermeidung der Ein- und Verschleppung von geregelten und neuen Schadorganismen an Pflanzen“ mit insgesamt rund 13,5 Millionen Euro fördert.

Der Exzellenzcluster PhenoRob – Robotik und Phänotypisierung für Nachhaltige Nutzpflanzenproduktion

PhenoRob ist einer von sechs Exzellenzclustern an der Universität Bonn und wird in Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich durchgeführt. Es ist der einzige Exzellenzcluster in Deutschland im Bereich der Agrarwissenschaften. Das Projekt startete am 1. Januar 2019 und läuft bis Ende 2025, mit der Möglichkeit, weitere sieben Jahre gefördert zu werden. Exzellenzcluster sind Teil der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder und werden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert. PhenoRob wird von zwei Sprechern geleitet, Prof. Dr.-Ing. Heiner Kuhlmann und Prof. Dr. Cyrill Stachniss. Mehr Informationen: www.phenorob.de

 

Landwirtschaftsministerin
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