04. Dezember 2023

Neue Professur für Entrepreneurial Behaviour Neue Professur für Entrepreneurial Behaviour

Die Universität bündelt ihre Aktivitäten im Bereich Gründungs-Forschung und -Lehre im neuen Institut für Entrepreneurship an der Landwirtschaftlichen Fakultät. Die neue dort angesiedelte Professur für Entrepreneurial Behaviour hat Prof. Denise Fischer-Kreer zum Start des Wintersemesters angenommen. Als zweiter Lehrstuhl am neuen Institut wird der Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovationsmanagement im Agribusiness Anfang kommenden Jahres neu besetzt.

Prof. Dr. Denise Fischer-Kreer
Prof. Dr. Denise Fischer-Kreer © Alexandra Weiß
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„Ich danke der Landwirtschaftlichen Fakultät ganz herzlich für die Gründung des neuen Instituts für Entrepreneurship, das fakultätsübergreifend und zukunftsweisend Theorie und Praxis miteinander verknüpfen und ausgestalten wird. Es ist ein mittel- bis langfristiges Ziel, diese Lehrinhalte einer breiteren Studierendenzahl zugänglich zu machen, unabhängig primärer Studienfächer und über Fakultätsgrenzen hinweg, zum Beispiel im Rahmen von Wahlpflichtmodulen, die auch von Studierenden anderer Fachgruppen wahrgenommen und anerkannt werden. Das Gründungspotential der Exzellenzuniversität wird hierdurch strategisch weiter gestärkt“ sagt Prof. Dr. Dr. hc Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn. Der Lehrstuhl für Entrepreneurial Behaviour erhält eine Anschubfinanzierung im Rahmen des Exzellenz Start-up Center NRW-Begleitvorhabens „U Bo Grow“ vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWIKE).

Aus Sicht des Dekans der Landwirtschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Heiko Schoof, ist Frau Prof. Fischer-Kreer mit ihrem Fokus auf Nachhaltigkeit und Unternehmertum eine große Bereicherung sowohl für die Landwirtschaftliche Fakultät als auch übergreifend für die sogenannte Third Mission, also den Wissenstransfer in die Wirtschaft und Gesellschaft, der Universität Bonn. „Das Institut für Entrepreneurship ergänzt und erweitert die an der LWF bereits bestehende Gründungslehre um Lehrmodule, welche vom Kontext losgelöst den Gründungsprozess selber in den Fokus nehmen", erläutert Prof. Dr. Heiko Schoof, Dekan der Landwirtschaftlichen Fakultät.

Frau Prof. Denise Fischer-Kreer hat den Ruf auf die neue Professur für Entrepreneurial Behaviour angenommen. Sie war zuvor seit 2018 Akademische Rätin in der Innovation & Entrepreneurship Group (WIN) der RWTH Aachen, wo sie auch promoviert hat. Erfahrungen in Wirtschaft und Industrie hat sie nach ihrer Promotion in der Strategieabteilung bei einem führenden Spezialchemie-Konzern gesammelt. Internationale Forschungsaufenthalte führten sie an das Indian Institute of Technology Madras, Indien sowie an die Tsinghua-Universität, China.

 

Wann haben Sie angefangen, sich mit Gründungsthemen zu beschäftigen?

Das Thema Unternehmensgründung beschäftigt mich schon sehr lange. Meine Mutter hat sich damals, als ich ein Kind war, selbstständig gemacht. Ihr dabei zuzuschauen, wie sie ihre Passion zum Beruf machte, hat mich sehr beeindruckt. Seitdem fasziniert es mich immer wieder zu beobachten, wie Menschen mit Leidenschaft ihrer eigenen Unternehmung nachgehen. Vor zehn Jahren habe ich angefangen mich eingehender mit nachhaltigkeitsorientierten Unternehmer*innen zu beschäftigen. Hier fasziniert mich, dass Unternehmer*innen zu essentiellen Lösungsanbieter*innen für ökologische und soziale Herausforderungen werden können. Deshalb habe ich mich in den letzten Jahren insbesondere mit der Erforschung von Mechanismen beschäftigt, die es Unternehmer*innen und Manager*innen ermöglichen, wirtschaftliche, soziale und ökologische Werte in ihren Unternehmen zu kombinieren.

Welche Forschungsschwerpunkte werden Sie im Bereich Entrepreneurial Behaviour setzen?

Zunächst möchte ich mich auf vier Kernbereiche in meiner Forschung konzentrieren, an deren Schnittstellen spannende Forschungsfragen liegen. Der erste Schwerpunkt befasst sich mit der Verbindung aus Psychologie und Unternehmertum und es sollen Fragen ergründet werden, wie Gründungen entstehen und wie Gründer*innen Entscheidungen treffen. Die übergeordnete Fragestellung des zweiten Schwerpunktes wird sein, wie Gründer*innen nachhaltige Geschäftsmodelle entwickeln und wie sie Innovationstreiber für die großen Herausforderungen unserer Zeit sein können. In diesem Kontext ist zum Beispiel auch die Betrachtung von regenerativem Unternehmertum, welches aus der Landwirtschaft inspiriert ist, von Interesse. In meinem dritten Forschungsschwerpunkt möchte ich den Fokus auf unternehmerisches Verhalten in Entwicklungs- und Schwellenländern legen. Insbesondere dort kann Unternehmertum fruchtbaren Nutzen stiften und die Mechanismen, die Unternehmertum dort fördern oder hemmen, sollen untersucht werden.  In einem vierten Forschungsschwerpunkt soll untersucht werden, wie Gründer*innen Transformationen durchlaufen; zum Beispiel inwiefern sie ihr Verhalten als Anpassung auf den technologischen Fortschritt und den Klimawandel ändern oder adaptieren müssen. Im Fokus der Forschungsaktivitäten des Lehrstuhls werden theoriegestützte empirische Untersuchungen stehen.

Das Institut für Entrepreneurship bzw. der Lehrstuhl für Entrepreneurial Behaviour ist an der Landwirtschaftlichen Fakultät verortet. Wie wird Ihre Forschung und Lehre mit Themen und Fragestellungen aus der Fakultät verknüpft sein?

Genau wie die landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn soll sich der Lehrstuhl für Entrepreneurial Behaviour insbesondere dem zentralen Anliegen widmen, die wissenschaftlichen Grundlagen von Lösungskonzepten für eine nachhaltige Zukunft zu erarbeiten und die Umsetzung in die Praxis zu unterstützen. Hierfür untersuche ich aus einer verhaltenswissenschaftlichen Perspektive, wie Unternehmer*innen zu Lösungsanbieter*innen und Innovationstreiber*innen, zum Beispiel für eine nachhaltige Sicherung von Energiebereitstellung und Bedarfsdeckung der Ernährung, werden können. Im Kontext der Landwirtschaft existieren weitere spannende Fragestellungen; zum Beispiel wie Selbstständige die Transformationsprozesse hinsichtlich des digitalen und technologischen Wandels (z.B. robotics and phenotyping) aber auch als Anpassung an die sich verändernden klimatischen Bedingungen erleben.  

Wie werden Sie in der Lehre den Gründungsgeist der Studierenden wecken? Wie werden Sie Gründungsaktivitäten unterstützen?

In meinen Lehrveranstaltungen lege ich großen Wert darauf, dass Studierende eigene Erfahrungen sammeln können und ich möchte Unternehmertum greifbar und spürbar machen, zum Beispiel durch die Einbindung von Case Studies und die Kollaboration mit Unternehmer*innen, was auch an der RWTH Aachen und der ESCP Europe Business School gelebte Praxis war. In praxisorientierten Kursen bringe ich Studierenden Tools bei wie sie eigene Geschäftsideen und darauf basierend Geschäftsmodelle entwickeln können. Die Studierenden erfahren somit, dass man nicht als Unternehmer*in geboren werden muss, sondern dass sich jeder die Fähigkeit erarbeiten kann, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Es war immer wieder faszinierend zu sehen, wie Studierende auch über die Lehrveranstaltungen hinaus weiterhin an ihren Geschäftsideen gearbeitet haben. Die Studierenden sollen durch meine Kurse Empowered werden, Lust auf das Gründen bekommen und sehr gerne unterstütze ich als offene Ansprechpartnerin und Vernetzerin bei allen Fragen rund um die Gründungsaktivitäten. Hierfür wird der Lehrstuhl auch eng mit dem Transfer Center enaCom an der Uni Bonn zusammenarbeiten.

 

Prof. Dr. Denise Fischer-Kreer
Professur für Entrepreneurial Behaviour

fischerk@uni-bonn.de
Katzenburgweg 2
53115 Bonn

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