Prof. Dr. Laury Sarti interessiert besonders, wie mobil die Menschen damals in ihrem Alltag waren: Welche Wege legten sie zurück, und wie oft, welche Verkehrsmittel nutzen sie, und mit wem standen sie regelmäßig im Kontakt? Am Institut für Geschichtswissenschaften untersucht die Mediävistin im Rahmen ihre Projektes „Mobilität“ diese Themen anhand einer Vielzahl überlieferter Privatbriefe aus dem späten Mittelalter. Ein Beispiel dafür sind die Paston-Briefe aus dem England des 15. Jahrhunderts: Sie zeigen, das regelmäßiges Unterwegssein keineswegs auf den Hof beschränkt, sondern ein gesamtgesellschaftliches Phänomen darstellte. Da im Fall der Familie Paston aus Norfolk die Ehemänner oft am Königshof oder in London tätig waren, mussten ihre Frauen in Vertretung in der Heimat weite Wege zwischen den Familiengütern zurücklegten, um alltägliche Aufgaben zu erledigen.
Darüber hinaus erforscht die Professorin unter anderem, wie die berühmte Artuslegende seit dem frühen Mittelalter entstand und welche politische Bedeutung ihr im 12. Jahrhundert zukam. Außerdem widmet sie sich Fragen zur Geschichte des Frühmittelalters, zum Beispiel zu den Verbindungen zwischen Westeuropa und dem Byzantinischen Reich.
„Der Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte bietet für meine Forschungen ausgezeichnete Voraussetzungen, darunter eine Vielzahl an Anknüpfungspunkte, insbesondere im Bereich der Spätantike und des Frühmittelalters, aber auch darüber hinaus“, freut sich Prof. Laury Sarti über ihre neue Wirkungsstätte: „Ich verspreche mir hier Zusammenarbeiten auf sehr vielen Ebenen, auch im Rahmen der Transdisziplinären Forschungsbereiche und des Exzellenzclusters Bonn Center for Dependency and Slavery Studies.“
Der Weg an die Universität Bonn
Laury Sarti hat Geschichtswissenschaften und Klassische Archäologie an der Universität Hamburg, der Freien Universität Berlin, den Facultés Universitaires Saint-Louis in Brüssel, und der Universität in Luxemburg studiert. Im Jahr 2012 promovierte sie an der Universität Hamburg. Es folgten Stationen als wissenschaftliche Assistenz an der Freien Universität Berlin sowie als Akademische Rätin a. Z. an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo sie im Jahr 2022 habilitierte. Im Anschluss vertrat sie verschiedene Professuren an den Universitäten Heidelberg, Konstanz und Münster, bevor sie 2024 in das Heisenberg-Programm aufgenommen wurde. Seit Dezember 2025 ist sie Heisenberg-Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bonn.