17. April 2020

Ausprobiert: Live Yoga als Video im Hochschulsport Lebenszeichen: Live Yoga als Video im Hochschulsport

Der Hochschulsport der Universität Bonn bietet nun seit knapp drei Wochen regelmäßig Live-Sportkurse über Instagram an, da wegen des Coronavirus die Sportanlagen geschlossen sind und die regulären Kurse ausfallen. Das Angebot der Live-Kurse reicht dabei von "Bodywork" über "High Intensity" bis zu Zumba, Pilates und Yoga. Insgesamt sind bisher elf verschiedene Kurse im Angebot. Studentin Johanna Günther hat es ausprobiert und an einem Yoga-Kurs teilgenommen. In der Reihe "Lebenszeichen" berichtet sie, wie es funktioniert hat.

Johanna Günther beim Yoga
Johanna Günther beim Yoga © Foto: privat
Text: Johanna Günther
 
Yoga am Morgen
 
Freitagmorgen, kurz vor neun Uhr. Ich sitze in Sportkleidung auf meiner Yoga-Matte, bereit für ein bisschen Frühsport. Wer denkt, dass Yoga kein richtiger Sport sei und nur aus stundenlanger Meditation bestehe, liegt falsch. Und obwohl ich mittlerweile schon einige Yoga-Kurse mitgemacht und diese Vorurteile eigentlich aus meinem Kopf verbannt habe, merke ich an diesem Morgen erneut, wie anstrengend eine Dreiviertelstunde Yoga doch sein kann.
 
Ein paar Minuten vor Kursbeginn geht Trainerin Laura Ink online, einige Teilnehmer schreiben in die Kommentare, dass sie sich auf den Kurs freuen und bitten darum, auch Übungen gegen den „Arbeitsbuckel“ zu machen. Die Trainerin hat eine unglaublich ruhige und freundliche Ausstrahlung und erklärt, dass das Programm heute vor allem auf das Dehnen verschiedener Körperpartien ausgerichtet ist und dementsprechend auch gegen die typische Schreibtischhaltung angeht. Um Punkt neun Uhr geht es los – es schauen über 100 Leute zu, beim letzten Mal seien es nur um die 30 Viewer gewesen, so Laura. Sie beginnt mit den Übungen und ich versuche mein Bestes, um mitzuhalten. Schon nach wenigen Minuten dämmert mir, dass ich nach dieser Yoga-Einheit auf jeden Fall wach bin.
 
Konzentriert im Kurs – Nachfragen geht hinterher
 
Einige der Übungen kommen mir immerhin noch aus früheren Yogastunden bekannt vor, wie der „herabschauende Hund“ oder die „Krieger-Positionen“. Bei ihnen bin ich nicht so sehr an meinen kleinen Handybildschirm gebunden, wie bei anderen Übungen. Die Frage, wo ich mein Handy am besten hinlege oder -stelle, um das meiste zu sehen, beschäftigt mich während des Kurses aber immer wieder. Meine Lösung ist dann doch recht simpel: einfach ein paar Bücher, die sowieso stapelweise auf meinem Schreibtisch liegen - die ULB ist ja auch geschlossen - zu einer Stütze für das Handy umfunktioniert und schon kann es weitergehen.
 
Allerdings mache ich viele Übungen dann nur nach Gehör, weil es einfacher ist, mich dabei auf meine Atmung und die korrekte Ausführung zu konzentrieren. Zum Glück beschreibt die Trainerin ziemlich genau, was wie gemacht werden soll, wann ein- und wann ausgeatmet wird und erinnert daran, die eigene Haltung zu kontrollieren. Konkrete Nachfragen an Laura für eigene Korrekturen bezüglich der Ausführung sind während des Kurses nicht möglich. Seit letzter Woche ist der Chat ausgestellt. Nach Lauras Erfahrung haben die Teilnehmer sowieso keine Zeit, Fragen zu stellen – in ihren ersten Live-Videos hat dies auch keiner gemacht. Außerdem würde durch die Kommentare das Videobild zur Hälfte verdeckt, ohne sind die Trainer also besser zu sehen. Man kann jedoch nach den Kursen gerne Fragen stellen. Das Abstellen der Kommentare ist allerdings von Trainer zu Trainer unterschiedlich.
 
Gemeinschaftsgefühl auch ohne Sichtkontakt
 
Was ist also bei dieser ganzen Geschichte der Unterschied zu einem vorher aufgenommenen und bei YouTube, Facebook oder Instagram veröffentlichten Video? Ich weiß, dass ich auf YouTube unzählige Yoga-Videos finden kann. Ich habe auch schon einige davon angesehen und mitgemacht. Aber ich weiß auch, dass ich diese Sporteinheiten dann gerne aufschiebe. Morgens muss ich arbeiten, abends bin ich zu müde. Ausreden, die bei einem Live-Kurs nicht unbedingt ziehen. Durch die festgelegte und schon lange vorher bekannte Uhrzeit kann man den Kurs in seinen Tagesablauf einplanen, das hat bei mir tatsächlich ganz gut funktioniert. Da angezeigt wird, wie viele Viewer gerade zusehen, kommt auch auf eine ganz eigene Art und Weise ein Gemeinschaftsgefühl auf, man ist nicht alleine, man „quält“ sich nicht alleine durch die Übungen, man macht gemeinsam mit und braucht sich gleichzeitig nicht schämen, wenn die eigene Ausführung einmal nicht so perfekt ist, denn es sieht ja keiner.
 
Auch weiß ich bei diesem Angebot, dass die Trainerin ihr Metier beherrscht, sie gibt die Kurse sonst im regulären Hochschulsport der Uni Bonn oder auch bei dem Format „Sport im Park“. Dass Laura weiß, was sie tut, merke ich daran, wie sie die Anweisungen in die Übungen einbaut und wann sie an Korrekturen der Körperhaltung erinnert. Das ist bei vielen YouTube Videos tatsächlich nicht immer gegeben und es braucht vielleicht ein paar Anläufe, bis man ein Gutes findet.
 
Allerdings ist ein Nachteil der Live-Kurse, dass viele Leute dieses Angebot gar nicht in Anspruch nehmen können, weil sie zu den Kurs-Zeiten nicht online gehen können, da sie arbeiten müssen oder auch weil sie kein Instagram haben. Für diese Menschen bieten andere Plattformen tatsächlich mehr Möglichkeiten. Aber ich finde, das ist auch in Ordnung. In der jetzigen Corona-Situation ist es gut, neue Wege zu gehen und dabei neue Online-Angebote auszuprobieren.
 
Der Hochschulsport versucht, über mehrere Wege online-Angebote zur Verfügung zu stellen. So werden nicht nur Live-Kurse über Instagram angeboten, sondern auch ein kostenfreier Login für „Cyberfitness“ zur Verfügung gestellt, und dafür braucht man kein Instagram und ist auch nicht an die Zeiten eines Live-Kurses gebunden.
 
Rückblickend – und mit nachlassendem Muskelkater – weiß ich, dass ich demnächst gerne wieder an den Live-Kursen des Hochschulsports teilnehme, wenn es bei mir zeitlich passt. 
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