07. Dezember 2020

Neue Heimat für einen antarktischen Exoten Neue Heimat für einen antarktischen Exoten

Ein Gabbro wird nach Usedom gebracht, sein kleinerer Zwilling gehört jetzt ins Mineralogische Museum.

In einem Alfterer Garten lag über dreißig Jahre ein Gestein, das vom Meeresboden des Wedellmeeres vor der Antarktis stammt. Seine neue Heimat findet der Exot im Usedomer Gesteinsgarten. Eine polierte Scheibe des Gesteins wird im Mineralogischen Museum ausgestellt.

Dropstone vom Meeresboden geholt
Dropstone vom Meeresboden geholt - Der Gabbro wird im Jahr 1987 von der "Polarstern" gehoben. © Foto: Hans Miller / Universität Bonn

Ein etwa eine Tonne schweres Gestein wurde am 02. Februar 1987 vom Forschungsschiff Polarstern bei einer Expedition vor der Antarktis geborgen. Das große Stück, die genaue Gesteinsbezeichnung ist Gabbro, wurde auf dem antarktischen Festland von einem Gletscher aufgenommen und von ihm transportiert. Als der Gletscher den Ozean erreichte, ging die Reise weiter. In einem Eisberg eingefroren, driftete der Gabbro über das Meer bis er austaute und auf den Meeresboden fiel. Deshalb wird ein solches Gestein auch dropstone genannt. Vom Meeresboden wurde das Gestein von der Polarstern an die Wasseroberfläche geholt und gelangte mit dem Forschungsschiff nach Deutschland.

Der Exot bleibt ein Exot

Der Gabbro gelangte 1991 im rheinischen Alfter bei Bonn in den Garten des Geologen Herwald Bungenstock. Er hatte sich federführend um den Aufbau der bundesdeutschen Polarforschung verdient gemacht und arbeitete im Bundesministerium für Forschung und Technologie, dessen Sitz Bonn ist. Nun wird der Hausstand der Familie Bungenstock in Alfter aufgelöst. Daher war nun eine neue Heimat für den Dropstone zu finden. Auf Usedom befinden sich auf dem Gelände des Forstamts Neu Pudagla bereits etwa 150 Großfindlinge, die von skandinavischen Gletschern stammen. Als Exot wie schon im Bungenstock'schen Garten in Alfter wird der Gabbro nun in den Usedomer Gesteinsgartens aufgenommen.

Bei der Ankunft in Deutschland war der Gabbro seinerzeit für eine erste Bearbeitung zersägt worden. Dabei wurde auch eine Scheibe abgeschnitten und poliert. Diese ist im Mineralogischen Museum der Universität Bonn nun ausgestellt. Es ist in den umfangreichen Sammlungen des Museums eines der exotischsten Stücke mit der weitesten Anreise. Diese Gabbroscheibe ist nach wie vor mit ihrem großen Bruder verbunden. In der App OutcropWizard sind der ursprüngliche Fundpunkt vor der Antarktis, das Mineralogische Museum sowie der Usedomer Gesteinsgarten virtuell verbunden. Somit lässt sich die Reise des Gesteins digital nachvollziehen. Das Objekt wird in die Sonderausstellung ‚Geschichtsstücke‘ integriert, die zum 200jährigen Bestehen des Museums im Frühjahr 2021 eröffnet werden soll.

Kontakt:
Dr. Anne Zacke,
Mineralogisches Museum, Leiterin
E.-Mail: min.museum@uni-bonn.de

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