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Nachteilsausgleich bei Studien- und Prüfungsleistungen

Der individuelle Nachteilsausgleich ist KEINE BEVORZUGUNG, sondern ein Beitrag zur Integration und Chancengleichheit. Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung haben ein Recht auf Nachteilsausgleich. Dennoch müssen sie grundsätzlich in der Lage sein, die in den jeweiligen Prüfungsordnungen geforderten Kompetenzen und Qualifikationsziele zu erwerben und diese durch Prüfungen nachzuweisen, d. h. Form und Bedingungen des Erwerbs dieser Fähigkeiten sowie der Leistungsnachweise können modifiziert werden, die Leistungsziele selbst sind dagegen zu erfüllen.

Das Hochschulgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen verpflichtet die Universitäten, in ihren Prüfungsordnungen nachteilsausgleichende Regelungen für behinderte Studierende zu treffen. In die Prüfungsordnungen der Universität Bonn wurde daher folgende bzw. ähnlich lautende Textpassage aufgenommen:

„Macht eine Studierende oder ein Studierender durch geeigneten Nachweis gegenüber dem Prüfungsausschuss glaubhaft, dass sie oder er wegen ständiger oder mehr als ein Semester andauernder Behinderung oder einer chronischen Krankheit nicht in der Lage ist, ihre oder seine vorhandenen intellektuellen Fähigkeiten im Rahmen der Leistungserbringung umzusetzen und daher eine Prüfung ganz oder teilweise in der vorgesehenen Form und Dauer abzulegen, gestattet der Prüfungsausschuss die Erbringung gleichwertiger Prüfungsleistungen in einer bedarfsgerechten Form, ggf. auch innerhalb einer entsprechend verlängerten Bearbeitungszeit. Entsprechendes gilt für Studienleistungen. Bei der Festlegung gleichwertiger Leistungen muss der studentische Arbeitsaufwand berücksichtigt werden. Bei der Festlegung von Pflichtpraktika sind Ersatzleistungen zu gestatten, wenn jene aufgrund der Beeinträchtigung auch mit Unterstützung durch die Hochschule nicht nachgewiesen werden können.“

Da die Behinderungen und chronischen Erkrankungen sehr unterschiedliche Beeinträchtigungen zur Folge haben, müssen auch die etwaigen Nachteilsausgleiche jeweils individuell geprüft und in Abstimmung mit dem zuständigen Fachbereich konkretisiert werden. Sie sollten vorab überlegen, welche Modifikationen sie im Prüfungsverfahren benötigen und sich dann zunächst bei der jeweiligen Fachstudienberatung und/oder der Behindertenbeauftragten beraten lassen. Insbesondere in den Studiengängen mit Abschluss "Staatsexamen" gelten spezifische Vorgaben, die ggf. die Auswahl an Nachteilsausgleichen einschränken können. 

Ein Anspruch auf einen konkreten Nachteilsausgleich besteht generell nicht.

Im Anschluss daran stellen Sie einen schriftlichen Antrag an die oder den Vorsitzende/n des zuständigen Prüfungsausschusses inkl. einer nachvollziehbaren Begründung, warum Sie die modifizierten Prüfungsbedingungen brauchen. Dem Antrag sollte als Nachweis eine fachärztliche Bescheinigung über die konkreten prüfungsrelevanten Beeinträchtigungen - ggf. mit einer entsprechenden Empfehlung für die Nachteilsausgleiche (z. B. 20% Schreibzeitverlängerung) - beigefügt werden. Ein Schwerbehindertenausweis ist für den Nachteilsausgleich nicht zwingend erforderlich und zum Nachweis der konkreten prüfungsrelevanten Behinderung häufig auch nicht ausreichend. Der Prüfungsausschuss entscheidet dann im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens darüber, ob der beantragte Nachteilsausgleich erforderlich, geeignet und angemessen ist, um chancengleiche Prüfungsbedingungen zu realisieren.

Unter Wahrung der fachlichen Anforderungen sind - mit Ausnahme der staatlichen Prüfungen - beispielsweise je nach Lage des Einzelfalls folgende Nachteilsausgleiche denkbar:

  • Verlängerung des Gesamt-Prüfungszeitraums, in dem bestimmte Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen sind
  • Veränderung von Dauer und/oder Lage einzelner Studien- und Prüfungsleistungen:
    • Verlängerung der Bearbeitungszeit bei zeitabhängigen Studien- und Prüfungsleistungen (z.B. Klausuren, Haus- und Abschlussarbeiten)
    • Unterbrechung von zeitabhängigen Studien- und Prüfungsleistungen (insbesondere Arbeiten unter Aufsicht) durch individuelle Erholungspausen, die nicht auf die Bearbeitungszeit angerechnet werden dürfen
    • Splitten einer Prüfungsleistung in Teilleistungen
    • Verlängerung der Zeiträume zwischen einzelnen Studien- und Prüfungsleistungen
    • Mitbestimmungsmöglichkeit bei der Festlegung von Prüfungsterminen (z. B. nicht unmittelbar vor oder nach bestimmten therapeutischen Maßnahmen)
    • Verlängerung der Prüfungszeit, wenn Unterbrechungen der Prüfungsvorbereitungen wegen schlechten Gesundheitszustandes notwendig waren
  • Erbringen von Studien- und Prüfungsleistungen in einer anderen als der vorgesehenen Form:
    • Ersatz von schriftlichen durch mündliche Leistungen und umgekehrt
    • Ersatz von praktischen durch theoretische Leistungen und umgekehrt
    • Gestatten einer Einzel- statt einer Gruppenprüfung
    • Schriftliche Ergänzung mündlicher Prüfungen (für Studierende mit Hör- und Sprachbehinderung)
  • Befreiung von der regelmäßigen Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen (mit Ausgleich der Anwesenheit durch Erbringen einer kompensatorischen Leistung)
  • Zulassen von notwendigen Hilfsmitteln (z. B. Braillezeile) und Assistenzleistungen (z. B. Gebärdensprachdolmetscher) sowie zur Verfügung stellen von adaptierten (Prüfungs-)Unterlagen (z. B. Großschrift)
  • Durchführung der Prüfung in einem gesonderten Raum (z. B. im Prüfungsraum der Beauftragten für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung)

Solche nachteilsausgleichenden Maßnahmen dürfen sich nicht auf die Bewertung von Studien- und Prüfungsleistungen auswirken und nicht in Leistungsnachweise, Diploma Supplements oder Zeugnisse aufgenommen werden.

 

 

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