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Datum: 22.02.2007

Wortschatz auf 850.000 Zetteln gesammelt Nordsiebenbürgisch–Sächsisches Wörterbuch abgeschlossen

Über 850.000 Zettel benötigte der siebenbürgische Pfarrer Friedrich Krauß, um in rund 60 Jahren den Wortschatz der Sprache seiner Heimat zu sammeln. Als er 1978 verstarb, ging sein Nachlass an das Institut für Geschichtliche Landeskunde der Universität Bonn. Dort begann im Jahr 1980 die Arbeit an einem Nordsiebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch (NSSWB), gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Mit hoher wissenschaftlicher Kompetenz und viel persönlichem Einsatz wurde das umfangreiche Werk nach nur 25 Jahren mit dem fünften Band fertig gestellt.

Steht früh morgens unerwarteter Besuch vor der Tür des Nordsiebenbürger-Sachsen, dann "struckelt" die "Drimzochel" und hofft, dass sie nicht wie eine "Strubbelente" aussieht. Auf Hochdeutsch: Die Schlafmütze zieht sich hastig etwas an und ordnet gegebenenfalls noch schnell ihr Haar. Die mittelfränkischen Mundarten Siebenbürgens besitzen vorrangig Merkmale aus der westlichen Moselregion um Trier und Luxemburg, zeigen aber auch jüngere ostmitteldeutsche und bairische Elemente sowie Einflüsse aus dem Österreichischen, Ungarischen und Rumänischen.

Bereits im 13. Jahrhundert kamen die ersten Siedler nach Siebenbürgen, vom ungarischen König zur Kultivierung des Landes im Karpatenbogen geholt. Mit vielen Sonderrechten ausgestattet und sehr eigenständig, spielten die "Sachsen" bis ins 19. Jahrhundert immer eine besondere Rolle und entwickelten eine blühende Sprachkultur. Aussiedlung und Abwanderung nach dem 2. Weltkrieg und besonders nach der "Wende" 1990 haben den Anteil der Deutschsprachigen in Siebenbürgen sehr stark dezimiert. Die älteste deutsche Sprachinsel mit ihren Mundarten ist vom Untergang bedroht.

Nicht nur der Sprache, sondern auch dem nordsiebenbürgischen Kulturgut kann man im NSSWB in fünf Bänden mit 4.500 Seiten auf die Spur kommen: Neben Wortformen und Satzbeispielen liefert es zahlreiche Verweise auf volkskundliche, handwerkliche und redensartliche Eigenheiten. Sprachgeschichtliche Einblicke und kulturhistorische Details komplettieren die lexikalische Dokumentation der traditionsreichen Sprachinsel.

Pfarrer Krauß hatte in rund 60 Jahren Wörter, Sätze und Redensarten in der Mundart seiner nordsiebenbürgischen Landsleute aufgeschrieben und bereits begonnen, ein Manuskript für das Wörterbuch auszuarbeiten. Nach seinem Tod im Jahr 1978 initiierte die Universität Bonn in Zusammenarbeit mit dem Siebenbürgen Institut den Umzug des gesammelten Materials zum Institutssitz in Gundelsheim am Neckar. Dort begannen Gisela Richter und Helga Feßler 1980 mit der Arbeit am ersten Band, der 1986 im Böhlau Verlag Köln erschien. Der Altrektor der Universität Bonn, Professor Dr. Werner Besch, leitete gemeinsam mit Professor Dr. Kurt Rein von der Universität München den wissenschaftlichen Beirat, dem auch der Bonner Sprachwissenschaftler Dr. Walter Hoffmann angehörte.

In einer Tagung zur "Lexikographie der deutschen Mundarten in Südosteuropa" am 22. und 23. Februar in München wird der Abschluss des Werkes mit dem 5. Band in den gebührenden Rahmen gestellt.

Kontakt:
Professor Dr. Werner Besch
Telefon: 0228/251119
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]






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