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Datum: 30.05.2018

Vegetarismus und Bioprodukte stoßen auf immer mehr Interesse

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In den Regalen der Supermärkte finden sich mehr und mehr vegetarische und vegane Lebensmittel, oft als Imitate von fleischhaltigen Produkten. Der Frage, welche Ursachen und Perspektiven diese Entwicklung hat, ging eine Podiumsveranstaltung im Rahmen des 200-jährigen Universitätsjubiläums im Hörsaal I des Universitätshauptgebäudes nach.

Handelt es sich nur um eine Mode? Ist es ein Trend, der nun schon seit einigen Jahrzehnten anhält, und wird so womöglich sogar die Ernährung der Zukunft aussehen – auch für breite Bevölkerungsschichten? Tatsache ist: In den Regalen der Supermärkte finden sich mehr und mehr vegetarische und vegane Lebensmittel sowie eine breite Auswahl an Bioprodukten.

„Wo ein solches Angebot besteht, muss es auch eine dementsprechende Nachfrage geben, oder?“ Mit dieser Frage eröffnete Professor Dr. Karin Holm-Müller, Umweltökonomin und Prorektorin für Studium und Lehre, eine Podiumsdiskussion in Hörsaal I des Universitäts-Hauptgebäudes. Und gab sie direkt an die Teilnehmer weiter: an den Sozialpsychologen Professor Dr. Rainer Banse, an  Professor Dr. Peter Stehle vom Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, beide von der Universität Bonn, an Dr. Manon Haccius, Bereichsverantwortliche für Qualitätsmanagement und Verbraucherservice bei Alnatura, und an Dinah Stark, seit drei Jahren Veganerin und Mitbegründerin des ersten Unverpackt-Ladens in Köln.

Vor den ersten Antworten auf dem Podium lieferte ein zweieinhalbminütiger Film einige Motive: So erklärten Bonner Bürger bei einer Umfrage, was sie bewege, ganz oder teilweise auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten oder immer öfter bewusst zu Bioprodukten zu greifen. Dabei spielten Argumente wie Nachhaltigkeit – Schwerpunkt des zweiten Quartals im Uni-Jubiläumsjahr 2018 – sowie ein schonenderer Umgang mit den natürlichen Ressourcen, zunehmende Allergien und Unverträglichkeiten und nicht zuletzt die Sorge um die eigene Gesundheit eine Rolle.

Was also treibt die Nachfrage an? Dr. Manon Haccius  von Alnatura nannte als einen der Gründe dafür ein größeres Bewusstsein für die Probleme der Massentierhaltung. Auch steigende Ansprüche an die  Produktion der Lebensmittel spielten eine Rolle. „Vor 35 Jahren betrug der Anteil der Biohöfe in der deutschen Landwirtschaft gerade mal ein Prozent. Inzwischen sind es zehn.“ Für sie eine Entwicklung, die hoffen lässt  – ohne zugleich den Fleischverzehr verteufeln zu wollen. „Auch wir führen Fleischwaren, aber in einem deutlich kleineren Segment.“ Die Trendwende datiert Haccius auf 2001/2002, als der BSE-Skandal viele Verbraucher aufgerüttelt habe. Doch Umdenken braucht Zeit. Und Hartnäckigkeit, wie beim nach 40 Jahren durchgesetzten Verbot von Legebatterien. „Also dran bleiben“, fordert Haccius.

Der Sozialpsychologie-Professor Banse erklärte, er sehe nach wie vor eine klare Dominanz der sogenannten „fleischbetonten Mischkostler“ in einer eher maskulin geprägten Esskultur. So sähen sich die bundesweit rund 2,5 Prozent Vegetarier, aber vor allem die Veganer  – ihr Anteil liegt hierzulande gerade mal bei 0,1 bis ein Prozent – Anfeindungen und Unverständnis gegenüber; auch im eigenen Familien- und Freundeskreis. Den Vorwurf, selbstgerecht in einer Art „ideologischen Blase“ zu leben, hat auch Dinah Stark schon häufiger gehört, ist aber dadurch in ihrer Überzeugung nicht zu beirren. Und wie die meisten Veganer bevorzuge sie tatsächlich Bio-Lebensmittel. Doch dabei allein möchte sie es nicht belassen. Auch der Verzicht auf Plastik ist für sie ein Thema: „Und den Kunden, die in unseren Laden kommen, geht es genauso.“

Aus Sicht des Ernährungswissenschaftlers Professor Stehle gibt es auf die Frage nach dem Fleischkonsum eine klare Antwort: „am besten immer weniger.“ Ernährungswissenschaftler empfehlen eine Menge von 600 Gramm pro Woche. Bei Männern ist es das Doppelte, Frauen überschreiten die Menge um ein Drittel. Für einen fleischessenden Mischkostler wird statistisch betrachtet eine Anbaufläche von 2.700 Quadratmetern pro Jahr benötigt. Pflanzliche Ernährung würde das auf ein Viertel reduzieren, so dass mehr Menschen ernährt werden können und nicht ein Drittel des Getreides im Tierfutter landet.

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