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Datum: 03.05.2018

Neue Hoffnung für Patienten mit Depressionen und Angst

Es besteht ein starker Zusammenhang von Depressionen und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT), einer chronischen Erkrankung der Schilddrüse, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung betrifft. Eine spezielle Therapie könnte vielen Betroffenen helfen. Dies haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zusammen mit der Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn nachgewiesen. Die Ergebnisse sind nun in „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht.

Depressionen und Angststörungen zählen weltweit zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen. Einen starken Zusammenhang von Depression und Angsterkrankungen mit der Autoimmunthyreoiditis (AIT) hat Dr. Teja Wolfgang Grömer, niedergelassener Arzt in Bamberg und Privatdozent am Lehrstuhl für Psychiatrie und Psychotherapie der FAU, unterstützt durch Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Johannes Kornhuber sowie Prof. Dr. Alexandra Philipsen und Privatdozent Dr. Helge Müller von der Psychiatrischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn nun nachgewiesen. Für die Metastudie wurden 21 voneinander unabhängige Studien mit insgesamt 36.174 Teilnehmern kombiniert. Davon litten 35.168 an Depressionen, 34.094 an Angsterkrankungen.

„Die meisten Patienten zeigten sich durch die Stellung der Diagnose befreit“, betont Dr. Grömer. „Denn oft hatten sie vorher keine Erklärung für ihr Krankheitsbild.“ Bei einer Autoimmunthyreoiditidis kommt es zu einer anhaltenden Entzündung der Schilddrüse, deren Hormone sowohl den Stoffwechsel und zellulären Energiehaushalt als auch die gefühlte Energie und die Psyche beeinflussen. AIT führt bei Betroffenen zu spezifischen psychischen Symptomen, unter anderem innerer Unruhe, Anspannung und Erschöpfung. Meist erkranken Menschen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, Frauen sind wesentlich häufiger betroffen als Männer. Da der Beginn der Erkrankung oft mit den Wechseljahren zusammenfällt und normalerweise keine Schmerzen verursacht, wird die Schilddrüsenentzündung jedoch leicht übersehen oder als „Wechseljahrsbeschwerden“ oder eben als reine Depression oder Angst fehlgedeutet.

Tatsächlich zeigte sich in der Berechnung, dass das Risiko für einen Patienten mit AIT für eine Depression 3,5-fach erhöht ist, bei der Diagnose Angst 2,3-fach. Dies klingt zunächst moderat, da alle drei Erkrankungen aber sehr häufig sind, ergibt sich daraus, dass mehr als 40 Prozent der Depressionen und 30 Prozent der Angsterkrankungen bei Patienten mit AIT vorkommen. In seinem Artikel beschreibt Dr. Grömer ausführlich ein Modell der Erkrankung.

„Damit ergeben sich weitere wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse auf immunologische Mechanismen häufiger psychischer Erkrankungen wie Depression und Angst“, sagt Prof. Philipsen. „Diese Befunde weisen uns nochmals auf die Notwendigkeit genauester klinischer Diagnostik hin.“ 


Publikation: Association of Depression and Anxiety Disorders With Autoimmune Thyroiditis – A Systemic Review and Meta-analysis, JAMA Psychiatry, DOI:10.1001/jamapsychiatry.2018.0190

Pressemitteilung: https://www.fau.de/2018/05/news/wissenschaft/neue-hoffnung-fuer-patienten-mit-depressionen-und-angst

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