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Datum: 07.10.2009

Neuartiger Stent hilft bei Schaufensterkrankheit Europaweite Erstimplantation in der Radiologischen Universitätsklinik Bonn

Es war nur eine kleine Wunde am Knie. Doch sie heilte über viele Monate nicht. Maria K. [Name geändert] konnte mitunter nur mit Beschwerden gehen. Hilfe fand sie im Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Bonn - eine fächerübergreifende Kooperation von Angiologen, Gefäßchirurgen und Radiologen. Die Diagnose „Schaufensterkrankheit mit starken Durchblutungsstörungen“ traf die 87-Jährige unerwartet. Erstmals in Europa konnte dieser Patientin durch Bonner Radiologen die neuartige, Arzneimittel abgebende Gefäßstütze, ein so genannter Stent, implantiert werden. Nach einer abschließenden Operation ist Maria K. jetzt wieder zu Hause und wohlauf.

Die Verengung der Beinarterien ist ein schleichender Prozess und verläuft anfangs meist schmerzfrei. Diese so genannte periphere arterielle Verschlusskrankheit ist im Volksmund auch unter dem Namen „Schaufensterkrankheit“ bekannt. Unbehandelt geht die Durchblutung so weit zurück, dass schließlich sogar Gewebeteile absterben. Häufig sind dann Amputationen nicht mehr zu vermeiden. „Doch wer ahnt schon, dass er Durchblutungsstörungen in den Beinen hat“, sagt Maria K.. Nach monatelangen vergeblichen Arztbesuchen wegen ihrer offenen Wunde am Schienenbein ging plötzlich alles Hals über Kopf. Die Neu-Bonnerin wurde zunächst in die Hautklinik des Universitätsklinikums Bonn eingewiesen. Mittels Ultraschall konnte jedoch eine starke Blockade in der Beinarterie als Ursache der Durchblutungsstörung diagnostiziert werden.

Neue Arzneimittel freisetzende Gefäßstütze reduziert Rückfälle deutlich

Die Bonner Radiologen entschlossen sich, einen neuartigen Arzneimittel-freisetzenden Stent zu implantieren. Dieser ist speziell zur Behandlung starker Blockaden in der Oberschenkelarterie entwickelt worden. Der Stent gibt ein Medikament ab, das einer erneuten Verengung von Arterien vorbeugt. Die Erteilung des CE-Prüfzeichens für den neuartigen Stent folgte auf die umfangreichste, jemals weltweit durchgeführte klinische Studie eines peripheren Stents. Da kein Polymer nötig ist, um den Wirkstoff an den Stentkörper zu binden, muss der Patient keine Risiken wie Abstoßungsreaktionen durch einen dauerhaften Verbleib einer Fremdsubstanz befürchten. Laut einer amerikanischen Studie bewirkt der neue Stent einen Rückgang der Zweiteingriffe um 50 bis 75 Prozent.

Nachdem das CE-Prüfzeichen für den Stent erteilt wurde, konnte dieser Patientin erstmals in Europa durch den Bonner Radiologen Dr. Kai Wilhelm der neuartige, Arzneimittel abgebende Stent implantiert werden, der langfristig für eine bessere Durchblutung im Bein von Maria K. sorgen soll. „Der Eingriff war bei unserer Patientin kompliziert, da der Kalk hart und in großen Mengen vorhanden war“, sagt Privatdozent Dr. Kai Wilhelm, Leitender Oberarzt an der Bonner Universitäts-Radiologie. Daher war auch eine zusätzliche Operation notwendig, die Professor Dr. Jörg C. Kalff von der Bonner Universitätschirurgie durchführte.

Jetzt sitzt Maria K. endlich wieder in ihrem Wohnzimmer und ist zufrieden: „Ich kann wieder ohne größere Beschwerden gehen und auch das Treppensteigen geht wieder ganz gut.“ Für Privatdozent Wilhelm zeigen sich gerade hier auch die Vorteile eines Gefäßzentrums. Denn dort ist die Kompetenz innerhalb der Gefäßmedizin räumlich und fachlich gebündelt sowie die enge Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen gewährleistet. Das garantiert Patienten wie Maria K. eine speziell auf sie abgestimmte Diagnostik und Therapie.


Kontakt für die Medien:
Privatdozent Dr. Kai Wilhelm
Leitender Oberarzt
Radiologische Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287 –15237
E-Mail: Kai.Wilhelm@ukb.uni-bonn.de

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