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Datum: 05.12.2017

Ausgründer „tracken“ Langfinger in Supermärkten Absolventen der Universität Bonn machen sich mit einem selbstlernenden Kamerasystem selbständig

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Schäden durch Ladendiebstähle gehen nach Schätzungen jährlich in die Milliarden. Eine Achillesferse in den Supermärkten sind häufig die Eingangsbereiche, weil dort Langfinger ohne zu bezahlen mit vollem Einkaufswagen die Geschäfte verlassen. Drei Absolventen der Universität Bonn haben nun das selbstlernende Kamerasystem „Cartwatch“ entwickelt. Es verfolgt automatisch volle Einkaufswagen und schlägt Alarm, wenn nicht bezahlt wird. Die jungen Gründer werden mit einem EXIST-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.

„Um auf Kunden einladender zu wirken, werden zum Beispiel die Eingangsbereiche von Supermärkten zunehmend offener gestaltet - dies führt jedoch auch dazu, dass es Dieben leichter gemacht wird“, sagt Philipp Müller, der Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn studiert hat. Langfinger können mit dem vollen Einkaufswagen häufig einfach zur Eingangstür hinausfahren und sich davonmachen.

Zusammen mit dem Mathematiker und Ökonomen Christoph Schwerdtfeger, dem Physiker Dr. Luke Miller und dem Informatiker Felix Müller hat das Projekt Cartwatch ein System entwickelt, mit dem sich künftig diese Diebstahlstrategie rechtzeitig erkennen lassen soll. Eine an ein selbstlernendes Computersystem gekoppelte Kamera kann vollautomatisch feststellen, ob ein Einkaufswagen mit Waren gefüllt ist. Verlässt dieser Wagen nun verbotswidrig durch die Eingangstür das Geschäft, ohne vorher den Kassenbereich zu passieren, schlägt das System Alarm. „Meistens reicht es schon, wenn sich der Dieb getrackt auf einem Monitor am Eingang sieht, um ihn von seinem Vorhaben abzuschrecken“, sagt Christoph Schwerdtfeger.

Konzepte der künstlichen Intelligenz in der Anwendung

Die vier jungen Ausgründer von der Universität Bonn haben ihr System bereits gründlich im Labor getestet. Dabei kommen aus der Forschung Konzepte der künstlichen Intelligenz zur Anwendung. Mit einer Kamera werden unterschiedliche Einkaufswagen aus allen denkbaren Perspektiven aufgenommen. Darüber hinaus werden die Wagen mit verschiedensten Waren beladen. „Der Algorithmus berechnet aus dieser Fülle von Fotos Gemeinsamkeiten und lernt dadurch, volle von leeren Einkaufwagen selbstständig zu unterscheiden“, berichtet Felix Müller.

Die Trefferquote sei sehr hoch und das System dadurch wenig fehleranfällig, erklären die Ausgründer. Das ist auch dringend notwendig: In der Vergangenheit seien bereits deutlich einfachere Systeme zum Einsatz gekommen, die allerdings häufig Fehlalarme zur Folge hatten. „Dies führt schnell dazu, dass Kunden nicht wiederkommen“, sagt Schwerdtfeger. „Wer lässt sich schon gerne zu Unrecht als Dieb brandmarken?“

Obwohl das System die Waren in den Einkaufswagen erfasst, bleiben die Personen, die den Wagen schieben, außen vor. Probleme mit dem Datenschutz sehen die Gründer deshalb nicht: „Da unser Kamerasystem keine Aufzeichnungen macht, sondern in Echtzeit nur die Waren in den Einkaufswagen verfolgt und keine Gesichter erkennt, ist es hinsichtlich der Persönlichkeitsrechte unproblematisch“, sagt Felix Müller.

Um ihre Ideen zum Projekt „Cartwatch“ zur Marktreife zu bringen, erhalten die Ausgründer der Uni Bonn eine EXIST-Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium. Diese Unterstützung sichert für ein Jahr den Lebensunterhalt der Gründer, Sachmittel und Coaching. Mentor ist Prof. Dr. Michael Köhl vom Physikalischen Institut der Universität Bonn. Das Gründerteam kann nun an der Bonner Alma mater seine Idee weiter vorantreiben.

Die EXIST-Förderung ermöglicht, das Projekt schneller voranzutreiben

„Die Förderung ermöglicht uns, viel besser und schneller voranzukommen, weil wir uns nun ganz auf unser Projekt konzentrieren können“, sagt Luke Miller. Die jungen Gründer wollen nun möglichst schnell ihr selbstlernendes Kamerasystem in Supermärkten unter realen Bedingungen testen und weiterentwickeln. „Wir stehen hierfür bereits mit mehreren Lebensmittelketten in Kontakt“, berichtet Philipp Müller. Ein erster Abschluss konnte mit einem der größten deutschen Einzelhändler erzielt werden – Cartwatch befindet sich dort bereits im internationalen Einsatz.

Unterstützung bekamen die Gründer auch von Rüdiger Wolf vom Technologietransfer der Universität Bonn. „Herr Wolf hat uns bei der Antragstellung sehr gut beraten und stand uns mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Schwerdtfeger. Der Transferexperte bescheinigt den Gründern eine neuartige Geschäftsidee, die auf Forschungserkenntnisse der Universität Bonn zurückgreift. „Aus Konzepten der künstlichen Intelligenz ergibt sich eine vielversprechende Methode, den verbreiteten Ladendiebstahl einzudämmen“, sagt Wolf.

Kontakt für die Medien:

Philipp Müller
Tel. +49 173 4923084
E-Mail: pm@cartwatch.de

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