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Datum: 15.11.2013

Hilft Migration, den Klimawandel besser zu meistern? Das BMBF fördert ein Projekt am Geographischen Institut der Universität Bonn mit 1,9 Millionen Euro

Inwieweit können Migranten ihren Heimatregionen helfen, Herausforderungen des Klimawandels besser zu bewältigen? Ein Forschungsprojekt des Geographischen Instituts der Universität Bonn untersucht diesen Zusammenhang und lotet die Chancen am Beispiel von Thailand aus. Das Bundesforschungsministerium fördert das Vorhaben in den nächsten vier Jahren mit insgesamt 1,9 Millionen Euro.

„Klimaflüchtling“ ist ein Schlagwort, das immer häufiger in den Schlagzeilen auftaucht. Alarmistische Szenarien gehen davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten Millionen von Menschen vor den Folgen des Klimawandels und extremen Wetterereignissen fliehen werden. „Sind Migranten in erster Linie als ein Problem zu begreifen oder birgt die Migration nicht auch Chancen für ländliche Regionen, den Klimawandel besser zu meistern?“, fragt Dr. Patrick Sakdapolrak vom Geographischen Institut der Universität Bonn. Der Wissenschaftler leitet ein neues Forschungsprojekt, das die komplexen Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Migration untersucht. Es wird vom Bundesforschungsministerium in den nächsten vier Jahren mit insgesamt 1,9 Millionen Euro gefördert.

Der Projektleiter hebt hervor, dass Migration schon seit Jahrhunderten den Lauf der Menschheit beeinflusst und bereits lange vor dem Klimawandel stattgefunden hat. Jedoch sprechen viele Anzeichen dafür, dass die wechselseitigen Beziehungen zwischen Umwelt und Migration künftig eine zentrale Dynamik des Globalen Wandels darstellen werden. „Migration verbindet Menschen in entfernt liegenden Orten, erleichtert den Transfer von Knowhow und treibt die globale Vernetzung voran“, sagt Dr. Sakdapolrak. Der Wissenschaftler möchte untersuchen, ob diese durch Migration beförderte Vernetzung auch die Fähigkeit von Haushalten und Gemeinden stärkt, zukünftige Herausforderungen des Klimawandels besser zu bewältigen und Optionen für eine nachhaltige Überlebenssicherung zu entwickeln.

Mit den Menschen wandern Ideen und finanzielle Möglichkeiten

„Mit den Wanderungen der Menschen verbreiten sich auch neue Ideen, Wissen und finanzielle Möglichkeiten, die künftigen Herausforderungen besser zu meistern“, sagt Dr. Sakdapolrak. So könnten Migranten, die aus einer von den Folgen des Klimawandels bedrohten Region stammen und woanders wirtschaftlich erfolgreich Fuß gefasst oder sich weiterqualifiziert haben, mit Geld und Knowhow ihren Heimatgemeinden helfen. Anhand von Fallbeispielen im ländlichen Thailand sollen diese vielschichtigen Zusammenhänge näher untersucht werden: Wie stark sind die Haushalte von Umweltrisiken betroffen? Welche Rolle spielt Migration vor Ort? Welche Netzwerke etablieren sich? Welchen Einfluss haben Politik und Gesetzgebung? Inwieweit bietet Migration Vorteile für die Herkunfts- aber auch die Zielregionen?

Das sechsköpfige Forscherteam des Geographischen Instituts der Universität Bonn möchte hierfür nicht nur die Bedingungen in Thailand, sondern auch die unterschiedlichen Migrationsprozesse und die Situation in den Zielgebieten untersuchen. Das Forschungsprojekt wird in enger Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten aus Chiangmai, Khon Kean (beide Thailand) und Melbourne (Australien) sowie mit der Raks Thai Foundation, dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der UN (UNU-EHS), der International Organization for Migration (IOM) (Thailand) sowie dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) durchgeführt. „Der Kontakt zu verschiedenen Nichtregierungsorganisationen und politischen Entscheidungsträgern in Thailand gewährleistet, dass die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen an relevante Entscheider und Praktiker auf nationaler und internationaler Ebene gelangen“, sagt Dr. Sakdapolrak.

Kontakt:

Dr. Patrick Sakdapolrak
Geographisches Institut
der Universität Bonn
Tel. 0228/73-3851
psakdapo@uni-bonn.de

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