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Datum: 09.11.2016

Lehrer werden? Aber sicher! Crashkurs für beide Seiten beim Feriensprachunterricht

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Mit ihrer Masterurkunde als Lehrerin in der Tasche startete Johanna Frassek gemeinsam mit deutschen Schülern nach England. Die Zehn- bis 18-Jährigen bei zwei Feriensprachkursen hintereinander nicht nur vormittags beim Englischunterricht, sondern vier Wochen lang den ganzen Tag zu betreuen und zu „bespaßen“, war eine echte Herausforderung. Sie erzählt:

Von Anfang an ging das rund um die Uhr: Früh morgens in unserer „Location“ angekommen, hatten wir kurz Zeit, unsere sieben Sachen auszupacken und die Klassenräume nach unseren Bedürfnissen einzuräumen. Dann ging es bereits mit ersten Kennenlernspielen los. Schon am Abend war die erste Unterrichtsstunde mit unseren Gruppen. Was wir dort beobachten konnten, floss gleich in die Unterrichtsvorbereitung für die nächsten Tage ein.

Die waren für alle knackig durchstrukturiert: drei Stunden Unterricht am Vormittag, dann Nachmittags- und Abendaktivitäten vorbereiten und durchführen, abends Reflexion mit den Jugendlichen aus der eigenen Gruppe. Hinzu kamen Sitzungen für die Betreuer. So war unser Programm aus festen Terminen oft erst am späten Abend zu Ende – danach konnte man sich „in Ruhe“ der Unterrichtsvorbereitung widmen.

Für die Ausflugstage haben wir die Schüler außerdem über selbst ausgedachte Rallyes und Befragungen mit den Menschen vor Ort in Kontakt gebracht und für London sogar verschiedene Touren für unterschiedliche Interessen – eine Harry Potter Tour, den klassischen London-Rundgang, den „Thames Walk“ – angeboten. Auf jeden Fall bin ich bei den Ausflügen mit beiden Schülergruppen ganz gut herumgekommen: nach Portsmouth, Brighton, Oxford, Cambridge und zweimal London. Allein war man eigentlich nie. Die freie Zeit fand gefühlt eher in Sekunden statt, von denen man jede genossen hat.

Aber von den Gruppengrößen beim Unterricht kann jede Lehrkraft nur träumen: Ich hatte jeweils sieben Schülerinnen und Schüler, und das waren schon welche der größten Klassen. Unterrichten durfte ich im schönsten Schulgebäude, das ich je gesehen habe – einem schlossähnlichen Internat inklusiv Top medialer Ausstattung.

Didaktisches Feuerwerk in jeder Stunde? Kaum durchzuhalten.

Im ersten Kurs habe ich gemerkt, dass mir die Routine der Unterrichtsvorbereitung noch fehlt. Doch durch das Rund-um-die-Uhr-Engagement habe ich gelernt, meine eigenen Ansprüche runterzuschrauben und nicht mehr zu versuchen, in jeder Stunde ein didaktisches Feuerwerk abzuliefern – vielleicht eine gute Vorbereitung auf die tatsächliche Schulpraxis mit einer vollen Stelle? Beim zweiten Kurs ging mir die Unterrichtsplanung schon viel leichter von der Hand.
Mit den Kindern und Jugendlichen auch in der Freizeit aktiv und überhaupt rund um die Uhr zusammen zu sein, schweißt zusammen und war eine sehr spannende und bereichernde Erfahrung. Abgesehen davon, dass man eine viel engere Bindung aufbaut, erweitert sich auch die sonst auf das Fachliche reduzierte Sichtweise. Bedürfnisse zu kennen trägt natürlich zur Unterrichtsgestaltung bei. Im ersten Kurs hatten wir das Glück, auch Muttersprachler unter den Betreuern zu haben. Das hat uns selbst dazu angehalten, tatsächlich die ganze Zeit Englisch zu sprechen.

Theorie aus der Masterarbeit im Praxistest

Meine Erkenntnisse aus der Masterarbeit konnte ich für die Unterrichtspraxis sehr gut nutzen. Allerdings hat sich bestätigt – wie auch schon während der Praxisphase der Arbeit – dass der Lexikale Ansatz in der Theorie genial ist: Er beschreibt, dass wir Sprache in vorgefertigten Strukturen lernen. Aber in der Praxis bedarf er einer hohen Expertise und intensiver Vorbereitung. Als zentrales Element hatte ich die Arbeit mit Kollokationen mitgenommen. Das sind Wörter, die in der Regel in Kombination miteinander auftauchen, deshalb lernt man sie am besten von vornherein zusammen. Die meisten Schüler fanden das hilfreich. Aber es ist doch sehr analytisch und erfordert einen Arbeitsaufwand, den man bei normalem Übersetzungs-Vokabellernen nicht hat. Deshalb ist es fraglich, ob sie dieses Verfahren weiterhin anwenden.

Die Rückmeldung und die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler im Laufe der zwei Wochen haben mich darin bestätigt: Spielerische Elemente im Fremdsprachenunterricht kann man gar nicht überbetonen! Hier haben auch schüchterne und zurückhaltende Schülerinnen und Schüler geredet und versucht, die sprachliche Barriere in der Fremdsprache zu überwinden.

Mein Fazit und Tipp für andere: Zwei Wochen Feriensprachkurs als Lehrkraft sind eine tolle Erfahrung und sehr bereichernd! Vier Wochen direkt hintereinander – das muss nicht sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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