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Datum: 10.11.2015

Auf den Spuren von James Cook und Co. Dr. Juliane Braun von der Uni Bonn untersucht frühe Berichte von Forschungsreisenden über den Pazifik

Auf ihren Reisen durch den pazifischen Ozean erschlossen Seefahrer wie James Cook, Jacob Roggeveen und Vitus Bering eine neue Welt. Wie beschrieben sie ihre Eindrücke und wie beeinflussten diese Reiseberichte den naturwissenschaftlichen Diskurs und die Kolonialmächte? Dr. Juliane Braun vom Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn geht diesen Fragen nach. Die Wissenschaftlerin wird mit einem Stipendium der Gielen-Leyendecker-Stiftung gefördert. Deshalb kann sie zwei Jahre lang ohne Lehrverpflichtung ihr Forschungsvorhaben verfolgen.

Der britische Seefahrer James Cook (1728-1779) wurde durch drei Entdeckungsreisen in den Pazifischen Ozean berühmt, währenddessen er mehrere Inseln entdeckte und die Region kartografierte. Er wies unter anderem auch nach, dass es den lange vermuteten Südkontinent nicht gibt. Wie beschrieben Cook und andere Forschungsreisende - zum Beispiel Jacob Roggeveen und Vitus Bering - im 18. Jahrhundert ihre Entdeckungen im Pazifik? Durch welche kulturellen Traditionen wurden sie dabei beeinflusst?

Solchen Fragen widmet sich Dr. Juliane Braun (34) vom Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn in ihrem Projekt „Transozeanische Welten: Der Pazifik im Spiegel einer atlantischen Buchkultur“. Die Wissenschaftlerin wird zwei Jahre lang von der Gielen-Leyendecker-Stiftung mit einem Stipendium von 85.000 Euro pro Jahr für ihre Stelle, Hilfskräfte sowie Sachmittel und Reisekosten gefördert. „Das Projekt kombiniert methodische Ansätze aus den Übersetzungs-, Buch- und Editionswissenschaften mit den sogenannten environmental humanities - also einem Ansatz, der die Geisteswissenschaften und die Lebenswissenschaften zusammenbringt“, sagt Dr. Braun.

Manche Reiseberichte wurden bewusst manipuliert

Die Amerikanistin untersucht, wie die frühen Expeditionsberichte über den pazifischen Raum durch eine atlantisch geprägte Buchkultur verbreitet, popularisiert und in einigen Fällen sogar bewusst manipuliert wurden. So publizierte der englische Herausgeber von Charles de Brosses französischer Reiseberichtsammlung Histoire des navigations aux terres australes (1756) den Text nicht nur als sein eigenes Werk, sondern stellte systematisch alle französischen Entdeckungen im Pazifik als englische Errungenschaften dar, indem er einfach Frankreich durch England ersetzte. Wie veränderten die neuen Erkenntnisse außerdem den Naturwissenschaftsdiskurs, wie prägten sie das Handeln der Kolonialmächte und die Machtverhältnisse über das 18. Jahrhundert hinaus? Gibt es einen kulturspezifischen Naturbegriff? „Es gibt Anzeichen dafür, dass das Naturverständnis durch die religiöse Prägung mit beeinflusst wurde“, berichtet Dr. Braun.

An der Universität Bonn kann die Wissenschaftlerin durch Forschungskooperationen wie dem Biodiversitätsnetzwerk BION und dem Projekt „Knowledge Ecologies“ des Nordamerikastudienprogramms von Prof. Dr. Sabine Sielke auf eine ausgezeichnete wissenschaftliche Infrastruktur an der Schnittstelle von Geistes- und Lebenswissenschaften zurückgreifen und mit ihrem eigenen Projekt neue Impulse geben. Dr. Braun untersucht vor allem die Publikationen der Forschungsreisenden selbst, aber auch spätere Ausgaben, Adaptionen und Übersetzungen um herauszufinden, ob zum Beispiel Veränderungen an den Texten selbst, im Text-Bild-Verhältnis oder in der Gestaltung des kartografischen Materials die Darstellung der Natur beeinflussten.

„Die internationale Orientierung der Bonner Universität und die Möglichkeit, dank des Gielen-Leyendecker Fellowships auch an der Berkeley University zu forschen, erlauben mir einen einzigartigen Zugang zu Quellenmaterial“, sagt Dr. Braun. So möchte sie ebenfalls in den Beständen der Huntington Library in Los Angeles und der Hill Collection of Pacific Voyages in San Diego recherchieren. Die Wissenschaftlerin verspricht sich davon neue Erkenntnisse über ein sich langsam veränderndes Naturverständnis und neue Einsichten in die Produktion und Zirkulation von Wissen im transozeanischen Raum.

Die Gielen Leyendecker Stiftung

Anne-Liese Gielen errichtete aus Verbundenheit mit der Stadt Bonn im Jahr 1993 die Stiftung, die unter anderem das Kunsthistorische Institut sowie das Franz Joseph Dölger-Institut der Universität Bonn fördert. Seit 2008 finanziert die Stiftung zudem die Professur für Christliche Archäologie an der Bonner Alma mater. Im Jahr 2012 wurde das Gielen-Leyendecker-Fellowship für Nachwuchswissenschaftlerinnen an der Universität Bonn eingerichtet. Erste Stipendiatin war Dr. Nadine Petrovsky-Esselborn mit einer Arbeit in der biopsychologischen Grundlagenforschung.

Kontakt:

Dr. Juliane Braun
Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie
der Universität Bonn
Tel. 0228/734965
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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