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Datum: 25.08.2010

Maya-Pool im Regenwald Bonner Archäologen finden künstlichen See, dessen Boden mit Keramik ausgelegt ist

Archäologen der Universität Bonn haben im Regenwald Mexikos einen fußballfeldgroßen Wasserspeicher gefunden, dessen Boden mit Keramikscherben ausgelegt ist. In Kombination mit darüber liegenden Kalksteinen sollten die Scherben anscheinend den künstlichen See abdichten. Erbaut wurde die Anlage vor etwa 1.500 Jahren. Es ist das erste Beispiel für eine derartige Konstruktion bei den Maya. Ob der gesamte Boden des rund zwei Meter tiefen Speichers gekachelt ist, ist allerdings noch unbekannt.

Seit 2009 legen Forscher aus Bonn und Mexiko systematisch die alten Gemäuer der Mayastadt Uxul frei und kartieren sie. „Dabei sind wir auch auf zwei quadratische Wasserspeicher von rund 100 Metern Kantenlänge gestoßen“, erklärt Dr. Iken Paap. Sie leitet zusammen mit Professor Dr. Nikolai Grube und dem mexikanischen Archäologen Antonio Benavides Castillo das Projekt.

„Aguadas“ werden derartige Riesen-Pools genannt, die man auch aus anderen Maya-Städten kennt. Ähnlich wie heutige Wassertürme dienten sie der Trinkwasserspeicherung. Die Bewohner von Uxul scheinen nun eine besonders trickreiche Methode ersonnen zu haben, um ihre Aguadas dicht zu bekommen. „Wir haben im Zentrum von einem der Wasserspeicher eine Probegrabung durchgeführt“, erklärt der Bonner Nachwuchswissenschaftler Nicolaus Seefeld. „Dabei haben wir festgestellt, dass der Boden in zwei Metern Tiefe fast lückenlos mit Keramikscherben – wahrscheinlich von Tellern – ausgelegt war. Ob das wirklich in der ganzen Aguada so war, wissen wir allerdings noch nicht.“

Falls ja, wäre das eine kleine Sensation – allein schon aufgrund der schieren Keramik-Menge, die dafür nötig gewesen wäre: Die Aguadas in Uxul waren jeweils so groß wie zehn Olympiaschwimmbecken. Vielleicht hat es dort sogar noch weitere künstliche Seen gegeben: Schließlich musste das kostbare Nass während der dreimonatigen Trockenzeit für mindestens 2.000 Bewohner reichen.

Auf Deutsch bedeutet der Maya-Begriff „Uxul“ übrigens „Am Ende“. Die Entdecker der Stadt, Karl Ruppert und John H. Denison von der Carnegie Institution of Washington, hatten sie 1934 so getauft – abgekämpft und krank nach einer langen Expedition durch die Urwälder der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Der ursprüngliche Name der Stadt ist bis heute unbekannt.

Lag Uxul in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts „am Ende der Welt“, so hat sich bis heute daran nicht viel geändert: „Zu den Ruinen gelangt man nur über 120 km Urwaldwege quer durch das Biosphäenreservat von Calakmul, weitab von heutigen Straßen und Siedlungen“, erklärt Dr. Iken Paap. Für die Archäologen und ihre deutsch-mexikanische Grabungsmannschaft sind dies schwierige Voraussetzungen. Drei Monate waren sie in diesem Jahr im Wald, um die Mayastadt zu erforschen.

Blühende Handelsstadt

Dass von „Ende“ oder Urwaldeinsamkeit in Uxul zur Zeit seiner Blüte in der Klassik (250 bis 900 nach Christus) nicht die Rede sein konnte, wird bei den Grabungen aber mehr und mehr deutlich: Uxul lag in einem dicht besiedelten Gebiet zwischen den großen Maya-Städten El Mirador im Süden und Calakmul im Nordosten. Die Stadt hatte Handelsbeziehungen bis ins heutige südliche Guatemala und zentralmexikanische Hochland.

Uxul war durch mehrere Epochen der Maya-Kultur hindurch besiedelt. Das schließen die Bonner aus der Analyse der Grabungsstätte und ihrer Bauschichten. „In diesem Jahr konnten wir eine über drei Meter tiefe Schichtenfolge ergraben, die vermutlich von der späten Prä- bis in die End- oder Postklassik reicht“, erläutert Iken Paap.

Inschriften berichten von der Eingliederung Uxuls unter die Herrschaft des 26 Kilometer entfernten Calakmul um etwa 630 nach Christus. Inwieweit wurde das Leben in der Stadt und in ihrem Umland von solchen Machtwechseln berührt und beeinflusst? Hatte Uxul eigene Handelsbeziehungen, die unter der Herrschaft Calakmuls weiter bestanden? Erlebte die Bevölkerung die Krisen der Eliten am eigenen Leib? Oder waren dies Auseinandersetzungen zwischen den Herrschenden, die für uns durch ihre Würdigung auf Stelen und Altären mehr Bedeutung erhalten, als ihnen vielleicht in den Augen zeitgenössischer Bevölkerungsschichten zuviel?

„In diesem Frühjahr haben wir erstmals Gräber gefunden, die nicht von Grabräubern auf der Suche nach Keramik und Jadeschmuck zerstört worden waren“, sagt Professor Dr. Nikolai Grube. „Daraus und aus neuen Untersuchungen zur Wasserversorgung und zur Vegetationsgeschichte erhoffen wir uns neue Erkenntnisse zur Lebenssituation der Einwohner dieser Maya-Stadt.“


Kontakt:
Prof. Dr. Nikolai Grube / Dr. Iken Paap
Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4449
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.] und [Email protection active, please enable JavaScript.]
Projekt-Homepage: http://www.uni-bonn.de/~mayaarch


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