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Datum: 27.11.2019

„Ein großes Vorbild“ – Denis Mukwege zu Gast an der Uni Bonn Uni Bonn meets....: Friedensnobelpreisträger sprach an der Uni Bonn über „Vergewaltigungen als Kriegswaffe" und über "Modelle für die Fürsorge"

Der kongolesische Arzt, Menschenrechtsaktivist und Friedensnobelpreisträger (2018) Prof. Dr. Denis Mukwege sprach im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Uni Bonn meets…“ in Hörsaal I über „Vergewaltigungen als Kriegswaffe und Modelle für die Fürsorge“. Wegen der großen Nachfrage wurde die Rede zudem live in den Hörsaal X übertragen.

Als das Publikum Prof. Dr. Denis Mukwege erspähte, brach tosender Applaus aus! Das Interesse an der Veranstaltung am Dienstagabend und der Arbeit des Gynäkologen und Nobelpreisträgers war riesig: Studierende wie Hochschullehrende drängten in Scharen in den Hörsaal I – innerhalb weniger Minuten war jeder Platz besetzt, viele Interessierte mussten auf den Hörsaal X ausweichen, in dem eine Live-Übertragung stattfand.

Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch begrüßte den Gast aus dem Kongo und war sichtlich bewegt: „Es ist uns eine große, große Ehre, Sie heute hier bei uns zu haben, Herr Professor Dr. Mukwege.“ Hoch sei fassungslos ob der Grausamkeit, mit der viele Mädchen und Frauen im Kongo vergewaltigt werden. „Doch gleichzeitig hat man für diese Frauen Hoffnung – wegen Menschen wie Denis Mukwege!“
Mukwege referierte an diesem Abend über den Einsatz von gezielten Vergewaltigungen als Kriegswaffe und präsentierte schockierende Fakten: 50.000 Patientinnen haben Mukwege und sein Team bisher behandelt, etwa 20 Patientinnen pro Tag. Das jüngste Opfer war ein sechs Monate altes Baby, das älteste um die 80 Jahre alt. Oft handelt es sich um besonders brutale Gruppenvergewaltigungen und Genitalverstümmelungen, mit denen die Täter erreichen wollen, das soziale Gefüge in Familien und in den Communities, in denen die Frauen leben, zu zerstören. Zu oft mit grausamem Erfolg: Die Frauen schämen sich und sind stigmatisiert. Körperliche Folgen wie Infektionen oder Unfruchtbarkeit paaren sich mit enormen seelischen Traumata.

Im Panzi-Krankenhaus in Bukavu, in der Demokratischen Republik Kongo, behandelt Denis Mukwege als Gründer und leitender Chirurg seit 1999 Überlebende sexueller Gewalt. Das Krankenhaus verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz und hat, neben der medizinischen Versorgung, auch die psychologische Behandlung im Blick. Verschiedene Therapieansätze aus der Musik-, Kunst- und Verhaltenstherapie helfen den Frauen, einen Weg zurück in ihre Community zu finden. Das oberste Ziel ist es, so Mukwege, dass die Frauen nach einer Vergewaltigung ihr Selbstwertgefühl wiedererlangen. Dies geschehe oft am besten dadurch, sich nützlich zu fühlen und sich in die Gesellschaft einbringen zu können.

Auch juristischen Beistand bietet das Team um Mukwege an. Zu oft kämen Täter ungestraft davon, weil die Frauen zu viel Angst haben, ihre Peiniger anzuzeigen. Jeder richterliche Schuldspruch stellt deshalb für Denis Mukwege und sein Team einen kleinen Sieg dar: „Es ist so wichtig, dass die Frauen hören, dass es nicht ihre Schuld ist, was mit ihnen passiert ist. Das zu hören, macht sie stolz!“ Bei derzeit 600 offenen Verfahren weiß Mukwege aber auch: „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns.“
 

Wie schafft Denis Mukwege es bei all der Gewalt und Grausamkeit, mit der er täglich konfrontiert wird, die Hoffnung nicht zu verlieren? Diese Frage kam schließlich aus dem Publikum: „Die Kraft dafür kommt von den Frauen, denen ich helfe“, sagte Denis Mukwege, der durch sein Wirken immer wieder selbst bedroht wird. Im Jahr 2012 entkam er nur knapp einem Mordanschlag.
Studentin Julia hat mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen die Veranstaltung besucht. Im Anschluss daran war sie begeistert und geschockt zugleich: „Die sehr plastische Beschreibung dessen, was täglich im Kongo passiert, hat mich wirklich fassungslos gemacht. Ganz ohne Pathos kann ich sagen, dass der Mann ist für mich ein Held und ein großes Vorbild ist!“

Der Besuch des Friedensnobelpreisträgers an der Universität Bonn war nicht zuletzt zustande gekommen durch die ehemalige Bonner Biochemieprofessorin Dr. Brigitte Schmitz. Seit 2015 arbeitet sie an der medizinischen Fakultät der Universität Evangelique en Afrique (UEA) in Bukavu; hierzu zählt auch das von Denis Mukwege begründete Panzihospital. Mit ihren Bonner Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fakultäten möchte Schmitz nun mögliche Forschungskooperationen mit dem Centre d´Excellence Denis Mukwege, mit dem Panzi-Hospital und mit der UEA ausloten.

 

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