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Datum: 05.06.2013

Curtius-Preise an Ulrich Raulff und Adam Soboczynski Preisverleihung findet im Oktober 2013 in Bonn statt

Die Jury des Ernst-Robert-Curtius-Preises, der von der Universitätsgesellschaft Bonn getragen, finanziert und verliehen wird, hat jetzt über die Preisträger 2013 entschieden. Den mit 8.000 Euro dotierten Hauptpreis erhält der Historiker und Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Raulff, seit November 2004 Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Mit dem Förderpreis in Höhe von 4.000 Euro wird Adam Soboczynski, Redakteur beim Feuilleton der "Zeit", ausgezeichnet. Die Preise werden in der zweiten Hälfte des Oktober 2013 in Bonn verliehen.

Der Ernst-Robert-Curtius-Preis wurde 1984 von dem geschäftsführenden Gesellschafter der Universitätsbuchhandlung Bouvier, Thomas Grundmann, gestiftet. Seit einigen Jahren wird der Preis von der Universitätsgesellschaft Bonn getragen, finanziert und verliehen. Die Mitglieder der Jury sind: Prof. Dr. Marion Gymnich, Prof. Dr. Wolfgang Bergsdorf, Dr. Hans Daniels, Prof. Dr. Wolf-Dieter Lange, Prof. Dr. Christian Moser, Martin Schumacher, Dr. Hajo Steinert und Thomas Grundmann.

Thomas Grundmann erläuterte heute die Entscheidung der Jury:

Hauptpreisträger Prof. Dr. Ulrich Raulff

Grundmann: "Der Historiker und Kulturwissenschaftler Ulrich Raulff, seit November 2004 Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach, hat nicht nur mit Übersetzungen (u.a. von Gilles Deleuze, Michel Foucault und Jean Starobinski) seine profunde Vertrautheit mit der französischen und allgemein europäischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts unter Beweis gestellt, sondern vor allen Dingen auch mit seiner Studie zu Marc Bloch, der gemeinsam mit Lucien Febvre 1929 die Annales d’histoire économique et sociale begründete und damit einen Paradigmenwechsel in der Geschichtswissenschaft in Richtung auf eine Struktur- und Mentalitätsgeschichte bewirkte. Diesem theoretischen Ansatz sind im Besonderen seine Essays zu Aby Warburg, dem großen Vorbild für Ernst Robert Curtius, verpflichtet (z.B. das Nachwort zu A. Warburg, Schlangenritual: ein Reisebericht, Berlin 1988 und U. R., Wilde Energien. Vier Versuche zu Aby Warburg, Göttingen 2003).

In herausragender Weise gilt dies auch für sein fulminant geschriebenes Buch Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben, München 2009, das spannend, kurios, exzentrisch, schräg, zugleich akribisch recherchiert, die Geschichte eines einzigartigen Kreises voll illustrer Charaktere erzählt, eines Kreises, der sich ideologisch und persönlich immer weiter diversifiziert, der Allianzen bildet und Feindschaften pflegt, um Deutungshoheit und Treue ringt und dabei von 1933 bis 1968 nebenher eine außergewöhnliche Wirkungsgeschichte bis hin zu seinem allmählichen Untergang entfaltet. Eine abgründige kulturell-politische Ideengeschichte, ein Lesevergnügen der exquisiten Art.

Grundsätzlich gilt für Raulffs Studien, Essays und journalistische Beiträge der übergreifende Bezug auf eine genuin europäische Perspektive, in deren Zusammenhang er auch einem größeren Publikum komplexe sozio-kulturelle und politisch-historische Zusammenhänge mit hoher stilistischer Präzision nahebringt."

Förderpreisträger Adam Soboczynski

Grundmann: "Adam Soboczynski, Redakteur beim Feuilleton der "Zeit", erhält den Preis für seine stilistisch leichthändigen und treffenden Beobachtungen des großstädtischen Gegenwartslebens, die er in Reisereportagen, Feuilletons und essayistischen Monographien artikuliert. An die Klugheitslehren der europäischen Moralistik anknüpfend, verknüpft er analytische Schärfe und feinsinnigen Humor in einer essayistischen Schreibweise, die zugleich aufzuklären und auf hohem Niveau zu unterhalten vermag."

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