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Datum: 27.05.2016

Zwei neue Sonderforschungsbereiche an der Universität Bonn Deutsche Forschungsgemeinschaft beschließt Förderung für Bonner Sonderforschungsbereiche (SFB) und eine SFB- Beteiligung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ab Juli 2016 zwei neue Sonderforschungsbereiche an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn. Die Vorhaben „Macht und Herrschaft“ (SFB 1167) und „OSCAR- Open System Control of Atomic and Photonic Matter“ (SFB TR 185, in Kooperation mit der TU Kaiserslautern) erhielten jetzt „Grünes Licht“ vom zuständigen Bewilligungsausschuss. Sprecher sind der Historiker Prof. Dr. Matthias Becher und der Physiker Prof. Dr. Dieter Meschede. Diesen beiden neuen Sonderforschungsbereichen werden in den nächsten vier Jahren rund 19 Millionen Euro bereitgestellt. Fortgesetzt wird darüber hinaus die Förderung des vor vier Jahren mit chinesischen Partnern unter Bonner Federführung errichteten, transregionalen Sonderforschungsbereichs TR 110 zu offenen Fragen des Standardmodells. An dem neuen, unter Kölner Federführung errichteten Sonderforschungsbereich "Evolution der Erde und des Lebens unter extremer Trockenheit“ (SFB 1211) sind Bonner Forscher beteiligt.

Rektor Prof. Dr. Michael Hoch freut sich außerordentlich über die guten Nachrichten aus der DFG-Geschäftsstelle in der Bonner Kennedyallee. „Ich gratuliere den Sprechern und ihren Mitstreitern sehr herzlich zu ihrem Erfolg. Vor allem für unsere Geisteswissenschaften ist ein großer Triumpf, einen Sonderforschungsbereich eingeworben zu haben. Nur etwa jeder zehnte Sonderforschungsbereich ist in den Geisteswissenschaften zu Hause. Darauf kann die Philosophische Fakultät mit Recht stolz sein!“

Macht und Herrschaft

Der Sonderforschungsbereich „Macht und Herrschaft – Vormoderne Konfigurationen in transkultureller Perspektive“ hat sich zum Ziel gesetzt, einen Beitrag zum besseren Verständnis der vielen verschiedenen Ausprägungen von Macht und Herrschaft in Asien, Europa und dem nördlichen Afrika zu leisten. Im Fokus steht dabei die ‚Vormoderne‘, also die Zeit vor 1800. Damals haben sich politische Organisationsformen ausgebildet, die trotz aller wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und technischen Neuerungen der Moderne bis heute weiterwirken. Der SFB untersucht dabei vier Spannungsfelder, die es erlauben, Phänomene von Macht und Herrschaft aus vielen Perspektiven in den Blick zu nehmen: Konflikt und Konsens, Personalität und Transpersonalität, Zentrum und Peripherie, Kritik und Idealisierung. Die große Fächervielfalt des Wissenschaftsstandorts Bonn bietet dafür hervorragende Bedingungen. Sieben Institute der Philosophischen Fakultät sind daran beteiligt. Fakultät und Universitätsleitung erhoffen sich durch das Vorhaben auch eine Stärkung der „kleinen Fächer“.

OSCAR

Der transregionale Sonderforschungsbereich „OSCAR - Open System Control of Atomic and Photonic Matter“ wird in einer ausgewogenen Zusammenarbeit experimenteller und theoretischer Quanten-Physiker grundlagenorientierte Forschung betreiben. Mit dem gemeinsamen Projekt der TU Kaiserslautern und der Universität Bonn sollen sogenannte offene Quantensysteme untersucht und kontrolliert werden, um sie zu einem grundlegenden Element der Technologie und der Kontrolle von Vielteilchensystemen zu entwickeln. Ziel ist es, durch Kopplung von Quantensystemen an maßgeschneiderte Umgebungen neuartige Zustände der Materie zu erzeugen. Die Forscherteams wollen darüber hinaus unter Ausnutzung beispielsweise topologischer Eigenschaften neue Mechanismen verwenden, um Quantenphänomene robust gegen äußere Störungen zu machen. Dies wird perspektivisch neue technologische Anwendungen und Gerätefunktionalitäten ermöglichen. Die in OSCAR untersuchten Systeme sind natürliche und künstliche Atome, ultra-kalte Quantengase und Photonen. Der Sonderforschungsbereich wird in der ersten vierjährigen Förderphase von der Universität Bonn aus koordiniert. Der Schwerpunkt Quantenoptik und Photonik erfährt damit eine willkommene Verstärkung, die die Bonner Physik auch für die Teilnahme an den gerade ins Leben gerufenen Initiativen zur Quantentechnologie auf nationaler und europäischer Ebene stärkt.

Quantenchromodynamik

Auch der transregionale Sonderforschungsbereich “Symmetries and the Emergence of Structure in QCD” (SFB TR 110) war unter Federführung der Universität Bonn mit dem Antrag auf Fortsetzung der Förderung erfolgreich. Weitere vier Jahre arbeiten Forscher der Universität Bonn, der Technischen Universität München, der Ruhr-Universität Bochum und des Forschungszentrums Jülich und dreier Forschungseinrichtungen aus China gemeinsam an „den noch offenen Enden des sogenannten Standardmodells“, sagt der Sprecher des SFB TR 110, Professor Dr. Ulf-G. Meißner vom Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn. „Wir freuen uns sehr, dass wir daran weiter arbeiten können: Es ist immer noch ein Mysterium, wie die stark wechselwirkenden Teilchen und Atomkerne sich aus Quarks und Gluonen bilden, also wie die verschiedenen Formen der stark wechselwirkenden Materie entstehen.“ Der internationale Forscherverbund will die Strukturbildung in der Quantenchromodynamik (QCD) besser verstehen. Ihre Arbeit ist eng verknüpft mit Experimenten an Teilchenbeschleunigern in China und in Deutschland. Der SFB/TR 110 wird von der DFG und der NSFC (National Natural Science Foundation of China) kofinanziert.

Evolution der Erde

Schließlich ist die Universität Bonn am neu eingerichteten Sonderforschungsbereich "Evolution der Erde und des Lebens unter extremer Trockenheit" (SFB 1211) beteiligt: Das Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) aus der Landwirtschaftlichen Fakultät ist ebenso beteiligt wie das Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen aus der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. Die Universität Bonn bildet in diesem neuen, von der Universität zu Köln geführten Forschungsverbund die bodenkundlichen und die botanischen Aspekte ab und stellt mit Professorin Dr. Claudia Knief (INRES) die Sprecherin des Biologischen Clusters im SFB.

"In seiner Konzeption bietet das Forschungsvorhaben eine weltweit einmalige Gelegenheit, die Besiedlungsgeschichte sowie den Genfluss in einem der extremesten terrestrischen Habitate, der Atacama-Wüste (Chile/Peru), durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen zu untersuchen. Wir freuen uns sehr darauf und danken dem Sprecher, Prof. Dr. Tibor Dunai, für sein unermüdliches Engagement", erklärt der Direktor des Nees-Instituts für Biodiversität, Prof. Dr. Dietmar Quandt.

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