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Datum: 12.04.2011

Ein Blick auf fast 200 Jahre Studieren in Bonn Ringvorlesung: „Bonna Perl am grünen Rheine“

Als sechste preußische Universität wurde die Hochschule in Bonn 1818 von König Friedrich Wilhelm III. gegründet. Eine Ringvorlesung gibt im Sommersemester 2011 einen Überblick über die fast 200-jährige Universitätsgeschichte. Erstmals geht es dabei ausschließlich um Studierende und deren Lebensbedingungen. Ziel ist es, das studentische Lebensgefühl und den unterschiedlichen Charakter des Studium in Bonn in verschiedenen Epochen darzustellen. Ohne nach Fächern und Fakultäten zu trennen, stehen besondere Ereignisse und Verhältnisse, die das Studium an der Universität Bonn geprägt haben, im Fokus. Die Vorlesungsreihe mit dem Titel „Bonna Perl am grünen Rheine“ findet ab dem 18. April jeweils montags um 20 Uhr c.t. im Hörsaal VII im Hauptgebäude der Universität statt.

Bereits kurz nach der Gründung der Universität Bonn wurden die Karlsbader Beschlüsse gefasst. Prominente Universitätslehrer erhielten ein Lehrverbot. Zudem verbot der Staat jegliche Form von Studentenverbindung, was aber Corps und Burschenschaften nicht daran hinderte, sich heimlich zu treffen. Trotz der Schikanen und Verfolgungen blühte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bonner Universität trotz weiterer politischer Streitigkeiten auf. Dies lag nicht zuletzt daran, dass das preußische Königshaus seine Söhne zum Studium an den Rhein schickte und so auch viele andere adelige Studenten nach Bonn zog.

Im Wintersemester 1896/97 studierten erstmals 16 Frauen als Gasthörerinnen an der Universität Bonn. Als „normale“ Studierende durften sich Frauen erst ab 1908 einschreiben. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs wuchs die Universität weiter. Insbesondere für die Studierenden wurde nach Kriegsbeginn die Situation jedoch zunehmend schwierig. Finanzielle Nöte und Mangel an Wohnungen prägten ihren Alltag. 1920 gründeten Kriegsheimkehrer den Verein „Studentenwohl“, aus dem das heutige Studentenwerk hervorging.

Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebte die Universität ein weiteres Zwischenhoch. 1930 führte die Universität die studentische Mitbestimmung ein. Während der nationalsozialistischen Herrschaft blutete die Hochschule jedoch stark aus. Die „Gleichschaltung“ traf die Lehre schwer, die neuen Machthaber drängten unliebsame Dozenten aus dem Amt und die Wehrmacht zog viele Studierende zum Kriegsdienst ein. Am 126. Gründungstag der Universität, dem 18. Oktober 1944, legte ein Bombenangriff die Universität und weite Teile des Bonner Zentrums in Trümmer.

Vom Neuaufbau zum Bologna Prozess

Bereits 1945 wurde die Universität wieder eröffnet. Das studentische Leben war vielfach geprägt vom Wiederaufbau der Universität. Beispielsweise arbeiteten Studenten in Aufbautrupps, bevor sie studieren durften. Allerdings kehrten auch die Probleme der Wohnungsnot und des Nahrungsmangels wieder. Vielen Studierenden fiel es schwer, Wohnraum zu finden, die Miete eines Zimmers war oft verbunden mit der Beschaffung von Heiz- und Nahrungsmitteln. In Poppelsdorf bezogen Studenten einen Hochbunker. Im Sommer fanden auf dem Bunker Tanzveranstaltungen statt, die Freude und Abwechslung in den studentischen Alltag brachten.

Im Zuge der Studentenrevolte 1968 kam es auch an der Universität Bonn zu Massenversammlungen. Die größten Demonstrationen erlebte die Universität am Anfang der 1980er Jahre. Nach den Protesten gegen den NATO-Doppelbeschluss und für den Frieden mit bis zu 250.000 Teilnehmern wurde die Hofgartenwiese für Großveranstaltungen gesperrt. Die Einführung der Studienbeiträge und die Umstellung auf das Bachelor/Master-System führten 2008 und 2009 zu neuen Studentenprotesten.

Der Titel der Ringvorlesung „Bonna Perl am grünen Rheine“ stammt übrigens aus einem alten Bonner Studentenlied.

Kontakt:
Dr. Thomas Becker
Leiter des Universitätsarchivs
Telefon: 0228/73 5056
E-Mail: archiv@uni-bonn.de

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