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SFB 704

Sonderforschungsbereich 704:
"Molekulare Mechanismen und chemische Modulation der lokalen Immunregulation"
 

Projektsprecher

Professor Dr. Waldemar Kolanus
LIMES-Institut der Universität Bonn
Carl-Troll-Str. 31, 53115 Bonn
Tel.: +49 (0)2 28 / 73 6 27 90
Fax: +49 (0)2 28 / 73 6 26 47
E-Mail: wkolanus@uni-bonn.de
 
Allgemeine Zusammenfassung der Aufgaben und Ziele

Wer ein Messer in die Hand nimmt, muss wissen, wie man es benutzt: Er muss wissen, dass er es nicht an der Klinge anfassen darf, wenn er sich nicht böse weh tun will. Genau so ist es auch mit dem Immunsystem des menschlichen Körpers. Es kann eine höchst wirksame Waffe sein und den Körper gegen alle möglichen Krankheitserreger verteidigen. Und es kann sich gegen ihn richten: Dann kann das Dasein sehr, sehr unangenehm werden und büßt im Extremfall alle Lebensqualität ein. Zehn Institute der Universität Bonn arbeiten gemeinsam an der Erforschung dieses Problems; mit im Boot sind auch je ein Institut der Universitäten Düsseldorf und Köln. Sprecher des Sonderforschungsbereiches ist Professor Waldemar Kolanus, Direktor des Bereichs Immun- und Zellbiologie des neuen LIMES (Life and Medical Science) Instituts an der Universität Bonn. Rund 6,9 Millionen Euro stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Experten in der Zeit von 2006 bis 2009 für ihre Arbeiten zur Verfügung.
   
"Uns geht es darum, zu erkennen, wie der Körper die Reaktionen seines Immunsystems regelt und wie er auf diese Weise die körpereigenen Strukturen schützt", erklärt Kolanus. Besonders im Zentrum steht dabei die "Lernfähigkeit" der Selbstverteidigungskräfte des Körpers. Krankheitserreger ändern nämlich immer mal wieder ihre äußere Erscheinung, um von den Abwehrkräften des Menschen selbst dann nicht erkannt zu werden, wenn er ihnen schon begegnet ist und daher eigentlich wissen müsste, wie er sich gegen sie verteidigt. Sehr wichtig für die Arbeit des Immunsystems ist es deshalb, dass es unerwünschte Eindringlinge auch dann erkennt, wenn die sich seit dem letzten Mal ein neues Gesicht verpasst haben. Eine besondere Rolle dabei spielen die "dendritischen Zellen": kugelförmige Zellen mit feinen Ausläufern. Weil diese Ausläufer unter dem Mikroskop fast wie kleine Äste und Zweige aussehen, haben sie den Zellen ihren Namen verliehen - nach dem griechischen Wort "dendros" für Baum. Wie mit winzigen Beinchen bewegen sich die dendritischen Zellen mittels dieser Verzweigungen gezielt fort: Wenn Krankheitserreger eindringen, schütten die Lymphknoten des Körpers nämlich biochemische Lockstoffe aus. Nehmen sie diese Lockstoffe wahr, machen sich die dendritischen Zellen sofort auf den Weg in Richtung Lymphknoten. Dort stülpen sie sich um die Erreger herum, schließen sie in sich ein und zerlegen sie in ihre Bestandteile. Diese Bestandteile spucken sie dann wieder aus: als eine Art Hinweis für das Immunsystem, mit was für einer Sorte Übeltätern es "wirklich" zu tun hat, unabhängig von der "Tarnkappe", die sie sich vielleicht nach aufgesetzt haben. Es kann dann die passenden Antikörper produzieren (sie docken an der Oberfläche der Erreger fest, so dass sie verklumpen und unschädlich werden), aber auch Killerzellen (die die Erreger angreifen und vernichten) und Helferzellen (die diese Vorgänge als "Kommandanten" steuern).
   
Die Bonner Forscher und ihre Teamkollegen wollen nicht nur die Arbeit der dendritischen Zellen genauer untersuchen. Zudem interessieren sich die Wissenschaftler für die verschiedenen Funktionsweisen der "Körperpolizei" in den verschiedenen Organen und Körperteilen: Warum wird der Mensch zum Beispiel mit Entzündungen der Haut mühelos fertig, während er an einer Entzündung des Gehirns sterben kann? Ein Teil ihrer Arbeit ist auch die Frage, warum und wie der Körper sein internes Alarmsystem an- und abschaltet - warum das Immunsystem also zum Beispiel Krankheitserreger angreift, nicht aber die Bestandteile der menschlichen Nahrung. Die Experten wollen besser verstehen, was passiert, wenn das bisweilen dennoch schiefgeht und das Immunsystem aggressiv reagiert, ohne es zu sollen. Meistens äußert sich das nur in Allergien gegen die Inhaltsstoffe mancher Lebensmittel - ein Phänomen, das für die Betroffenen zwar sehr lästig ist, meist jedoch keine nachhaltigen Gesundheitsschäden verurusacht. Gelegentlich jedoch können Fehler im Immunsystem zu ernsthaften Erkrankungen ausarten: So basiert zum Beispiel die Multiple Sklerose wahrscheinlich auf einer solchen Fehlfunktion. 

 
Laufzeit
seit 2006


 


Homepage

http://www.sfb704.uni-bonn.de/
 

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