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Sie sind hier: Startseite Forschung Forschungsprofil Innovation und Technologie für eine nachhaltige Zukunft Gestatten Poornima Thapa, Doktorandin am ZEF

Frauen werden übersehen

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Poornima Thapa steht in einer Seitengasse in Bonn. Sie erforscht im indischen Jaipur, wie sich Probleme mit der Wasserversorgung in städtischen Slumsiedlungen auf die Lebensverhältnisse von Frauen auswirkt. „Bonn ist für Studenten aus dem Bereich der Entwicklungsforschung besonders attraktiv, da hier neben dem UN-Campus auch andere namhafte, internationale Nichtregierungsorganisationen sitzen.“

"In meiner Forschung konzentriere ich mich auf den Alltag von Frauen. Der wird im Entwicklungsdiskurs oft übersehen oder vernachlässigt."

8_8_2.jpgPoornima Thapa ist heute Doktorandin am Zentrum für Entwicklungsfoschung (ZEF) der Universität Bonn. Die gebürtige Inderin studierte zunächst Zahnmedizin in Agra im Norden Indiens. Als Ärztin in einem Bezirkskrankenhaus fing sie an, sich mit Fragen der öffentlichen Gesundheit und der damit zusammenhängenden Politik auseinanderzusetzen: "Ich erfuhr aus erster Hand, wie eng schlechte Gesundheit und sozioökonomische Verhältnisse in Zusammenhang stehen. Immer nur die gleichen Symptome zu behandeln, schien mir zunehmend ineffizient zu sein." Darum entschied sich Poornima, noch einmal zu studieren und absolvierte ein Master-Studium in Public Health.

Inzwischen promoviert Poornima am ZEF im Bereich der Development Studies. Sie untersucht, wie Frauen im städtischen Indien ihre Schwangerschaft in einer Umgebung mit unsicherem Zugang zu Wasser und Sanitäreinrichtungen erleben: "Mir lag das Schicksal von Frauen in gefährdeten Bevölkerungsgruppen schon immer am Herzen."

Jeder sechste Inder lebt in einem Slum mit ungesicherter Wasserversorgung. Das ergab ein Zensus aus 2011. Vor allem Frauen sind davon betroffen, weil sie im Haushalt traditionell für die Wasserversorgung zuständig sind und ohne sanitäre Anlagen bei jedem Toilettengang gefährdet sind. "Jeden Tag müssen sie sichere Orte finden, an denen sie ihre Notdurft würdevoll und sicher verrichten können. Dabei erfahren sie nicht selten sexuelle Belästigung oder sogar Gewalt."

Fotogalerie

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Fotos von Poornima während ihrer Forschungsreise in städtische Slums im Wüstenstaat Rajasthan im Nordwesten Indiens in den Jahren 2016 und 2017. (c) Poornima Thapa

"Ich möchte, dass meine Forschung die Organisationen aus dem Bereich der öffentlichen Gesundheit in Indien erreicht."

Inzwischen ist Poornima bereits im dritten Jahr ihrer Doktorarbeit. Derzeit wertet sie ihre Daten aus und schreibt ihre Dissertation. Ohne öffentliche Infrastruktur sind die Frauen dazu gezwungen, Verhandlungen zu führen, Vereinbarungen zu treffen und Allianzen zu schmieden, um Zugang zur Wasserversorgung für sich und ihre Familien zu erlangen. Auch das hat Einfluss auf die Schwangerschaften der Frauen, stellt Poornima in ihren Untersuchungen fest.

Mit ihren Forschungsergebnissen möchte Poornima auf genau das aufmerksam machen, was Millionen Frauen in indischen Slum-Siedlungen ohne Wasserversorgung in ihrer Schwangerschaft durch machen. "Mein Ziel ist es, der Politik und anderen Entscheidern die Missstände für Frauen aufzuzeigen, die direkt und indirekt mit Gesundheit und Wohlbefinden zusammenhängen."

Doktorandenprogramm am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF)

"Wir alle haben das Ziel, eine nachhaltige Zukunft mitzugestalten." Dr. Günther Manske, akademischer Koordinator. Erfahren Sie mehr über das Doktorandenprogramm.

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