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Pflegestärkungsgesetz II

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz im Zuge der Pflegereform 2016/17 wurde die größte und tiefgreifendste Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung seit ihrer Einführung realisiert. Mit der Umstellung auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff gibt es keine Pflegestufen mehr. An deren Stelle rückten die fünf Pflegegrade. Für die Einstufung ist jetzt nicht mehr der Grad der Hilfebedürftigkeit, sondern der Grad der individuellen Selbständigkeit entscheidend.

Das Begutachtungsassessment (NBA)

So nennt sich das neue System der Begutachtung. Es wird weiterhin bewertet, inwieweit die Pflegebedürftigen in der Lage sind, ihren Alltag selbst zu gestalten. Generell ist Selbstständigkeit das neue Kriterium bei der Einstufung in die Pflegegrade, und zwar nicht mehr nur auf körperlicher Ebene, sondern auch in Bezug auf die geistige Verfassung.

Was neu ist: Auf die bisherige Zeitmessung wird verzichtet, stattdessen treten neue Messmethoden an diese Stelle. Die minutengenaue Messung spielt im Neuen Begutachtungsassessment (NBA) nun keine Rolle mehr, sondern die Pflegebedürftigen werden ganzheitlich in Bezug auf ihre Selbstständigkeit bewertet. Dies geschieht mit Hilfe einer Punktevergabe. Auf einer Skala von 0 bis 100 wird dann eine Einteilung in eine der fünf Pflegegrade vorgenommen.

 

Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Hier sehen Sie, wie die derzeitigen Pflegestufen seit 2017 in Pflegegrade umgewandelt wurden:

Pflegestufe Pflegegrad
0 2
1 2
1 + eingeschränkte Alltagskompetenz 3
2 3
2 + eingeschränkte Alltagskompetenz 4
3 4
3 + eingeschränkte Alltagskompetenz 5
Härtefall 5

 *Bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (z. B. bei      demenziellen Erkrankungen) wird automatisch „plus 2“ gerechnet.

Welche Voraussetzungen gelten für die Pflegegrade?

Natürlich gibt es weiterhin bestimmte Voraussetzungen, die je nach Pflegegrad erfüllt werden müssen. Doch diese richten sich nicht mehr nur nach dem Zeitaufwand für die Pflegemaßnahmen, sondern generell an der Selbstständigkeit der Betroffenen aus. 

 

Sechs Lebensbereiche (Module) werden betrachtet und gewichtet.

 

Modul 1: Mobilität

Hier geht es um die motorischen Fähigkeiten eines Menschens.

Die Bewertung erfolgt anhand einer vierstufigen Skala mit den Ausprägungen "selbstständig", "überwiegend selbstständig", "überwiegend unselbstständig" und "unselbstständig".

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Im Modul 2 geht es um grundlegende mentale Fähigkeiten. Unterschieden wird in: "Vorhanden/unbeeinträchtigt", "größtenteils vorhanden", "in geringem Maße vorhanden" und "nicht vorhanden". Das Gesamtergebnis spiegelt das Ausmaß der Beeinträchtigung wider.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Das Modul 3 betrachtet die Verhaltensweisen und psychischen Probleme als Folge von Gesundheitsproblemen, die immer wieder auftreten und personelle Hilfe erforderlich machen. Hier wird unterteilt in: "nie oder sehr selten", "selten, ein bis dreimal innerhalb von zwei Wochen", "häufig, zweimal bis mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich" und "täglich".

Modul 4: Selbstversorgung

Dieses Modul umfasst mit Ausnahme der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten alle Verrichtungsbereiche, die im heute gültigen Begutachtungsinstrument von Relevanz sind. Hierzu gehören das Waschen, das An- und Auskleiden, die Ernährung und das Ausscheiden. Hier unterscheidet man wieder in: "selbstständig", "überwiegend selbstständig", "überwiegend unselbstständig" und "unselbstständig".

Modul 5: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Der Gutachter bewertet, wie selbstständig jemand mit Therapien und anderen  krankheitsbedingten Anforderungen umgehen kann. Für die Berechnung gehen die einzelnen Maßnahmen mit unterschiedlicher Gewichtung in das Gesamtergebnis ein.

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Hier bilden sich Bereiche des Alltags ab, die nach dem bisherigen Pflegebedürftigkeitsbegriff zum größten Teil nicht berücksichtigt wurden. Der Gutachter stellt fest, ob der pflegebedürftige Mensch individuell und bewusst seinen Tagesablauf gestalten kann und ob er in der Lage ist, mit Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld Kontakt aufzunehmen. Wie in den Modulen 1 und 4 erfolgt eine Bewertung in: "sebstständig", "überwiegend selbstständig", überwiegend unselbstständig" und "unselbstständig". 

 

Das Gesamtergebnis aus diesen 6 Modulen ergibt dann die Einstufung in die Pflegegrade:

PG 1 - geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit     Punkte : 12,5 -27

PG 2 - erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit  Punkte : 27 - 67,5

PG 3 - schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit     Punkte : 67,5 - 70

PG 4 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit   Punkte : 70 - 90

PG 5 - schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit     besonderen Anforderungen  an die pflegerische Versorgung.     Punkte : 90 - 100

 

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege haben sich folgende Änderungen ergeben:

  • Die Hälfte des Pflegegeldes wird während einer Kurzzeitpflege nach § 42   SGB XI für bis zu acht Wochen je Kalenderjahr gewährt.
  • Während der Verhinderungspflege nach § 39 SGB XI wird die Hälfte des Pflegegeldes  für bis zu sechs Wochen je Kalenderjahr gewährt.


Tagespflege

Die Leistungen der Tagespflege werden sich weiterhin an denen der ambulanten Sachleistungen orientieren. Wenn beispielsweise  ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 ambulante Sachleistungen für 689,00 Euro erhält, so bekommt er ab 2017 den gleichen Betrag nochmals für die Tagespflege.

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