Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sections
Sie sind hier: Startseite Die Universität Publikationen forsch Archiv forsch 1 April 2001 Lehramt

Lehramt

Bonn bleibt bei der Lehrerausbildung am BALL

 

Ich bin froh, Ihnen heute mitteilen zu können, daß unsere intensiven Bemühungen der letzten Wochen und Monate nun doch noch zu einem guten Ende geführt werden konnten”, berichtete der Rektor gutgelaunt nach einem Gespräch mit Vertretern des Düsseldorfer Wissenschaftsministeriums. Der Universität Bonn werde eine Erprobungsklausel eingeräumt, die es ihr ermögliche, innerhalb eines Jahres auf der Grundlage ihrer bisherigen Bemühungen ein innovatives Konzept einer konsekutiven, d.h. auf einem Bachelor- und Masterstudiengang basierenden Lehrerausbildung zu entwerfen.
Mit Blick auf die zahlreichen Proteste und unterstützenden Stellungnahmen dankte Professor Borchard neben den Politikern der Region und den Bonner Studierenden auch den Schulen und Schulpflegschaften der Stadt Bonn.

In dem Bericht des Expertenrats wurde die Qualität der Lehrerausbildung in Bonn stark kritisiert. Während die fachliche Qualifizierung der Lehramtskandidaten durchweg als sehr gut bezeichnet wurde, bemängelte der Expertenrat Schwächen in der Fachdidaktik. Diese hatte auch die Universität eingeräumt, aber gleichzeitig auf Ansätze zur Behebung dieses Defizits hingewiesen. Diese bestünden laut Meinung des Expertenrats nur „auf dem Papier”. Dabei war im vergangenen Herbst das Bonner Ausbildungszentrum für Lehrerinnen und Lehrer (BALL) gegründet worden, das die Fachdidaktikausbildung stärken und zu einer engeren Vernetzung der Lehrerausbildung in den einzelnen Fächern führen soll. Erstmals wurde im Dezember letzten Jahres ein Tag der Fachdidaktik veranstaltet.

Das positive Signal aus Düsseldorf wertet der Rektor nun als Bestätigung der auch vom Expertenrat betonten hohen fachwissenschaftlichen Qualität der Bonner Lehrerausbildung und gleichzeitig auch der Anstrengungen, mit dem BALL innovative Strukturen der Lehrerausbildung zu schaffen. Im übrigen sei das Konzept des BALL auch von Vertretern des Ministeriums als zukunftsweisend anerkannt worden.

Zugleich räumte Rektor Borchard die Notwendigkeit ein, insbesondere die Stellenausstattung der Fachdidaktiken zu verbessern. Die Erprobungsklausel sei daher auch Auftrag, die bisherigen Anstrengungen zur Stärkung der Fachdidaktik und Erziehungswissenschaften fortzusetzen. „Trotz der erheblichen Einschnitte, die der Qualitätspakt mit sich gebracht hat (in Bonn werden insgesamt 158 Stellen gestrichen), werden wir in den nächsten Jahren weitere Stellen für die Fachdidaktik umwidmen – vorausgesetzt die noch zu definierenden Vorgaben des Ministeriums hinsichtlich des neuen Bachelor- und Masterstudiengangs übersteigen nicht den Rahmen unserer Möglichkeiten”, kündigte Borchard an. Das Ministerium will in Kürze die Rahmenbedingungen für die neue Form der Lehrerausbildung vorlegen. Unklar ist auch noch, was mit den umgewidmeten Stellen geschähe, wenn das Ministerium nach Jahresfrist mit dem entwickelten Konzept unzufrieden sein und doch für die Einstellung der Bonner Lehrerausbildung votieren sollte.

Die Reformpläne sehen vor, daß Lehrer künftig aufeinanderfolgend zunächst den Bachelor und dann den Master-Abschluß ansteuern. Dabei soll eine sechssemestrige Bachelor-Phase der fachlichen Qualifikation der Studierenden dienen. Die lehrerspezifischen Inhalte sollen dann aufbauend im Master-Abschnitt vermittelt werden. Die bisherige Form der Lehrerausbildung wird es dann nach einer Übergangszeit nicht mehr geben, ließ der Rektor nach dem Gespräch mit der Düsseldorfer Delegation wissen. Im Rahmen der landesweiten Reform der Lehrerausbildung sei die Erprobungsklausel auch eine Chance: Professor Borchard: „Angesichts der gegenwärtigen öffentlichen Diskussion um Lehrermangel und Lehrerausbildung haben wir hier in Bonn die Möglichkeit, mit einem fundierten und innovativen Konzept an die Spitze der nordrhein-westfälischen (und deutschen) Lehrerausbildungsstätten zu treten.”

Außerdem ging es in dem sogenannten Perspektivgespräch mit dem Ministerium um die Frage regionaler Kooperation, insbesondere mit der Universität zu Köln. Vor allem im Bereich der kleinen Fächer sieht die Universitätsleitung eine gute Möglichkeit, gemeinsam ein breites Angebotsspektrum zu sichern. Ein Kooperation wird auch bei der Finanzierung von Großgeräten angestrebt, wie sie etwa mit der Stiftung CAESAR seit längerem praktiziert wird. Die Ministerialdelegation informierte die Uni-Leitung außerdem, daß die Fragen, die die Lehrerausbildung im Bereich Theologie betreffen, zunächst aus den Gesprächen des Landes mit den Universitäten ausgeklammert würden. Aus staatskirchenrechtlichen Gründen müssen diese nämlich mit den Spitzen der betroffenen Kirchen geklärt werden.

arc/forsch

Artikelaktionen