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Halbschmarotzer mit Hang zum Mystischen

Die Mistel ist Pflanze des Monats Dezember

Bei einem Spaziergang im Botanischen Garten am Poppelsdorfer Schloss kann man sie zu dieser Jahreszeit gut erkennen: Wie riesige grüne Vogelnester hängen Misteln in den winterlich kahlen Bäumen zum Beispiel auf den Linden entlang der Straße "Am Botanischen Garten". Grund genug für den Botanischen Garten, diesen weihnachtlichen Botschafter der Natur im Dezember zur Pflanze des Monats zu ernennen. An einigen Stellen können Besucher dort die Baumbewohner in Augenhöhe betrachten. Es gibt nähere Informationen zur Mistel, und in Führungen wird auf sie besonders hingewiesen.

Die Mistel ist ein "Halbschmarotzer", die den Bäumen Wasser entzieht. Ihr lateinischer Name Viscum album gibt Hinweise auf zwei Eigenschaften: Ihre Beeren sind weiß und extrem klebrig (viscosus). Sie werden durch Vögel (so die Mistel-Drossel) verbreitet, die sie von Baum zu Baum tragen. Auf einem Baum gekeimt, beschafft sich die Pflanze mit speziellen Saugwurzeln die lebensnotwendigen Nährsalze und Wasser. Für die Bäume kann sie damit zum Problem werden, jedoch weniger durch den Nährstoffentzug als durch ihr Gewicht, das ganze Äste abbrechen lassen kann. Als baumpflegerische Maßnahme wird der Mistel darum regelmäßig zu Leibe gerückt.

Die Mistel spielt in der Mythologie Europas seit Jahrtausenden eine Rolle. In der germanischen Götterwelt ist sie eher ein Symbol des Bösen. Bei den Druiden, den Priestern der Kelten, gilt sie als eine vom Himmel gefallene und daher göttliche Pflanze, die eine zentrale Rolle bei vielen Kulthandlungen wie dem Neujahrsritual spielte. Als Allheilmittel und Symbol für Fruchtbarkeit war sie bis ins Mittelalter hinein sehr beliebt, genauso wie in ihrer fernen Heimat Asien.

Bewunderer fand die Mistel in jüngerer Zeit unter den Anhängern des Jugendstils, die für ihre ornamentale Gestalt schwärmten. Besonders in England, dem früheren geistigen Zentrum der Kelten, hat sich einiges von den damaligen Ritualen erhalten und so wird die Mistel heute noch als Glücksbringer zu Neujahr ins Haus gehangen. Auch der allseits beliebte Brauch des Küssens unter einem Zweig stammt von alten Fruchtbarkeits- und Hochzeitsmythen ab. Die christliche Kirche hat es also trotz Jahrhunderte langer Verbannung nicht geschafft, die Kraft der heidnischen Pflanze zu brechen. Neben ihren mystischen Stärken wird die Mistel heutzutage auch erfolgreich in der Medizin zur Behandlung von hohem Blutdruck, bei Krebsleiden und in der Homöopathie eingesetzt. Die Botanischen Gärten Bonn haben im übrigen eine umfangreiche Sammlung von Parasiten und Halbparasiten. Sie erfordern ein hohes gärtnerisches Geschick. Als eine Besonderheit ist jetzt im Dezember im Schaukasten des Sukkulentenhauses die südafrikanische Zwergmistel (Viscum minimum) ausgestellt: Sie ist ein Vollparasit und lebt im Inneren einer kakteenähnlichen Wolfsmilch. Nur die leuchtend roten Beeren erscheinen an der Oberfläche der Pflanze.

Weitere Informationen:
Botanischer Garten der Universität
Meckenheimer Allee 171,
53115 Bonn
Telefon: 0228/73-5523
Internet: http://www.botanik.uni-bonn.de/botgart

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"Mistel"
Foto:Prof. Bathlott
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