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"Auch menschlich näher gekommen"

Teilnehmer der Kabul-Summerschool ziehen positives Resümee

Vier Wochen waren sie in Bonn und begegneten dabei auch der eigenen jüngeren Geschichte: Während der Sommerakademie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität besuchten die 15 Gäste aus Kabul auch den Petersberg, wo am 5. Dezember 2001 die Afghanistan-Vereinbarung der Vereinten Nationen unterzeichnet worden war. Nicht nur das umfangreiche fachliche Kursprogramm, das die Bonner Organisatoren vorbereitet hatten, war ein voller Erfolg. Das Fazit der Beteiligten: Auch menschlich sei man sich näher gekommen.

Dabei war der Start nicht ideal verlaufen: Als die Dozenten der Universität Kabul in Köln gelandet waren, vermissten sie ihr Gepäck. Das kam dann erst ein paar Flüge später, als die Gäste bereits in Bonn Quartier bezogen hatten. Und auch das gastronomische Angebot der Rheinstadt war für die Kabuler Gaumen zunächst gewöhnungsbedürftig: Die Pizza beim Begrüßungs-Essen traf nicht nur auf Gegenliebe - ganz im Gegensatz zum Döner, der in den Folgetagen den Geschmack der afghanischen Wissenschaftler wesentlich besser treffen sollte.

Die Bonner Meteorologen, Geographen, Geologen und Biologen hatten mit Unterstützung durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ein umfangreiches Kursprogramm vorbereitet, um den Dozenten - einer Frau und 14 Männern - neue Forschungsansätze und didaktische Methoden in ihren jeweiligen Fachgebieten nahezubringen. Nach 20 Kriegsjahren herrscht in Afghanistan in den Wissenschaften ein enormer Informationsrückstand; an der Universität Kabul mangelt es an den elementarsten Lehrmitteln: Bücher - wenn überhaupt verfügbar - stammen oft noch aus den 70er Jahren, moderne Apparaturen sind gar nicht vorhanden, meist fehlen sogar Tische und Stühle. "Auf großes Interesse stieß bei den Gästen, in welch kooperativer Form Wissensvermittlung an deutschen Universitäten abläuft", erklärt Irmela Plamann vom Dezernat für Internationale Angelegenheiten. Sicherlich könne man von einer vierwöchigen Sommerakademie keine Wunder erwarten. "Aber wir haben viele kleine Steine ins Rollen gebracht." Für die Zukunft will der DAAD die Entsendung von Dozenten für einen begrenzten Zeitraum nach Afghanistan fördern; zudem sind weitere Sommer- und Winterakademien angedacht.

Und auch persönlich sei man sich in den vier Wochen näher gekommen, erklärt Christian Schölzel, der die Gäste des Meteorologischen Instituts betreut hat. Das Programm umfasste absichtlich nicht nur rein fachliche Themen wie die Konzeption eines Botanischen Gartens oder Kalibrierung und computergesteuerte Datenaufzeichnung meteorologischer Messinstrumente. Die Veranstalter nutzten auch die Chance, ihren Gästen europäische Kultur nahezubringen - sei es durch den Besuch eines Schubert-Konzerts auf Schloss Birlinghoven und der Ausstellung "Griechische Klassik" in der Bonner Kunst- und Ausstellungshalle oder durch ein gemeinsames Berlin-Wochenende mit Stadtrundfahrt und geographischer Exkursion nach Kreuzberg.

Vor allem der Besuch des Petersbergs war für die Kabuler Dozenten ein sehr aufwühlendes Ereignis und Anlass für erregte Diskussionen. "Nicht jeder ist mit dem, was dort vereinbart wurde, hundertprozentig zufrieden", so Schölzel.

Außer in Bonn fanden in den letzten Wochen auch in Berlin, Bochum, Düsseldorf, Göttingen, Köln und Würzburg Sommerakademien statt; sämtliche Teilnehmer - knapp 60 Dozentinnen und Dozenten aus Afghanistan - treffen sich am Freitag, 27. September, zu einem Empfang des DAAD in Bonn. Abends verabschieden die Organisatoren der Universität Bonn ihre Gäste mit einer großen Abschlussfeier im Bonner Uni-Club, Konviktstraße 9. Hierzu sind - dank finanzieller Unterstützung des DAAD - auch die afghanischen Dozenten der anderen Sommerschulen eingeladen.

Zu der Veranstaltung, die um 19 Uhr beginnt, sind auch Journalisten herzlich willkommen.

Ansprechpartnerin:
Irmela Plamann
Dezernat für internationale Angelegenheiten, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-1969
E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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