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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2002 "Japan entdeckt Europa"

"Japan entdeckt Europa"

Ausstellung kehrt nach Bonn zurück

Die Thematik führt in jene Zeit, in der Deutschland und Japan große politische Umwälzungen erlebten: Im Jahre 1873 besuchte eine hochrangige Regierungsdelegation ("Iwakura-Mission") aus Japan das kurz zuvor geschaffene Deutsche Kaiserreich. Ziel der Reise dieser diplomatischen Mission war, von anderen Kulturen und Gesellschaften zu lernen. Professor Dr. Peter Pantzer vom Japanologischen Seminar der Universität Bonn entwarf eine Ausstellung, die diesen Besuch der Japaner in Deutschland dokumentiert. Premiere war 1999 in Bonn, nach nunmehr 15 Stationen kehrt die Schau zum Abschluss wieder nach Bonn zurück. Vom 30. September bis zum 18. Oktober ist die Präsentation in der Säulenhalle des Universitätshauptgebäudes zu sehen; montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 12.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung mit insgesamt 30 Schautafeln ist in drei Bereiche gegliedert: "Das erste Kennenlernen", "Die Iwakura-Mission in Deutschland" und "Japans Aufbruch in eine neue Zeit". Japan erlebte um die Mitte des 19. Jahrhunderts einen gewaltigen Sprung von einem mittelalterlichen Feudalstaat in eine moderne Industrienation, von einer selbst gewählten Isolation in eine aktive Außen- und Handelspolitik, die innerhalb weniger Jahrzehnte die Welt in Staunen versetzte.

Die aus fünf Regierungsmitgliedern bestehende diplomatische Mission unter dem "Staatskanzler zur Rechten" (Vizeministerpräsident Japans) Iwakura Tomomi (1825 - 1883) spielte bei diesen Aufbruch Japans in eine neue Zeit eine maßgebliche Rolle. Die Delegation hielt sich auf ihrer eineinhalb Jahre langen Reise um die Welt auch viele Wochen lang in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf, um hier politische Gespräche zu führen und westliche Einrichtungen kennen zu lernen.

Angesichts der Bedeutung dieser politischen Mission wurden die Erkenntnisse der Reise dokumentarisch festgehalten. Es war der bekannte, damals noch junge Historiker Kume Kunitake (1839 - 1931) im Stab des Botschafters auf dieser Reise, der als Chronist darüber ein eindruckvolles, fünfbändiges Werk verfasste. Dem deutschsprachigen Raum sind darin etwa 300 Seiten gewidmet und ergeben einen ganzen Band. Darin werden alle Erlebnisse und Erfahrungen, technische Errungenschaften und politische Verhältnisse, Stimmungen und Fakten detailreich und akribisch festgehalten – um als Anregung zu dienen, mit dem eigenen Land rasch den Weg zu einem modernen Staate zu beschreiten. Der Westen - Deutschland - findet sich in einem bisweilen liebenswürdigen, bisweilen höchst kritisch-strengen Spiegel wieder.

Für die moderne Geschichte Japans sind die Reformen und Weichenstellungen, die die „Iwakura-Mission“ nach der Rückkehr in ihre Heimat bewirkte, von größter Wichtigkeit. Die Ausstellung ordnet dieses diplomatische Unternehmen in den entsprechenden historischen Zusammenhang ein – illustriert an Hand von markanten Bilddokumenten aus der Zeit.

Parallel zu der Ausstellung hat Professor Pantzer alle Abschnitte des zum Verständnis des modernen Japan so wichtigen Werkes über Deutschland, Österreich und die Schweiz übersetzt und mit einem ausführlichen Kommentar versehen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt hat zweieinhalb Jahre gedauert und steht nunmehr nach seiner Veröffentlichung (Iudicium-Verlag, München) auch der deutschen Geschichtsforschung erstmals zur Verfügung. Besonderen Wert legte Professor Pantzer auf die historisch korrekte Einordnung der Beobachtungen und Urteile des japanischen Chronisten. Für den Deutschland-Teil leistete dabei Professor Dr. Ernst Opgenoorth, Professor für mittelalterliche und neuere Geschichte an der Universität Bonn, maßgebliche Hilfe.

Ansprechpartner: Professor Dr. Peter Pantzer Japanologisches Seminar der Universität Bonn Telefon: 0228/73-9535 E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

Abbildungen

Zum Download der Dateien in Originalauflösung bitte auf die entsprechende Miniaturansicht klicken! Der Abdruck der Abbildungen ist kostenlos; wir bitten Sie aber, den Bildautor zu nennen.

Fotos: Japanologisches Seminar, Uni Bonn

Die Delegation zu Beginn der Reise. Iwakura Tomomi in der Mitte sitzend.
Das Gemälde zeigt die Abreise der Delegation aus Japan.
Die original Chronik von Kume Kunitake.
Die Karikatur aus einer deutschen Zeitung zeigt den Besuch der Delegation bei Krupp.
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