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Migräne mit Aura: Uni sucht Probanden

Mediziner sind den genetischen Ursachen auf der Spur

Unerträglicher Kopfschmerz, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit: Bis zu zehn Millionen Deutsche leiden nach Schätzungen unter Migräne. Bei manchen von ihnen kündigt sich die Kopfschmerzattacke mit charakteristischen Sehstörungen oder Taubheitsgefühlen an – der "Aura". Welche Gene bei der Entstehung einer Migräne mit Aura eine Rolle spielen, untersuchen jetzt Wissenschaftler der Universität Bonn und der Schmerzklinik Kiel. Dazu suchen sie Familien, in denen mindestens zwei Geschwister unter Migräne mit Aura leiden.

Sie sah Lichtpunkte, die von einem schimmernden Randsaum umgeben waren und die sie als Sterne oder flammende Augen beschrieb, und hielt sie für göttliche Zeichen: Ihre "Visionen" machten Hildegard von Bingen (1098-1179) bis in die heutige Zeit berühmt. Mediziner deuten ihre detailreichen Schilderungen heute als Symptome einer "Migräne mit Aura". Wie Aurora, die griechische Göttin der Morgenröte, den Tag ankündigt, leiten bei 10 bis 20 Prozent aller Betroffenen neurologische Symptome die Migräneattacke ein: einseitige Sehstörungen – Farbsäume, gezackte Blitze oder weiße "Löcher" –, Taubheit oder Kribbeln in den Armen oder Beinen, manchmal begleitet von Sprachstörungen. Die Aura-Symptome klingen in der Regel innerhalb von 60 Minuten vollständig wieder ab, in der Stunde danach setzt dann typischerweise der fast unerträgliche einseitige Kopfschmerz ein, der vielen Betroffenen das Leben zur Hölle macht.

Migräne ist keine Zivilisationskrankheit: Schon die Alten Griechen beschrieben die Symptome; sie kommt wahrscheinlich in allen Kulturkreisen in ähnlicher Häufigkeit vor. Über die genauen Ursachen herrscht aber bis heute Unklarheit. Bekannt ist, dass es typische Auslösefaktoren für Migräneattacken gibt, wie zum Beispiel Stress, bestimmte Nahrungs- und Genussmittel, aber auch Veränderungen des typischen Tagesablaufs wie zuwenig oder zuviel Schlaf.

Studien mit eineiigen Zwillingen zeigen, dass die Migräne mit Aura wenigstens zum Teil genetische Ursachen hat: Ist der eine Zwilling betroffen, leidet der zweite in der Hälfte der Fälle ebenfalls unter der Erkrankung. Anders als z. B. bei der Mukoviszidose oder der tödlich verlaufenden Chorea Huntington, bei denen jeweils ein einzelnes Gen verändert ist, sind bei der Entstehung einer Migräne mit Aura aber mehrere Erbanlagen beteiligt – eine Tatsache, die es den Medizinern erheblich schwerer macht, die ursächlichen Genveränderungen zu identifizieren. Um verdächtige Regionen im Erbgut aufzuspüren, sind die Forscher daher auf die Mithilfe möglichst vieler Versuchspersonen angewiesen. Die Wissenschaftler des Bonner Instituts für Humangenetik und der Schmerzklinik Kiel wollen mehrere hundert Patienten untersuchen, die an Migräne mit Aura leiden. Sie suchen Familien, in denen mindestens zwei Geschwister betroffen sind. Die Probanden müssen lediglich zu einer Blutentnahme bereit sein und einen Fragebogen zum Krankheitsverlauf beantworten. Sind die beteiligten Gene erst einmal identifiziert, so die Hoffnung der Wissenschafter, lassen sich langfristig vielleicht neue und wirksamere Medikamente entwickeln, mit denen die quälenden Symptome besser zu behandeln sind.

Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann sich mit Dr. Christian Kubisch oder Frau Unda Todt, Institut für Humangenetik der Universität Bonn, in Verbindung setzen: Tel.: 0228/287-2342 oder -2153, Fax: 0228/287-2154, E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.].

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