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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2002 "Fenstersturz" rief Tierrettung auf den Plan

"Fenstersturz" rief Tierrettung auf den Plan

Bonner Mikrobiologie als Brutplatz für Turmfalken

Ungewöhnlicher Einsatz für die Bonner Berufsfeuerwehr: Ein junger Turmfalke war aus seinem Nest in der Wand des Mikrobiologischen Instituts der Universität Bonn gestürzt und hockte nun verängstigt im Gebüsch unter seinem Brutplatz. Die Rettungsaktion hatte ein Happy End: Die Feuerwehr brachte das unverletzte Tier zur Wildvogelpflegestation nach Kirchwald, wo es hochgepäppelt und später nach einem Flug- und Jagdtraining ausgewildert wird.

Schon seit Jahrzehnten dient ein Loch in der Fassade des ehemaligen Chemie-Instituts in der Meckenheimer Allee regelmäßig Turmfalken als Unterschlupf. In luftiger Höhe von gut zehn Metern scheinen sie sich so wohl zu fühlen, dass selbst der Denkmalschutz ihnen ihren Platz nicht streitig machen konnte: Als das Gebäude vor gut fünfzehn Jahren renoviert wurde, sollte ursprünglich auch das kreisrunde Ventilationsloch zugemauert werden. Die künstliche Höhle beherbergte jedoch schon damals ein Turmfalkenpärchen, weshalb man schließlich doch davon absah.

"Der Turmfalke ist der zweitkleinste europäische Falke", erklärt der Mikrobiologe und Hobby-Ornithologe Professor Dr. Jobst-Heinrich Klemme. "Er ist bei uns geschützt, obwohl sein Bestand nicht gefährdet ist, da er sich sehr flexibel an unsere Kulturlandschaft angepasst hat." Als Nistplätze wählt der Raubvogel häufig alte Gebäude, Schornsteine oder Kirchtürme; daher auch sein Name. Sein Revier ist in der Regel sechs bis sieben Quadratkilometer groß - "unser Pärchen fliegt wahrscheinlich bis ins Meßdorfer Feld oder ins Melbtal", erläutert der Vogelkundler. Beim Beutefang fliegt der Falke in etwa zehn bis zwanzig Metern Höhe auf der Stelle - er "rüttelt". Sobald er ein mögliches Beutetier sieht, stürzt er pfeilschnell zu Boden und erreicht dabei Geschwindigkeiten von über achtzig Stundenkilometern. Der Vogel ernährt sich von Mäusen und anderem Kleingetier; auch Libellen und Käfer stehen auf seiner Speisekarte.

Die drei Jungvögel des Bonner Falkenpaars wollten sich Ende Juni zu ihrem Jungfernflug aufmachen. In den Tagen zuvor waren sie gut zu beobachten, wie sie abwartend an der Nestkante kauerten. "Dabei scheint der kleinste von ihnen aus dem Nest gestoßen worden zu sein", so Professor Klemme. Die Mikrobiologen sind spürbar stolz auf ihre gefiederten Untermieter. Als der neuberufene Institutsdirektor Professor Dr. Erwin Galinski den hinter dem Nest liegenden Raum zu einem klimatisierten Labor umrüsten wollte, ließ er für die Luftzufuhr extra einen Deckendurchbruch vornehmen, statt das alte Ventilationsloch zu nutzen - schließlich haben die Vögel die älteren Rechte.

Ansprechpartner für die Medien: Professor Dr. Jobst-Heinrich Klemme, Tel.: 0228/73-5590, E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.], und Professor Dr. Erwin Galinski, Tel.: 0228/73-7716, E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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Nistplatz der Turmfalken ist ein Loch in der Fassade des ehemaligen Chemie-Gebäudes. Foto: Frank Luerweg
Nistplatz der Turmfalken ist ein Loch in der Fassade des ehemaligen Chemie-Gebäudes. Foto: Frank Luerweg
Vogelkind mit scharfen Krallen... Foto: Marlene Stein
Das Falkenjunge kam nach seinem Sturz mit dem Schrecken davon; die Feuerwehr brachte das unverletzte Tier zur Wildvogelpflegestation nach Kirchwald. Foto: Marlene Stein
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