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Sie schenken Kindern ein strahlendes Lächeln

Bonner Kieferchirurgen helfen Kindern in Namibia

Kinder mit angeborener Lippenspalte finden in Namibia oft nur schwer medizinische Hilfe und eine Behandlung im Ausland ist für die Familien nicht bezahlbar. Jetzt operierte ein elfköpfiges Team aus Anästhesisten, Plastischen Chirurgen, Kieferchirurgen sowie Schwestern in Oshakati unentgeltlich 80 Patienten - hauptsächlich Kinder mit Lippenspalten und Verbrennungsopfer. Der zweiwöchige Einsatz wurde vom Verein INTERPLAST organisiert. Mit von der Partie waren drei Mediziner und eine Anästhesieschwester des Universitätsklinikums Bonn.

Etwa 180 Hilfesuchende erwarteten die Ankunft des deutschen Teams in Oshakati im Norden Namibias und hatten teilweise eine Anreise von 500 Kilometer in Kauf genommen. Ihr Leidensdruck ist hoch: Die Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte haben Schwierigkeiten, Nahrung zu sich nehmen, und oft Sprachstörungen. Das Martyrium der Verbrennungsopfer geht soweit, dass sie aufgrund der Vernarbungen mitunter ihre Arme oder Beine nicht strecken und heben können. Doch Spezialisten wie Plastische Chirurgen und Kieferchirurgen gibt es in Namibia nicht. So opfern die Teammitglieder, darunter Oberarzt Dr. Thomas Anwander, Dr. Meike Herlyn-Elger und Anästhesieschwester Irene Hertweck vom Universitätsklinikum Bonn und der in Bad Godesberg praktizierende Universitätsprofessor Dr. Bernd Niederhagen, nicht zum ersten Mal für einen solche Hilfsaktion zwei Wochen Urlaub.

Neun Tage, zehn Stunden täglich operierte das Team ohne längere Pausen. "Der Operationssaal im Oshakati Hospital ist sehr gut ausgestattet, und wir konnten unsere Patienten auf gutem Niveau versorgen", sagt Kieferchirurg Anwander. Alles was noch fehlte, wie Spezialinstrumente und Verbandsmaterial, hatten sie im Reisegepäck mitgebracht. Doch bei Dauerregen und 35 Grad ging es für die deutschen Mediziner oft an die körperliche Belastungsgrenze "Es war wie in einem römischen Dampfbad, und einmal fiel sogar die Klimaanlage im OP aus", erzählt Professor Niederhagen.

80 Patienten fanden Hilfe

Da nicht alle Hilfesuchenden in den zwei Wochen vor Ort behandelt werden konnten, musste das Team selektieren und rund 100 Hilfesuchende abweisen. "Wir haben eher die jüngeren Patienten mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte behandelt. Je älter der Betroffene, desto unwahrscheinlicher ist es, dass dieser lernt, normal zu sprechen oder zu essen", sagt Professor Niederhagen. "Säuglinge haben wir jedoch nicht operiert. Denn das Risiko bei der Narkose ist zu hoch." Die Plastischen Chirurgen kümmerten sich dagegen um Patienten mit vernarbten Brandverletzungen. Sie verkleinerten auch Brüste - bei Frauen in Namibia ist das Brustgewebe oft extrem vergrößert. "Das sind keine Schönheitsoperationen. Die Frauen leiden enorm unter der schweren Last", sagt Kieferchirurg Anwander. So wurde bei sechs Patientinnen auf beiden Seiten jeweils vier Kilogramm Brustgewebe entfernt. 20 bis 30 Prozent der behandelten Patienten waren mit HIV infiziert.

Die Bonner Mediziner sind sich einig: Ein solche Hilfsaktion ist kein Erholungsurlaub, doch es sei schön den Menschen hier direkt zu helfen. Die Familie zuhause hat dafür Verständnis. Zudem mache es Spaß einmal fernab jeglicher Bürokratie endlich nur das zu tun, warum man eigentlich Chirurg wurde. "Natürlich muss das Team stimmen, sonst funktioniert es nicht", sagt Kieferchirurg Anwander.

INTERPLAST-Gemany e.V. ist ein gemeinnütziger Verein für kostenlose Plastische Chirurgie in Entwicklungsländern. Weltweit organisiert der Verein jährlich 30 bis 40 Einsätze, die jeweils rund 15.000 Euro kosten. Dabei kommt er auch für den Flug, Unterkunft und Verpflegung des medizinischen Teams auf. Weitere Informationen gibt es im Internet unter http://www.interplast-germany.de.


Kontakt für die Medien:
Dr. Dr. Thomas Anwander
Oberarzt an der Klinik für Mund-, Kiefer, und Gesichtschirurgie
Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-15839
E-Mail:
thomas.anwander@ukb.uni-bonn.de

Professor Dr. Dr. Bernd Niederhagen
Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurg
Telefon: 0228/233345
E-Mail:niederhagen@mgk-bonn.de

Bilder zur Presseinformation

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Bildautoren sind Professor Niederhagen und Dr. Anwander.

Eingang des Krankenhauses in Oshakati.
Das Bonner Quartett im OP (von links) Anwander, Hertweck, Professor Niederhagen und Herlyn-Elger
Ein 15 Monate alter Junge mit Lippenspalte auf dem Arm seiner Großmutter
Ein etwa anderthalbjähriges Mädchen nach der Operation
Anästhesieschwester Hertweck mit anderhalbjährigem Kind

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