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Fossiles Blätterrauschen im Siebengebirge

Im Goldfuß-Museum sind wunderschöne Pflanzenfossilien zu sehen

Im Januar 2006 erreichte das Paläontologische Institut der Universität Bonn die Nachricht eines Amateur-Paläontologen aus Königswinter. Herbert Schmitz war bei einer Baustelle auf dem Wintermühlenhof im Mittelbachtal auf neue Pflanzenfossilien gestoßen und benachrichtigte sofort das Institut für Paläontologie der Universität Bonn, um diese sichern zu lassen. Wenig später untersuchten die Wissenschaftler die Fundstelle und erkannten den wissenschaftlichen Wert der Fossilien. Einige besonders schöne Exemplare sind ab November als "Fossilien des Monats" im Goldfuß-Museum zu sehen.

Das Siebengebirge ist schon seit dem 19. Jahrhundert für seine reichhaltigen Fossilfundstellen aus dem Tertiär bekannt. Der Wintermühlenhof nimmt dabei als Fundstelle eine besondere Stellung ein, da er bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts untersucht wurde. Die Bodenschichten, die die Fossilien enthielten, waren jedoch nach 1950 fast nicht mehr zugänglich. Die Funde vom Wintermühlenhof - vor allem Blattfossilien und versteinerte Hölzer - waren bei Sammlern sehr begehrt.

Durch die Mithilfe des Amateur-Paläontologen konnten an der Fundstelle viele Stücke geborgen und für die Wissenschaft gerettet werden. Die schönsten Stücke sollen nun im Rahmen der Reihe "Fossil des Monats" im Goldfuß-Museum ausgestellt werden. Gezeigt werden auch Stücke des Wuppertaler Sammlers Eberhard Klein, der dem Institut für Paläontologie der Universität Bonn weitere Fossilien überlassen hat.

Eine Besonderheit der Flora sind die detailreich erhaltenen Blätter und Früchte sowie das "opalisierte" Holz. Dieses entsteht, wenn Holz von Kieselsäure durchtränkt wird. Da Holzopale häufig durch unterschiedliche Minerale bunt eingefärbt sind, waren sie immer schon beliebte Sammlerobjekte. Die Ablagerungen am Wintermühlenhof entstammen dem oberen Oligozän und sind damit etwa 24 bis 28 Millionen Jahre alt. Sie sind etwas älter als die Blätterkohlen von Rott bei Hennef. Bei den Ablagerungen handelt es sich um Sedimente aus den Überflutungsbereichen kleiner Flüsse oder Bäche.

Die Funde stammen von Verwandten heutiger Laubbäume, zum Beispiel von Pappel oder Ahorn. Daneben finden sich auch lorbeerartige Gewächse, die heute im Mittelmeerraum vorkommen. Seltener sind Magnolienblätter oder Triebe von Mammutbäumen. Diese Mischung aus subtropischen Pflanzen und Gewächsen der kühlgemäßigten Breiten ist namensgebend für die damalige Pflanzenwelt: Arkto-tertiäre Flora. 

Fotos zu dieser Presseinformation

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Alle Fotos: © Georg Oleschinski / Uni Bonn



Fossiles Blatt aus der Familie der Juglandaceae, zu denen beispielsweise die heutigen Pekannussbäume zählen


Fossiles Blatt der Sumpfzypresse


Trigonobalanopsis rhamnoides

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