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Stammzellen: Von der Forschung in die Anwendung

Wissenschaftler aus ganz Europa diskutieren in Bonn die nächsten Schritte zu schlagkräftigen Therapien

Für die Therapie bestimmter Hirnerkrankungen bieten Stammzellen viel versprechende Perspektiven. Doch der Weg vom Labor bis zur Behandlung breiter Patientengruppen ist weit. Das European Consortium for Stem Cell Research (EuroStemCell) trifft sich am 26. und 27. Oktober in Bonn/Königswinter. Unter dem Motto "A Road Map to the Clinic" sollen die nächsten Schritte zur Umsetzung experimenteller Befunde in schlagkräftige Therapien geplant werden. Organisiert wird die Veranstaltung vom LIFE&BRAIN-Zentrum an der Universität Bonn. Im Mittelpunkt stehen die Krankheiten Parkinson, Multiple Sklerose und Schlaganfall.

Bereits seit 20 Jahren werden Zelltransplantate ins Gehirn erfolgreich eingesetzt, um in Tiermodellen neurologische Defekte zu behandeln. Für einige Erkrankungen wie Morbus Parkinson konnte diese Methode bereits auf den Menschen übertragen werden. Vor allem bei jungen Patienten ließen sich dadurch zum Teil dramatische Verbesserungen erzielen. "Diese Beispiele zeigen, dass Zellersatz im Gehirn und Rückenmark im Prinzip funktioniert", erklärt Professor Dr. Oliver Brüstle vom LIFE&BRAIN-Zentrum an der Universität Bonn. Doch der begrenzte Zugang zu Spendergewebe hat dieser Methode Grenzen gesetzt. Mit der Verfügbarkeit von Stammzellen steht nun eine nahezu unerschöpfliche Spenderquelle zur Verfügung. "Dadurch bieten sich enorme Chancen, die Verfahren in Richtung einer klinischen Anwendung weiter zu entwickeln."

Auf dem Weg dorthin will Europas Stammzell-Elite nun in Bonn einige wichtige Pflöcke einrammen: "Ziel des Meetings ist es, einen realistischen Fahrplan in Richtung klinische Anwendung aufzustellen. Denn nicht alle Gehirnerkrankungen eignen sich gleichermaßen für eine Stammzelltherapie, und jede Erkrankung hat ihre eigenen Herausforderungen", erläutert Brüstle. Besonders geeignet für eine Transplantation sind Krankheiten, bei denen an umschriebener Stelle ein bestimmter Nervenzelltyp ausfällt, wie etwa bei der Parkinsonschen Erkrankung. Bei Schlaganfall und Multipler Sklerose wird zudem versucht, im Gewebe schlummernde Stammzellen für eine Selbstheilung zu aktivieren.

Ein wichtiges Ziel ist die internationale Standardisierung der Verfahren. Beispiel Parkinson-Krankheit: Während schwedische Studien in der Vergangenheit einige Erfolge vermelden konnten, berichtete eine US-Gruppe unlängst über viel schlechtere Ergebnisse. Doch aufgrund verschiedener Methoden waren die Ergebnisse nicht vergleichbar. Auch die Auswahl der Patienten kann großen Einfluss auf das Ergebnis haben. Je einheitlicher das Studiendesign ist, desto leichter ist auch die Interpretation der Daten - und desto schneller finden sich "Knackpunkte", die es zu optimieren gilt.

Ein weiteres Workshop-Thema ist die Sicherheit von Stammzellen: "Wie lässt sich verhindern, dass implantierte Zellen zu Tumoren entarten? Und wie lässt sich das Problem der Abstoßung in den Griff bekommen?", skizziert Brüstle zwei wesentliche Fragen. Schließlich handelt es sich um Fremdgewebe; man muss also wie nach einer Organtransplantation verhindern, dass die Immunabwehr gegen die implantierten Zellen Amok läuft.

Die rund 100 Wissenschaftler werden in Bonn auch ethische Aspekte ihrer Arbeit diskutieren. So suchen momentan Arbeitsgruppen weltweit nach unbedenklicheren Möglichkeiten, neue Stammzelllinien zu gewinnen. Gerade in Deutschland bestünde dafür Bedarf. Professor Brüstle: "Die Zelllinien, mit denen wir hierzulande arbeiten dürfen, sind für einen klinischen Einsatz nicht zu verwenden."


Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Brüstle
Institut für Rekonstruktive Neurobiologie
LIFE & BRAIN Center
Universität Bonn
Telefon: 0228/6885-500
E-Mail:
r.neuro@uni-bonn.de
www.stemcells.uni-bonn.de

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