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Mehr als 700 Experten auf dem Tropentag in Bonn

Organisatoren erwarten Teilnehmer aus 72 Ländern

Internationaler geht's kaum: Mehr als 700 Experten aus 72 Ländern treffen sich vom 11. bis zum 13. Oktober an der Universität Bonn zum Tropentag 2006. Im Zentrum des Kongresses steht die Frage, welchen Beitrag die Agrarwissenschaften zur Armutsbekämpfung leisten können. Dabei stellen die Forscher neue Ansätze für eine effizientere Nutzung und gerechtere Verteilung von natürlichen Ressourcen vor. Auch ökologische Aspekte kommen auf dem Tropentag nicht zu kurz. Die Tagung wird vom Master-Studiengang ARTS und der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn organisiert.

"Übergeordnetes Thema des Tropentags ist die Globalisierung", erklärt Professor Dr. Mathias Becker, der den Kongress mit organisiert. "Moderne Transportmittel und Kommunikationsmittel sowie die Vernetzung der Märkte machen die Welt zum globalen Dorf. Doch nicht alle haben das Glück, in den besseren Vierteln dieses Dorfes zu leben; es gibt Gewinner und Verlierer."

Beispiel Naivasha-See in Kenia: Der See liegt in einem sehr trockenen Teil des Rift Valley. Kleinbauern nutzen sein Wasser seit Jahrhunderten für den Anbau von Mais und Feldgemüse, nomadische Viehhalter tränken an ihm ihre Herden. Zwei typische Globalisierungseffekte stören neuerdings dieses Gleichgewicht. Zum Einen trat eine internationale Bestimmung in Kraft, dank derer die ökologisch wertvollen Papyrusbestände am östlichen Seeufer zum Naturschutzgebiet erklärt wurden. Damit wird Kleinbauern und Viehherden der Zugang zum Wasser teilweise verwehrt.

Darüber hinaus haben sich in den letzten Jahren zahlreiche internationale Agrarunternehmen am Seerand angesiedelt. In riesigen Glashauskomplexen produzieren sie Gemüse und Schnittblumen auf Hydrokulturbasis für den europäischen Markt. Der Wasserverbrauch stieg in der Folge immens an. Wissenschaftler prognostizieren, dass der Naivasha-See in den nächsten drei Jahrzehnten komplett austrocknen wird. Schon jetzt sind Konflikte zwischen den diversen Land- und Wassernutzern an der Tagesordnung, die zunehmend auch mit Waffengewalt ausgetragen werden. "Wir planen gerade zusammen mit der Universität Köln ein Projekt, in dem wir unter anderem Konzepte zur effizienten Ressourcennutzung am Naivasha-See erarbeiten wollen", erklärt Professor Becker.


Die ungleichen Entwicklungsmöglichkeiten internationaler Agrarkonzerne und regionaler Kleinbauern wurden bereits in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts von dem deutschstämmigen Entwicklungsökonomen Sir Hans Singer formuliert - also lange, bevor der Terminus "Globalisierung" überhaupt geprägt wurde. Anhand empirischer Studien wies Singer nach, dass Entwicklungsländer immer mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse produzieren müssen, um dafür Industriegüter aus entwickelten Staaten importieren zu können. Anschaulich gesagt: Für den Kauf eines Kleinwagens müssen Entwicklungsländer ständig größere Mengen an Kaffee bezahlen. Der Kaffeepreis sinkt, während die Automobilpreise ansteigen. Diese These bildet seither die Basis der internationalen Entwicklungspolitik von Weltbank und Vereinten Nationen.

Auf dem Tropentag werden renommierte Gastredner wie der Untersekretär der Vereinten Nationen Professor Hans van Ginkel und der Direktor des internationalen Entwicklungsinstituts Dr. Simon Maxwell die Singerschen Thesen vor dem Hintergrund der Globalisierungseffekte diskutieren. Rund 700 Wissenschaftler aus 72 Ländern stellen zudem Forschungsergebnisse und praktische Fallstudien zum Thema "Reichtum und Armut in einer gloabalisierten Welt: Herausforderungen für die Agarforschung" vor. Drei Tage lang werden sie unter anderem neue Ansätze für eine effizientere Nutzung und gerechtere Verteilung von Ressourcen diskutieren.

Weitere Informationen zum Thema sowie zur Tagung finden sich unter www.tropentag.de.


Kontakt:
Professor Dr. Mathias Becker
Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
Abteilung für Pflanzenernährung, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4001
E-Mail:
mathias.becker@uni-bonn.de

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