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Das Klischee von der gruppenorientierten Arbeitsbiene

Der Japanologentag in Bonn zeigt, wie sehr unser Bild der Bewohner Nippons oft den Tatsachen hinterherhinkt

Am Dienstag, 12. September, beginnt an der Universität Bonn der 13. deutschsprachige Japanologentag. Die Organisatoren erwarten mehr als 300 Teilnehmer, vor allem aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und aus Japan. Schwerpunkte sind in diesem Jahr unter anderem die Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft, Literatur und Philosophie im Land der aufgehenden Sonne. Dabei dokumentieren viele Beiträge, wie sehr unsere Japan-Klischees oft der Realität hinterherhinken. Auch interessierte Laien können nach Zahlung einer Tagungsgebühr an der deutschsprachigen Konferenz teilnehmen. Anmeldeschluss ist der 31. August; nähere Informationen sowie das Anmeldeformular sind über die Leitseite des Japanologentages (http://www.japanologentag.uni-bonn.de) erhältlich.

Die Bewohner Nippons gelten im Westen vor allem als nimmermüde Arbeitsbienen im Dienst des Kollektivs - "ein Stereotyp, das so sicherlich nie gestimmt hat", betont der Bonner Ethnologe Dr. Hans Dieter Ölschleger. "In den ersten Berichten aus Japan hieß es sogar 'Die haben's mit der Arbeit nicht so wie wir.'" Erst später entstand das Bild vom fleißigen Japaner, für den die Firma der Lebensmittelpunkt ist, weshalb er sich für sie bis spät in die Nacht abrackert. Dabei hat der Job gegenüber anderen Lebensbereichen in Japan längst nicht mehr die überragende Bedeutung: Eine Trennung von der Familie aufgrund der Versetzung zu einer weit entfernten Arbeitsstelle würden laut einer Erhebung von 1991 nur noch 36,7 Prozent aller Befragten klaglos in Kauf nehmen. Auch die Einstellung zur Ehe hat sich geändert: 1977 betrug der Anteil arrangierter Eheschließungen in Japan noch 40 Prozent - 1997 waren es gerade noch 10 Prozent, während 9 von 10 Befragten angaben, aus Liebe geheiratet zu haben.

Einseitiges Buddhismusbild

Auch unser Bild vom Buddhismus als der wichtigsten Religion in Japan ist recht einseitig. "Wer im Westen über Buddhismus diskutiert, kennt meistens nur die Lehre, nicht aber ihre institutionelle Verankerung", sagt Christian Steineck von der Bonner Forschungsstelle Modernes Japan. Daher gilt der Buddhismus hierzulande als tolerant und menschenfreundlich. "Das ist aber, als würde man das Christentum nur nach der Bergpredigt beurteilen." Ausgeblendet werde, wie sehr es die buddhistischen Schulen zumindest in Japan stets verstanden hätten, sich mit der herrschenden Klasse zu arrangieren. Als der Staat im 8. Jahrhundert verfügte, zur materiellen Versorgung der buddhistischen Tempel Sklaven einzusetzen, kam von den Mönchen kein Wort der Kritik. Bis ins 20. Jahrhundert hätten Buddhisten stets versucht, sich als gute Patrioten zu beweisen, sagt Steineck: "In Konflikten haben buddhistische ‚Militärpriester' die jungen Soldaten darin bestärkt, ihr Leben für den Tenno zu geben." Seit den 90er Jahren gebe es allerdings auch innerhalb des Buddhismus Bestrebungen, derartige Verfehlungen aufzuarbeiten.

Bis zum 15.9. diskutieren auf dem Japanolologentag rund 300 Wissenschaftler in 11 verschiedenen Sektionen über aktuelle Forschungsthemen. Dabei geht es neben wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen auch um die Sprache, Literatur, Kunst und Philosophie im wirtschaftlich stärksten Land Asiens. Der Japanologentag findet alle drei Jahre an deiner deutschen Universität statt; Bonn war bereits 2003 Konferenzort. Ausrichter ist die Gesellschaft für Japanforschung gemeinsam mit dem Japanischen Kulturinstitut Köln sowie den japanwissenschaftlichen Einrichtungen der Universität Bonn (Japanologie am Institut für Orient- und Asienkunde; Forschungsstelle Modernes Japan).

Kontakt:
Dr. Christian Steineck
Forschungsstelle Modernes Japan an der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9698 oder -7223
E-Mail:
steineck@uni-bonn.de

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