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Wenn der eigene Körper zum Feind wird

Uni-Klinik: Offene Essstörungsambulanz auf dem Venusberg

Essstörungen wie Magersucht und Ess-/Brechsucht sind eine Gefahr für die Gesundheit. Bleibende körperliche Schäden und Depressionen sind keine Seltenheit. Jeder zehnte Magersüchtige stirbt an den Folgen der Krankheit. Doch die Schwelle, ärztlichen Rat zu suchen, ist für die Betroffenen meist sehr hoch. Daher richtet die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn jetzt donnerstags von 13 bis 16 Uhr eine für alle Betroffenen zugängliche Essstörungsambulanz ohne Terminvoranmeldung an. Ziel ist es, eine vorliegende Essstörung frühzeitiger zu erkennen.

Gerade junge Frauen ab der Pubertät gelten als Risikogruppe der Magersucht, der selteneren aber auch gefährlichsten krankhaften Essstörung. "Die Häufigkeit stagniert zwar in den letzten Jahren, aber es sind immer jüngere Mädchen betroffen", sagt Dr. Katrin Imbierowicz, Oberärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. Oft magern die Betroffenen auf etwa die Hälfte ihres Gewichts ab - viele bringen nur noch 30 Kilogramm auf die Waage - und empfinden sich trotzdem immer noch als zu dick. Neben psychischen Belastungen in der Pubertät können unter anderem auch ungelöste familiäre Konflikte sowie der gesellschaftlich bedingte Schlankheitswahn die Mitursache einer Magersucht sein.

Durch den starken Gewichtsverlust unterscheidet sich die Magersucht von der Ess-/Brechsucht, der so genannten Bulimie. Diese Essstörung ist durch wiederholte Essattacken und anschließendes selbst herbeigeführtes Erbrechen gekennzeichnet. Auch das so genannte Binge-Eating äußert sich in Essattacken, jedoch ohne anschließendes Erbrechen. Beide Erkrankungen resultieren nicht zwingend in ein Unter- oder Übergewicht, und die Betroffenen versuchen, eine unauffällige Fassade aufrechtzuerhalten. Allen Essstörungen gemeinsam sind unter anderem Schuldgefühle, Selbsthass, Depressionen und Rückzugsverhalten bis hin zur völligen Isolation sowie Selbstmordgedanken.

Jahrelange Erfahrung mit der Behandlung von Essstörungen zeigte den Bonner Ärzten, dass für Patienten die Schwelle, sich mit einer psychosomatischen Behandlungseinrichtung in Verbindung zu setzen, oft viel zu hoch ist. "Durch diese Angst verstreicht oft wertvolle Zeit. Häufig informieren sich Betroffene nur über das Internet, was die Gefahr von nicht unerheblichen Fehlinformationen birgt", sagt Oberärztin Imbierowicz. Die neue offene Ambulanz an der Bonner Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bietet Betroffenen die Möglichkeit einer fundierten und kostenlosen Beratung ohne Voranmeldung und Überweisung des Hausarztes. Sie klärt, ob eine Essstörung vorliegt, und informiert über sinnvolle Therapiemöglichkeiten. Die Bonner Ärzte wollen die Kontaktschwelle senken und das Informationsniveau anheben. So könnten bei erforderlicher Therapie durch eine frühere Kontaktaufnahme mit Behandlungseinrichtungen die Krankheitsdauer verkürzt und die Folgen reduziert werden.

Kontakt:
Dr. Katrin Imbierowicz
Oberärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-16628
E-Mail:
k.imbierowicz@uni-bonn.de

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