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EU-Lärmrichtlinie: Es geht auch kostengünstig!

Bei der Lärmkartierung können Land und Kommunen bis zu 60 Prozent Kosten sparen

Am 25.6.2002 trat die EU-Umgebungslärmrichtlinie in Kraft. Danach müssen die EU-Mitgliedsländer alle fünf Jahre die Lärmbelastung in den Ballungsräumen, an den Hauptverkehrsstraßen und Hauptstrecken der Bahn sowie im Umland der großen Flughäfen erfassen. Es müssen Lärmkarten zu den wichtigsten Lärmquellen und Aktionspläne zur Minderung der Lärmbelastung erarbeitet werden. Die Lärmkartierung ist eine Aufgabe, die nur mit erheblichem finanziellen Aufwand zu stemmen ist. Doch mit einer effizienten Einteilung ihrer Ressourcen und der nötigen technischen Infrastruktur können Land und Kommunen bis zu 60 Prozent der Kosten sparen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie der Universität Bonn im Auftrag des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW. Morgen, am 9. Mai, wird das Institut für Kartographie und Geoinformation (IKG) ab 8:30 Uhr seine Ergebnisse im Universitätsclub Bonn, Konviktstraße 9, vorstellen. Die Veranstaltung richtet sich an Experten aus Kommunen, Wirtschaft und Ministerien in Deutschland und der EU.

Umweltminister Eckhard Uhlenberg: "Die Umgebungslärmrichtlinie nimmt in Zukunft einen wichtigen Stellenwert bei der Lärmbekämpfung in Nordrhein-Westfalen ein. Aufgrund der Größe, der hohen Einwohnerdichte und der engmaschigen Verkehrsnetze steht das Land aber vor besonderen Umsetzungsproblemen. Die Machbarkeitsstudie liefert wichtige Ansätze, damit die Lärmkartierung in NRW sachgerecht, fristgemäß und kostengünstig durchgeführt werden kann."

Bei der EU-Umgebungslärmkartierung geht es um die Erstellung von digitalen Karten, in denen die Lärmbelastung verzeichnet ist. So will man beispielsweise verhindern, dass Wohngebiete einem zu hohen Geräuschpegel durch nahe Flughäfen oder Autobahnen ausgesetzt sind. "Die Schallimmissionen werden dabei nicht gemessen, sondern berechnet", erklärt Projektleiter Dr. Thomas H. Kolbe vom Bonner IKG. "Nehmen wir das Beispiel Straßenverkehr: Wenn ich weiß, wie hoch das Verkehrsaufkommen ist und wie sich der Verkehr zusammensetzt, wo Schallschutzwände oder Häuser stehen und wo beispielsweise die Geländetopographie die Ausbreitung des Schalls verhindert, kann ich daraus die Verteilung der Lärmbelastung errechnen." In der Praxis erledigt diese Aufgabe eine spezielle Lärmsoftware, die aus den Daten eine je nach Geräuschpegel eingefärbte Karte erzeugt.

"Bislang haben nur wenige Kommunen in Nordrhein-Westfalen diese Art der Lärmkartierung durchgeführt, da sie recht teuer und zeitaufwändig ist", erklärt der Leiter der Studie Professor Dr. Lutz Plümer. "Zudem unterscheiden sich oft die Kartierungsweisen voneinander, wodurch die Ergebnisse nicht immer vergleichbar sind." Mit der EU-Richtlinie wird die Umgebungslärmkartierung für die Verursacher Straße, Schiene, Flugverkehr, Gewerbe und Häfen nun obligatorisch. Auch soll sie alle fünf Jahre wiederholt werden. Im Auftrag des Landes NRW haben Plümer und seine Mitarbeiter daher untersucht, wie sich diese Aufgabe möglichst effizient umsetzen lässt. Ihr Ergebnis: Durch Nutzung der bestehenden landes- und bundesweiten Geodateninfrastruktur und der damit verbundenen Synergieeffekte ließen sich 60 Prozent der Kartierungskosten sparen. "Wir stellen in der Studie eine differenzierte Vorgehensweise mit zentralen und dezentralen Elementen vor", erklärt IKG-Mitarbeiterin Angela Czerwinski. Beispiel Straßenlärm: Allein durch eine zentrale Datenbereitstellung und teilweise zentrale Kartierung der Hauptverkehrsstraßen ließen sich die Hälfte der bisherigen Kosten einsparen. Für den Flugverkehr sieht es ähnlich aus: Ein Gesamtgutachten pro Flughafen würde ebenfalls erhebliche Einsparungen ermöglichen.

Einen ungehobenen Schatz stellen auch die bereits vorhandenen Geodaten dar: Oft verfügen verschiedene Kataster- und Vermessungsämter jeweils über einen Teil der benötigten Informationen. "Die Kunst ist es, diese bereits vorhandenen Quellen zu nutzen und zusammenzuführen", sagt Czerwinski. So könnte die Lärmsoftware beispielsweise Straßendaten von einem Internetserver der Straßenbauverwaltung mit Geländemodell und Bebauungsdaten des Landesvermessungsamts kombinieren und dazu von einem anderen Server das kommunale Straßennetz laden.

Um die verstreuten Informationen nutzen zu können, müssen alle Nutzer die gleiche "Kommunikationssprache" sprechen. Diese wird durch internationale Standards festgelegt - diese sind sozusagen der Duden der GIS-Welt: Die Standards legen die Regeln fest, nach denen Geoinformationssysteme miteinander kommunizieren. "Wenn man es schafft, vorhandene Geodaten durch eine standardisierte Infrastruktur besser zu nutzen, lässt sich der Aufwand für die Lärmkartierung drastisch reduzieren", ist Kolbe überzeugt. Aus diesem Grund wird derzeit für die 3D-Gebäudemodelle ein internationaler Standard erarbeitet ("CityGML").

Am 9. Mai präsentieren die Wissenschaftler ihre Empfehlungen auf der Schossakademie der Universität Bonn - das ist ein Weiterbildungsprogramm, das dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis dient. Eingeladen sind Lärmkartierungs-Experten aus Kommunen, Landes- und Bundesbehörden sowie der Wirtschaft. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Interessierte aller Bundesländer sowie anderer EU-Staaten. Die Machbarkeitsstudie ist als Download verfügbar unter:
http://www.munlv.nrw.de/sites/arbeitsbereiche/immission/pdf/machbarkeitsstudie.pdf

Kontakt:
Prof. Dr. Lutz Plümer
Angela Czerwinski
Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn
Telefon: 0228 73-9408
E-Mail: czerwinski@ikg.uni-bonn.de
Internet: www.ikg.uni-bonn.de/laermkartierung

Dr. Elke Stöcker-Meier
Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
Telefon: 0211 45 66 710
E-Mail: elke.stoecker-meier@munlv.nrw.de

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