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Diskussion um die Einheitsübersetzung der Bibel

Veranstaltung an der Uni Bonn zu den Gefahren, falls die konfessionsübergreifende Überarbeitung scheitern würde

Im Jahr 1979 erschien unter Mitwirkung evangelischer Theologen erstmals eine für den kirchlichen Gebrauch verbindliche "Einheitsübersetzung" der Bibel. Sie wird auch von der evangelischen Kirche akzeptiert und kommt beispielsweise bei ökumenischen Gottesdiensten zum Einsatz. Ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung bedarf der Text einer Überarbeitung. Doch im September 2005 kündigte die Evangelische Kirche Deutschland aus verschiedenen Gründen ihre Mitarbeit an der Neufassung auf. Am Mittwoch, 8. Februar, um 14 Uhr findet in der Universität Bonn, Hörsaal X, eine öffentliche Veranstaltung statt, in der katholische und evangelische Theologen über die Bedeutung der Einheitsübersetzung für die Ökumene und die Gefahr ihres Scheiterns diskutieren.

Im Zentrum der Veranstaltung steht auch ein Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Einheitsübersetzung. Vor dem 2. Vatikanischen Konzil kannte die katholische Kirche so etwas wie eine "Standard-Bibel" nämlich gar nicht - anders als die evangelische Kirche, in der sich die Übersetzung Luthers durchgesetzt hat. "Ein Grund ist sicher, dass die Bibel im Katholizismus nie so eine große Rolle gespielt hat wie bei den Protestanten", erklärt Professor Dr. Rudolf Hoppe von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Nach dem Konzil änderte sich das: Es entstand der Wunsch nach einer Bibelbelübersetzung, die sich (wie die Luther-Bibel) an den hebräischen und griechischen Urtexten orientieren sollte und nicht wie zuvor an lateinischen Übersetzungen. Seit Anfang der 70er Jahre arbeiteten Katholiken und Protestanten zusammen, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

Ergebnis ist die Einheitsübersetzung von 1979. Sie wurde für den gottesdienstlichen Gebrauch verbindlich und förderte grundsätzlich die Bedeutung der Bibel in der katholischen Kirche. In vielen Formulierungen entspricht sie jedoch mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrer Entstehung nicht mehr dem heutigen Sprachgebrauch; außerdem ist sie nicht in jedem Punkt korrekt. "Eine Übersetzung ist immer ein lebendiges Unterfangen", sagt Professor Hoppe. "Daher soll nun eine Überarbeitung auf den Weg gebracht werden." Die Hoffnung, dass die evangelische Seite auch diesmal kooperieren würde, hat sich bislang nicht erfüllt. Umso dringlicher sei es, dass beide Seiten aufeinander zugingen. "Das Projekt soll einen überkonfessionellen Charakter erhalten, ohne dass damit evangelische Übersetzungen wie die Luther-Übersetzung in Frage gestellt werden."

Der ehemalige Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und frühere Ordinarius für neutestamentliche Exegese an der Universität Göttingen, Altbischof Prof. Dr. Eduard Lohse, wird auf der Veranstaltung zum Thema "Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Historischer Rückblick und ökumenische Perspektiven" sprechen. Danach werden drei Professoren der Katholisch-Theologischen Fakultät in Kurzstatements die Bedeutung einer Bibelübersetzung aus der Sicht ihrer Fächer darstellen und unter Einschluss des Publikums in eine Diskussion mit dem Hauptreferenten eintreten.


Kontakt:
Professor Dr. Rudolf Hoppe
Neutestamentliches Seminar der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3972 oder 73-7849
E-Mail:
kts.nt@uni-bonn.de

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